Auch in diesem Jahr dürften die weltweiten Verkaufszahlen von Elektroautos verglichen mit 2025 weiter steigen – allerdings merklich langsamer als noch in den vergangenen Jahren, so das Analyse- und Beratungsunternehmen BloombergNEF. Demnach sollen 2026 weltweit rund 24,3 Millionen reine Elektroautos und Plug-in-Hybride verkauft werden. Das entspräche einem Wachstum von 12 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr – allerdings lag das Absatzwachstum 2025 noch bei 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Gründe sind Bloomberg zufolge die jüngsten Entwicklungen auf den wichtigsten Automobilmärkten rund um den Globus: Europas Zögern beim Verbrenner-Aus, der politische und wirtschaftliche Kurswechsel in den USA sowie der Abbau staatlicher Subventionen in China, dem weltweit größten Markt für E-Autos.
USA: „Kaum Anlass zu Optimismus“ für E-Autobauer
Gerade in den USA sei die Lage angespannt, heißt es in dem Bloomberg-Bericht. Branchenexperten sprechen von einem „E-Winter“. Unterstrichen wird die Entwicklung von der Entscheidung des Autoherstellers Ford, der im Dezember angekündigt hatte, die Produktion mehrerer batterieelektrischer Modelle einzustellen und im Zuge dessen Belastungen von 19,5 Milliarden US-Dollar zu verbuchen. Der Wegfall der US-Steuergutschriften für den Kauf von Elektroautos im September sowie die Lockerung der Kraftstoffeffizienzstandards setzen US-amerikanische E-Autohersteller zusätzlich unter Druck: Schon im November war der Absatz gegenüber dem Vorjahresmonat um 41 Prozent eingebrochen. Für 2026 rechnet BloombergNEF in den USA mit einem Rückgang der jährlichen E-Auto-Verkäufe um 15 Prozent.
Laut Nathan Niese, global verantwortlich für Elektromobilität und Energiespeichersysteme bei der Boston Consulting Group, müssten die Hersteller sich auf mehrere schwierige Monate einstellen, bevor die Nachfrage sich 2027 und 2028 voraussichtlich erhole. Zwar bleibe der langfristige Trend hin zu batteriebetriebenen Fahrzeugen intakt, für 2026 gebe es jedoch „kaum Anlass zu Optimismus“, prognostiziert Niese.
China: Intensiver Wettbewerb macht die Grenzen des Marktwachstums sichtbar
Auch in China dürfte sich das Absatzwachstum nach Ansicht von Analysten verlangsamen. Auf dem weltgrößten Markt für Elektrofahrzeuge halbieren sich in diesem Jahr die Steuervergünstigungen, Peking will zudem die Bedingungen eines Abwrackprogramms verschärfen.
Auch der harte Preiskampf zwischen den zahlreichen aufstrebenden E-Autobauern in China trägt offenbar seinen Teil zur Entwicklung bei: Chinas führender Hersteller BYD verzeichnete 2025 das schwächste Absatzwachstum seit 2020. Gleichzeitig gewannen Wettbewerber wie Geely und Xiaomi zwar Marktanteile hinzu, allerdings stoßen die Hersteller beim Absatzwachstum zunehmend an Grenzen, da sie bei der Expansion in kleinere Städte und ländliche Regionen mit schwierigen Marktbedingungen konfrontiert sind, warnt BloombergNEF.
2025 wurden laut einer Prognose von Bloomberg Intelligence 15,6 Millionen batterieelektrische Fahrzeuge, Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range-Extendern in China verkauft. Das entspricht einem Plus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Jahr rechnen die Analysten nur noch mit einem Absatzwachstum von 16 Prozent.
Mit der intensiven Rabattschlacht konnten chinesische E-Autobauer die nachlassende Nachfrage zwar zeitweise abfedern – auch die Regierung will jedoch inzwischen gegen den Preiskampf vorgehen, den die Behörden als einen „ruinösen Wettbewerb“ bezeichnen. „Die chinesische Regierung versucht eindeutig, den Preiskrieg abzukühlen“, so Michael Dunne, CEO des kalifornischen Beratungsunternehmens Dunne Insights.
Chinesische Hersteller haben im Zuge der nachlassenden Inlandsnachfrage ihre Aktivitäten in anderen Ländern merklich ausgeweitet: In den ersten drei Quartalen 2025 exportierten eine knappe Million elektrifizierte Fahrzeuge ins Ausland, rund 54 Prozent mehr als im Vorjahr. Diese Entwicklung dürfte sich auch 2026 fortsetzen: Allein BYD will Analysten zufolge 1,6 Millionen Fahrzeuge exportieren, auch Zeekr, Chery und SAIC Motor setzen verstärkt auf Exportmärkte. Die Europäische Union bleibt dabei der wichtigste Absatzmarkt für chinesische Fahrzeuge.
VDA: Deutschland könnte mit neuer E-Auto-Förderung 17 Prozent Zuwachs verbuchen
In Europa dürfte die Lockerung des geplanten Verbrenner-Aus der EU ebenfalls dazu beitragen, dass sich das Absatzwachstum weiter verlangsamt. Schon Anfang Dezember prognostizierte der Verband der Automobilindustrie (VDA), dass sich der deutsche Pkw-Markt 2026 insgesamt nicht wesentlich erholen werde. Der VDA rechnet für Elektro-Pkw mit knapp einer Million Neuzulassungen im aktuellen Jahr, was einem Zuwachs von 17 Prozent gegenüber 2025 entsprechen würde. Diese Prognose unterstellt allerdings, dass die von der Bundesregierung angekündigte, neue E-Auto-Förderung zügig umgesetzt wird. Die Bundesregierung hatte im Oktober beschlossen, den Kauf batterieelektrischer Fahrzeuge mit einer Basisförderung in Höhe von 3.000 Euro zu unterstützen – Familien und Haushalte mit niedrigen Einkommen sollen stärker gefördert werden. 2025 entfielen 19,1 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in Deutschland auf Elektroautos, ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 13,5 Prozent.
Analysten erwarten indes, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Branche sich weiter verbessern. Die Batteriepreise sanken 2025 Schätzungen zufolge um 8 Prozent – BloombergNEF-Analystin Huiling Zhou sieht darin eine Chance für die Autobauer: „Autohersteller, die ihre Kosten senken und erschwingliche Modelle in den gefragtesten Fahrzeugsegmenten anbieten können, dürften ein nachhaltiges Absatzwachstum erzielen”, so die Analystin.
Quellen: Bloomberg – Automakers Face an ‘EV Winter’ in 2026 as Sales Growth Slows / VDA – Pressemitteilung vom 08.12.2025







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