VW-Sparprogramm setzt Familie Porsche unter Druck

VW-Sparprogramm setzt Familie Porsche unter Druck
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Wolfgang Porsche kämpft um die finanzielle Zukunft der Familien-Holding Porsche SE. Der 83-jährige Industrielle treibt zusammen mit seinem Vetter Hans Michel Piëch das umstrittene Sparprogramm bei Volkswagen voran. VW-Chef Oliver Blume bestätigte in dieser Woche, dass bis zu 50.000 Arbeitsplätze weltweit und vier deutsche Werke zur Disposition stehen.

Für den Wolfsburger VW-Konzern geht es dabei um Standorte und Beschäftigung. Für Wolfgang Porsche steht zugleich sein Lebenswerk auf dem Spiel, die Porsche SE – nicht zu verwechseln mit dem Autohersteller Porsche AG – als diversifizierte Beteiligungsgesellschaft aufzustellen. Das Sparpaket soll die operative Marge bei der Porsche AG von derzeit unter vier Prozent auf acht bis zehn Prozent anheben. Gleichzeitig sollen die geplanten Investitionen bis 2030 von 165 Milliarden auf 130 Milliarden Euro sinken, während die laufenden Kosten um 20 Prozent gesenkt werden müssen.

Der Weg dorthin gestaltet sich allerdings schwierig. Bei der jüngsten Aufsichtsratssitzung scheiterten die Familienvertreter an einer Mehrheit aus Arbeitnehmerseite und dem Land Niedersachsen. Hans Dieter Pötsch, der sowohl die Porsche SE als auch den VW-Aufsichtsrat leitet, führt inzwischen Einzelgespräche. Bis zum Jahresende soll ein tragfähiger Plan stehen.

Sinkende Ausschüttungen setzen die Holding unter Zugzwang

Die Porsche SE hängt in hohem Maße von den Ausschüttungen aus Wolfsburg ab. Im Jahr 2026 fließen nur noch 833 Millionen Euro von Volkswagen und 114 Millionen Euro von der Porsche AG an die Holding, zusammen 947 Millionen Euro. Zwei Jahre zuvor lag die Summe noch bei 1,7 Milliarden Euro. Aus dem Umfeld der Porsche SE heißt es, die sinkenden Zahlen belegten, dass die Holding in der aktuellen Krise keine unangemessen hohen Ausschüttungen verlange. Mit knapp zwei Milliarden Euro Bruttoliquidität sei die Gesellschaft solide finanziert, wobei allein 300 Millionen Euro sofort für Verwaltungskosten und Zinsen aufgewendet werden.

Auf der Porsche SE lasten zudem 5,1 Milliarden Euro Schulden, deren Abbau seit zwei Jahren stockt. Das erschwert das strategische Ziel, die Abhängigkeit vom Auto-Sektor durch Investitionen in Startups und neue Technologien zu verringern. Beteiligungen bestehen bereits am Raketenbauer Isar Aerospace, dem Bus- und Bahnkonzern Flix sowie dem Drohnenhersteller Quantum Systems, ein weiterer Ausbau kommt jedoch nicht voran. Romain Gourvil, Auto-Experte bei Berenberg, ordnet die Lage so ein: Der andauernde Restrukturierungsaufwand bei VW dämpfe den absehbaren Dividendenfluss und verkleinere so den finanziellen Spielraum der Porsche SE für ihre Diversifizierung.

Die Porsche SE ist vor wenigen Wochen aus dem Dax in den MDax abgestiegen. Innerhalb von zwölf Monaten verlor die Aktie ein Drittel ihres Werts. Ursprünglich sollten Anleger:innen vom Know-how der Porsche-Dynastie profitieren, ein Versprechen, das sich in der gegenwärtigen Marktlage nicht einlöst. Ursache ist unter anderem ein gescheiterter Übernahmeversuch aus dem Jahr 2009, als Gründerenkel Wolfgang Porsche die familieneigene Porsche AG den deutlich größeren VW-Konzern übernehmen lassen wollte. Stattdessen kam es umgekehrt: Volkswagen übernahm den Sportwagenbauer, die Familie erhielt im Gegenzug ein umfangreiches VW-Aktienpaket.

Seither ist die Familie in die komplexen Machtstrukturen des Konzerns eingebunden. Ein Ausstieg gilt als faktisch ausgeschlossen, da die niedrige Börsenbewertung von VW einen Verkauf der Aktienpakete nur weit unter Wert zuließe. Zwischen 2021 und 2025 schüttete Volkswagen insgesamt 28 Milliarden Euro an Dividenden aus, eine Strategie, die zugleich die Bewertung an der Börse beeinflusst. Zum Vergleich: Tesla zahlte seit der Gründung keine Dividende und reinvestiert Gewinne stattdessen in Wachstum und neue Technologien. Der US-Elektroautobauer wird derzeit fast 35-mal so hoch bewertet wie Volkswagen.

Aufsichtsrat der Porsche AG vor nächster Entscheidung

Diesen Mittwoch steht das nächste richtungsweisende Treffen an, wenn der Aufsichtsrat der Porsche AG zusammenkommt. Auch dort steht Stellenabbau auf der Agenda. Nach monatelangen Verhandlungen könnte der Sportwagenbauer den verbleibenden Beschäftigten im Gegenzug für den Abbau mehrerer Tausend Stellen Bestandsgarantien anbieten. Für Wolfgang Porsche bleibt es die Gelegenheit, das Familien-Portfolio geordnet an die nächste Generation zu übergeben, wofür zunächst eine Einigung mit Arbeitnehmerseite und dem Land Niedersachsen erforderlich ist.

Quelle: Business Insider – Wolfgang Porsche kämpft um sein Vermächtnis: Der Milliardenplan hinter dem VW-Sparprogramm

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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