Die sportlich-luxuriöse VW-Tochter Porsche hat in den vergangenen Jahren kaum eine strategische Kehrtwende ausgelassen. Erst sollte die Zukunft weitgehend elektrisch werden, anschließend wurden Verbrenner und Plug-in-Hybride wieder stärker eingeplant. Nun muss der seit Januar amtierende Vorstandsvorsitzende Michael Leiters aus den unterschiedlichen Ansätzen wieder eine schlüssige Strategie formen, zeigt die Automobilwoche auf. Besonders deutlich zeigt sich die Herausforderung am Taycan, wie die Wirtschaftswoche berichtet.
Wie bereits berichtet, könnte Porsches erstes Elektroauto spätestens 2030 auslaufen. Eine zwischenzeitlich erwogene Verlagerung der Produktion von Zuffenhausen nach Leipzig soll demnach ebenfalls vom Tisch sein. Offiziell bestätigt hat Porsche ein Ende des Taycan bislang allerdings nicht. Leiters hatte noch im Juli erklärt, kurzfristig sei keine Einstellung vorgesehen. Porsche habe viel in das Modell investiert und wolle zunächst beobachten, wie sich die Nachfrage entwickelt.
Dass Handlungsbedarf besteht, zeigen die Verkaufszahlen. Im ersten Halbjahr 2026 lieferte Porsche weltweit nur noch 6219 Taycan aus, 25 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Vom Höchststand aus dem Jahr 2023 mit knapp 41.000 Fahrzeugen ist das Modell damit inzwischen weit entfernt. Auch der elektrische Macan kann die Rückgänge bislang nicht vollständig auffangen: Von insgesamt 35.315 ausgelieferten Macan im ersten Halbjahr entfielen 15.620 auf die elektrische Variante.
Elektromobilität bleibt Teil der Strategie
Ein mögliches Taycan-Aus wäre allerdings nicht gleichbedeutend mit einem Rückzug aus der Elektromobilität. Porsche versucht vielmehr, sein Elektroportfolio neu auszurichten. Leiters bezeichnet die Produktstrategie selbst als entscheidenden Hebel für die Zukunft des Unternehmens. Das Portfolio sei zu komplex geworden, weshalb Varianten gestrichen und Entwicklungsressourcen stärker gebündelt werden sollen. Gleichzeitig hält Porsche ausdrücklich an Elektroautos fest – neben Verbrennern und Hybriden.
Eine Schlüsselrolle soll dabei offenbar der neue Cayenne Electric übernehmen. Die ersten Fahrzeuge werden seit Ende Juni ausgeliefert. Leiters sieht in dem Modell die Chance, eine eigenständige elektrische Tradition der Marke aufzubauen. Das erscheint nicht unplausibel: Der Cayenne ist inzwischen Porsches absatzstärkste Baureihe und dürfte sich mit seinem SUV-Konzept wesentlich leichter elektrifizieren lassen als ein klassischer Sportwagen. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt 38.141 Cayenne ausgeliefert.
Auch ein elektrischer Nachfolger für Boxster und Cayman im 718-Segment steht grundsätzlich weiterhin auf der Agenda. Gleichzeitig hat Porsche bereits 2025 mehrere Elektroprojekte zeitlich nach hinten verschoben. Eine ursprünglich ausschließlich elektrisch geplante große SUV-Baureihe oberhalb des Cayenne soll zunächst mit Verbrennern und Plug-in-Hybriden erscheinen, eine neue Elektroplattform für die 2030er-Jahre wurde neu terminiert.
Porsche kann sich die Elektrofrage nicht sparen
Für Leiters besteht die Kunst nun darin, kurzfristige Nachfrage und langfristige Entwicklung auseinanderzuhalten. Gerade bei teuren Elektroautos wächst der Markt derzeit deutlich langsamer als von Porsche vor einigen Jahren erwartet. Das rechtfertigt es, Investitionen und Modellplanung anzupassen. Es bedeutet aber nicht, dass der weltweite Premiummarkt dauerhaft zum Verbrenner zurückkehrt.
Das zeigt besonders China. Dort brachen Porsches Auslieferungen im ersten Halbjahr 2026 um weitere 32 Prozent auf nur noch 14.501 Fahrzeuge ein. Der chinesische Markt entwickelt sich gleichzeitig besonders schnell in Richtung batterieelektrischer Fahrzeuge und digital geprägter Fahrzeugkonzepte. Porsche kann die dortigen Probleme daher kaum dadurch lösen, dass es sich stärker auf Verbrenner konzentriert.
Vielmehr muss die Marke Elektroautos anbieten, die gegenüber der wachsenden Konkurrenz einen echten Porsche-Mehrwert rechtfertigen. Genau hier scheint Leiters ansetzen zu wollen. Nicht möglichst viele Modelle und Varianten sollen im Vordergrund stehen, sondern besonders begehrliche und margenstarke Fahrzeuge. Der 911 soll deshalb ausdrücklich nicht elektrisch werden, während elektrische Modelle dort eingesetzt werden sollen, wo sie technisch und wirtschaftlich zur Marke passen.
Auch Kosten und Strukturen müssen runter
Parallel muss Leiters Porsche wirtschaftlich wieder stabilisieren. Das Unternehmen hat sich bereits von einigen Randaktivitäten getrennt beziehungsweise deren Ende beschlossen. Unter anderem wird die eigene Batteriezell-Tochter Cellforce nicht weitergeführt. Zudem vereinbarten Vorstand und Betriebsrat im Juli den sozialverträglichen Abbau weiterer 5000 Stellen bis 2035. Gleichzeitig sollen 2,1 Milliarden Euro in die Standorte Zuffenhausen und Weissach investiert werden.
Bei Porsche geht es längst um mehr als um die Frage, wie lange der Taycan noch gebaut wird. Leiters muss Kosten senken, das Modellangebot vereinfachen, den Einbruch in China begrenzen und gleichzeitig entscheiden, für welche Fahrzeugklassen sich Elektro-, Hybrid- und Verbrennerantriebe künftig eignen. Aber welcher Führungsjob in der deutschen Automobilindustrie ist aktuell schon sonderlich entspannt?
Der einstige E-Auto-König Taycan könnte dabei tatsächlich ein Auslaufmodell werden. Die Elektromobilität bei Porsche ist es hingegen nicht. Entscheidend wird vielmehr sein, ob Cayenne Electric, Macan Electric und die kommenden elektrischen Sportwagen stärker überzeugen können als Porsches erster Versuch, die eigene Sportwagen-DNA ins Elektrozeitalter zu übertragen.
Quelle: Automobilwoche – Diese offenen Baustellen muss Porsche-CEO Michael Leiters angehen, Wirtschaftswoche – Porsches Taycan-Flop: Wie die Zukunft des Sportwagenbauers aussieht








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