Geelys nächste Expansionsstufe: Vom Autoexport zum Technologiepartner

Geelys nächste Expansionsstufe: Vom Autoexport zum Technologiepartner
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Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Chinesischen Automobilherstellern reicht es zunehmend nicht mehr, ihre Fahrzeuge lediglich nach Europa und in andere Weltregionen zu exportieren. Am Beispiel von Geely zeigt sich, wie die nächste Stufe der internationalen Expansion aussehen könnte: Der Konzern verkauft nicht nur Autos, sondern stellt anderen Herstellern auch seine Plattformen, Entwicklungskapazitäten, Lieferketten und Produktionsmöglichkeiten zur Verfügung.

Eine zentrale Rolle übernimmt dabei das Ende 2021 gegründete External Collaboration Research Institute, kurz ECRI. Im Gespräch mit der Automobilwoche beschreibt ECRI-Präsidentin Xiaojuan Wang ein Geschäftsmodell, das weit über klassische Entwicklungsdienstleistungen hinausgeht. Partner könnten von der Fahrzeugentwicklung über Erprobung und Homologation bis hin zu Fertigung, Vertrieb und After-Sales unterstützt werden.

Geely gehört inzwischen zu den größten chinesischen Automobilkonzernen, im ersten Halbjahr des Jahres verkaufte der Konzern in China etwas mehr Autos als BYD. Die börsennotierte Geely-Auto-Gruppe verkaufte 2025 insgesamt gut drei Millionen Fahrzeuge, darunter rund 1,7 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride. Zu ihr zählen unter anderem Geely, Lynk & Co und Zeekr. Unter dem breiteren Dach der Zhejiang Geely Holding befinden sich zudem Volvo Cars, Polestar, Lotus, Proton und das gemeinsam mit Mercedes-Benz kontrollierte Smart.

6000 Fachkräfte für externe Projekte

Diese Größe ermöglicht es Geely, Technologien und Plattformen nicht ausschließlich über die eigenen Marken auszulasten. „Zusammenarbeit ist oft der beste Weg, ein gemeinsames Ziel schneller zu erreichen“, erklärt Wang. ECRI beschäftigt demnach mehr als 800 Menschen, kann für externe Projekte aber auf rund 6000 Fachkräfte innerhalb des Konzerns zurückgreifen. Zur Verfügung stehen acht Plattformen für verschiedene Fahrzeugklassen und Antriebsarten. Seit der Gründung seien bereits mehr als 100 Fahrzeugprojekte umgesetzt worden.

Das Angebot richtet sich unter anderem an Hersteller, die neue Fahrzeugklassen oder einzelne Märkte nicht wirtschaftlich aus ihren bestehenden Werken bedienen können. „Unser Angebot passt gut zu Antriebsarten oder Verkaufsmärkten, die die Heimatwerke eines Herstellers nur mit hohen Kosten bedienen könnten“, erläutert Wang. Zu den bekannten Kooperationspartnern zählt Waymo. Der elektrische Kleinbus für den Robotaxi-Einsatz wurde von Zeekr-Mitarbeitern in Schweden entwickelt, während ECRI den Validierungs- und Fertigungsprozess begleitete. Renault nutzt Geely-Technik wiederum für Modelle in Südkorea und Brasilien.

Geely positioniert sich damit gleichzeitig als Automobilhersteller, Entwicklungsdienstleister und Produktionspartner. Anders als klassische Ingenieurdienstleister kann der Konzern nicht nur einzelne Aufgaben übernehmen, sondern auch Plattformen, Softwarearchitekturen, Einkauf, Fertigung und internationale Vertriebsstrukturen bereitstellen.

Für Europas Hersteller Chance und Risiko zugleich

Besonders bei softwaredefinierten Fahrzeugen können sich Entwicklungszeiten dadurch deutlich verkürzen. Allein eine moderne Elektrik- und Elektronikarchitektur benötigt laut Wang häufig vier bis fünf Jahre. Hinzu kommen Fahrassistenzsysteme, intelligente Cockpits und KI-Anwendungen. „Kooperation und gemeinsame Wertschöpfung werden zum nachhaltigeren Weg für die Industrie“, fasst Wang die Strategie zusammen.

Die Expansion chinesischer Konzerne entwickelt sich damit schrittweise weiter: Auf Fahrzeugexporte folgen eigene Vertriebsorganisationen, lokale Produktion und Kooperationen mit etablierten Automobilherstellern. Geely kann seine Technik und Skaleneffekte einbringen, während Partner vorhandene Werke besser auslasten und neue Modelle schneller auf den Markt bringen können.

Für europäische Hersteller ist das Angebot zugleich attraktiv wie riskant. Sie sparen Entwicklungszeit und Kosten, machen sich aber teilweise von einem Konzern abhängig, dessen eigene Marken auf denselben Märkten antreten. ECRI betont deshalb, dass Technologien, Daten und Anforderungen der jeweiligen Partner organisatorisch und vertraglich voneinander getrennt würden.

Geelys Strategie zeigt dennoch, wohin sich der Wettbewerb bewegt. Chinesische Konzerne wollen künftig nicht nur mit eigenen Fahrzeugen auf internationalen Märkten vertreten sein. Sie wollen als Technologiepartner, Plattformlieferanten, Entwickler und Produzenten zu einem festen Bestandteil der dortigen Automobilindustrie werden. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil ist dann nicht mehr nur das einzelne Auto, sondern das industrielle System dahinter.

Quelle: Automobilwoche – Geely-ECRI-Präsidentin: „Für chinesische Hersteller reicht es nicht, nur Fahrzeuge zu exportieren“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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