Volkswagen: Keine Mehrheit für Blumes Umstrukturierungsplan

Volkswagen: Keine Mehrheit für Blumes Umstrukturierungsplan
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Laura Horst
Laura Horst
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Volkswagen-Chef Oliver Blume soll für seinen umstrittenen Umstrukturierungsplan im Aufsichtsrat keine Mehrheit bekommen haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters in Berufung auf zwei Insider berichtet. Laut den Unternehmensquellen hat das Gremium bei einer Aufsichtsratssitzung mit 12 zu 7 Stimmen gegen Blumes Vorschlag gestimmt.

Widerstand kam demnach vor allem von der Arbeitnehmervertretung, die gemeinsam mit dem Land Niedersachsen eine Mehrheit im Aufsichtsrat hat. „Es reicht! Das Fass ist zum Überlaufen gekommen“, wurde Betriebsratschefin Daniela Cavallo in der Betriebsratszeitung zitiert, die von der Konzernführung eine Verkleinerung des Vorstands sowie die Auflösung von Ressorts fordert. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hat sich laut den Quellen gegen Blumes Plan gestellt. Während der Sitzung sollen keine konkreten Beschlüsse zu möglichen Stellenstreichungen oder Werksschließungen getroffen worden sein. Stattdessen sollen die Gespräche nach der Sommerpause fortgeführt werden.

Deutschlandweite Proteste gegen die Sparmaßnahmen

Die Aufsichtsratssitzung am Donnerstag wurde von lautem Protest der Belegschaft, mobilisiert durch die Gewerkschaft IG Metall, begleitet. Etwa 500 Personen hatten sich direkt zu einer Kundgebung direkt am Vorstandshochhaus versammelt, wo sich der Aufsichtsrat versammelte. An zahlreichen weiteren Standorten in Deutschland gab es ebenfalls Proteste gegen die Sparmaßnahmen, von denen der umfangreiche Abbau von bis zu 100.000 Stellen bis 2030, die Belegschaft am härtesten trifft. Der sogenannte Zukunftsplan nennt zudem die mögliche Schließung von bis zu vier Standorten in Deutschland: Zwickau und Emden, das Audi-Werk in Neckarsulm und das Nutzfahrzeug-Werk in Hannover.

Volkswagen selbst ging in einer Erklärung am Donnerstagabend weder auf mögliche Werksschließungen noch auf den Stellenabbau ein, sondern bekräftigte die bereits bekannten Ziele wie Senkung der Gemeinkosten, Effizienzsteigerung in den Werken und eine Beschleunigung der Technologieentwicklung sowie der Entscheidungsfindung. Ebenso erklärte der Vorstand, der Autobauer richte sich darauf ein, künftig nur noch neun Millionen Autos pro Jahr zu bauen, während es vor der Corona-Pandemie noch zwölf Millionen waren. „Trotz der erzielten Fortschritte reichen die bislang geplanten Kostensenkungen aus den vereinbarten Programmen nicht aus“, ‌sagte Finanzvorstand Arno Antlitz nach der Aufsichtsratssitzung.

Nach Einschätzung von Analysten der US-Investmentbank Jefferies zeigt die Erklärung des VW-Vorstands „keine Anzeichen dafür, dass Fortschritte in Richtung einer Einigung erzielt worden seien“. Der Zukunftsplan enthalte zu wenige Details und verdeutliche „die Unfähigkeit des Managements, harte Maßnahmen durchzusetzen“.

Niedersachsen wollte Kompromiss finden

„Allen Beteiligten ist voll und ganz bewusst, dass sich Volkswagen und die Automobilindustrie insgesamt derzeit in einer kritischen Lage befinden und mit einem äußerst schwierigen internationalen Wettbewerbsumfeld konfrontiert sind“, zitiert Reuters Olaf Lies. In der Aufsichtsratssitzung soll der niedersächsische Ministerpräsident sich laut den Insidern gegen einen möglichen Stellenabbau und Werksschließungen gestellt haben. „Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie für Volkswagen“, sagte er. Eine tragfähige Lösung könne nur mit den Beschäftigten gelingen und es sei „weiterhin Aufgabe des Vorstands, mögliche Konzepte im Detail weiter auszuarbeiten“.

Das Land Niedersachsen soll laut Angaben von mit der Angelegenheit vertrauten Quellen versucht haben, während der Aufsichtsratssitzung einen Kompromiss zu finden. Eine der Quellen gab zudem an, das Land habe ursprünglich einen eigenen Vorschlag vorlegen wollen, die Idee jedoch später wieder fallen lassen, wobei dazu keine Details bekannt sind. Die niedersächsische Landesregierung lehnte eine Stellungnahme gegenüber Reuters ab.

Betriebsratschefin spricht von „Respektlosigkeit“

Betriebsratschefin Daniela Cavallo, die sich am Donnerstagabend laut dem Manager Magazin „erbost“ zeigte, soll Konzernchef Blume aufgefordert haben, im Laufe des Freitags gegenüber der Belegschaft Stellung zu beziehen. „Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten. Oliver Blume steht jetzt in der Pflicht, diesen massiven Schaden wenigstens noch zu begrenzen“, zitiert das Manager Magazin die Betriebsratszeitung.

Obwohl der aktuelle Volkswagen-Tarifvertrag eine Streikpause vorsieht, haben die Gewerkschaften mit verstärkten Arbeitskampfmaßnahmen gedroht, sollte die Konzernleitung versuchen, die bestehenden Vereinbarungen zur Arbeitsplatzsicherheit neu zu verhandeln. Der Betriebsrat forderte die VW-Führung auf, sich bis spätestens Freitag konkret zu den Kostensenkungsplänen zu äußern, und kündigte an, es werde andernfalls nach der Sommerpause „VW-weit und zeitgleich außerordentliche Betriebsversammlungen“ geben, „um die Vorstände dort ans Mikrofon zu zitieren“.

Cavallo bezeichnete Werksschließungen, Stellenabbau und „Sparwut“ als „aktivistische Kurzfrist-Lösungen“. In einem Brief des Konzernbetriebsausschusses (KBA) skizzierte die Betriebsratschefin einige Sanierungsvorschläge seitens der Arbeitnehmer, um das Unternehmen wieder zukunftsfähig zu machen. Dazu gehöre, dass die Konzernsteuerung ihren Fokus auf die Themen Technologie und Plattform lege. Zudem sei ein neues Steuerungsmodell im Konzernvorstand nötig, für dessen Umsetzung personelle Veränderungen im Vorstand unerlässlich seien. „Insgesamt gilt es, den Konzernvorstand zu verschlanken und Ressorts, wo nötig, aufzulösen oder zusammenzulegen“, sagte Cavallo.

Quellen: Reuters – Volkswagen revamp plan blocked by labour opposition, sources say / Manager Magazin – Blume scheitert im Aufsichtsrat, Cavallo fordert kleineren Vorstand

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