Über Jahrzehnte hatte Audi für Sportwagenfans spektakuläre Boliden im Portfolio. Wer es zahmer mochte, verliebte sich in schicke Cabrio- und Coupéversionen von A4 oder A5. Mehr Dynamik und ein entsprechend nachdrückliches Auftreten boten abseits der RS-Modelle die Sportwagen TT und R8 – ebenso wie bei einigen Wettbewerbern mittlerweile aufgrund mangelnder Nachfrage eingestellt.
Doch so ganz ohne Sportwagen im Portfolio fürchteten die Ingolstädter um das mühsam aufgebaute Image, das zuletzt mächtig litt. So wurde der Lamborghini Temerario mit allerhand Aufwand zum spektakulären Audi Nuvolari – stärker als sein Plattformgeber und auffälliger denn je. Das einzige Manko: Vom Hybridboliden werden nur 499 Fahrzeuge gebaut und mit einem Preis von 590.000 Euro ist er doppelt so teuer wie sein Bruder aus Sant’Agata Bolognese.
Keine Frage – der Nuvolari ist ein Hingucker. Sein S-förmiger Lufteinlass an der Front erzeugt Abtrieb, reduziert den Auftrieb bei höheren Tempi und verbessert die Kühlung des Antriebsstrangs. Zentrales Element des aktiven Aerodynamiksystems ist der ausfahrbare Heckflügel, der Abtrieb und Luftwiderstand in drei Konfigurationen steuert: Geschlossen, geringe sowie hohe Last. „Jedes äußere Element erfüllt eine klar definierte aerodynamische Funktion, von der Frontsplitterlippe bis zum Heckdiffusor. Und alles ist so, wie es aussieht, ob aus Kohlefaser oder Aluminium, sowohl außen als auch innen“, erklärt Gael Buzyn, Leiter des Audi Advanced Design Centers in Malibu.
Das monolithische Design des Nuvolari ist das eine, doch ohne einen imposanten Antrieb wird der Supersportler nicht zu einem ebensolchen. Hier haben die Audi-Entwickler den mit 920 PS alles andere als schwächlichen Lamborghini nochmals erstarken lassen, und die Kombination aus vier Liter großem V8 sowie drei Elektromotoren glänzt und tönt gleichermaßen eindrucksvoll. Zum 588 kW / 800 PS / 730 Nm starken Turbomotor kommen drei Elektromotoren. Einer ist im Doppelkupplungsgetriebe verbaut, zwei an der Vorderachse, um für den Allradantrieb zu sorgen. Jeder von ihnen leistet 110 kW / 150 PS, und so bringt der 1,8 Tonnen schwere Doppelsitzer insgesamt 736 kW / 1001 PS auf die Straße oder Rennstrecke, die nicht nur bei Vollgas mehr als imposant anschieben.
Das Hybridsystem speist sich aus einer leider nur 7,3 kWh großen Lithium-Ionen-Batterie, die sich im Kardantunnel versteckt. Die rein elektrische Reichweite von zehn Kilometern ist kaum der Rede wert, viel mehr soll sie eine schnelle Energieversorgung der Elektromotoren nebst entsprechender Rückgewinnung ermöglichen. Wer es ausreizt, lässt den 590.000-Euro-Sportler aus dem Stand in 2,6 Sekunden auf Tempo 100 spurten.

Doch der 4,74 Meter lange Nuvolari will nicht nur donnern, sondern mit einem vorausschauenden Fahrwerkssystem glänzen. Dafür verarbeitet die Bordelektronik in Sekundenbruchteilen Daten wie Lenkwinkel, Beschleunigung, Gierrate oder Haftung und berechnet die Verteilung von Drehmoment, Bremskraft und Aerodynamik. Dabei verteilt sich das Drehmoment aus V8-Turbo und den drei Axialflussmotoren variabel in Längs- und Querrichtung, während die Bremsen den Schlupf reduzieren und eine aktive Aerodynamik für den idealen Anpressdruck sorgt. Die Hochleistungsbremse mit zehn Kolben vorn (420 × 40 mm) und vier Kolben hinten (410 × 32 mm) sorgt auf einer Rennstrecke wie hier in Laguna Seca für maximale Verzögerungen.
Doch so bissig der Nuvolari im Grenzbereich auch bremst, imposanter ist der enorme Schub, den die vier Motoren mit ihren rund 1000 PS auf die Fahrbahn zaubern – untermalt von einem bulligen Sound, der bei Maximaldrehzahlen den Fahrer begeistern und arglose Passanten kopfschütteln lassen dürfte.
Das dünne Alcantara-Steuer liegt derweil angenehm in den Händen des Piloten, der auf kleine Displays blickt und den Allradler ungewöhnlich leicht über die Fahrbahn zirkeln lässt. In den Fahrmodi Dynamic, Dynamic+ und Track steigt der Heckflügel ein, während das System auf der Geraden in die Flachposition wechselt, um Höchstgeschwindigkeit und Stabilität zu optimieren. Das aus der Formel 1 bekannte Drag-Reduction-System kann über einen Taster am Lenkrad aktiviert werden. Für ein präzises Handling fährt der Flügel in schnellen Kurven automatisch aus, sodass die aktive Aerodynamik zur Verbesserung des Fahrverhaltens beiträgt.









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