Reparaturpreise steigen – doch E-Autos behalten den Servicevorteil

Reparaturpreise steigen – doch E-Autos behalten den Servicevorteil
Copyright:

Shutterstock / 274728257

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die jüngsten Auswertungen des ADAC zeigen ein interessantes Spannungsfeld: Während Elektroautos im regulären Betrieb häufig günstiger unterwegs sind als vergleichbare Verbrenner, ziehen die allgemeinen Reparaturkosten branchenweit kräftig an – und treffen damit beide Antriebsarten. Wer genauer hinschaut, erkennt jedoch deutliche Unterschiede zwischen Stromern und klassischen Benzinern oder Dieseln – zugunsten der Elektroautos.

Ausgangspunkt ist eine ADAC-Erhebung zu stark gestiegenen Werkstattkosten selbst bei vermeintlich kleinen Arbeiten. Ein Parkrempler, eine beschädigte Stoßstange oder der Austausch einer Windschutzscheibe können inzwischen Rechnungen im hohen vierstelligen Bereich verursachen. Ursache ist weniger der Antrieb als die immer komplexere Fahrzeugtechnik. Assistenzsysteme, Kameras und Sensoren müssen nach Reparaturen neu kalibriert werden, Bauteile werden oft komplett ersetzt statt repariert. Das verteuert selbst Bagatellschäden erheblich – egal ob Elektro oder Verbrenner.

Inspektion bei E-Autos viel günstiger

Im direkten Vergleich spielt das Elektroauto bei Wartung und Service jedoch seine konstruktiven Vorteile aus. Es braucht kein Motoröl, keine Zündkerzen, keine Abgasanlage und kein komplexes Getriebe. Viele klassische Verschleißteile entfallen. Der ADAC kommt zu dem Ergebnis, dass Inspektionen bei E-Autos im Schnitt deutlich günstiger ausfallen als bei vergleichbaren Verbrennern.

Ein Blick auf konkrete Zahlen verdeutlicht das: Inspektionen bei einem kompakten Elektroauto liegen je nach Hersteller häufig zwischen etwa 120 und 250 Euro pro Termin, während vergleichbare Benziner oder Diesel schnell 300 bis 450 Euro kosten – insbesondere wenn Ölwechsel, Filter und Zündkerzen anstehen. Ein klassischer Ölwechsel allein schlägt bei vielen Verbrennern mit 150 bis 250 Euro zu Buche, eine Position, die beim E-Auto vollständig entfällt. Gleichzeitig zeigt die ADAC-Erhebung zu Reparaturkosten, dass etwa der Austausch einer Frontscheibe inklusive Kamerakalibrierung inzwischen oft 1000 bis 1500 Euro kostet – unabhängig vom Antrieb. Selbst der Tausch einer Stoßfängerabdeckung kann 800 bis 1200 Euro erreichen.

Bei aufwendigeren Unfallschäden lagen die durchschnittlichen Reparaturkosten hingegen bei Elektroautos zuletzt teils rund 10 bis 20 Prozent über denen vergleichbarer Verbrenner, wobei sich dieser Abstand zunehmend verringert. Die zahlt zwar in der Regel die Versicherung, doch dies ist einer der Gründe dafür, weshalb dort zuletzt die Versicherungsbeiträge im Schnitt spürbar gestiegen sind.

Hochvolt-Zuschlag ändert an Vorteil nichts

Auch die Pannenstatistik spricht eher für den Stromer. Jüngere Elektroautos schneiden mindestens auf Augenhöhe, häufig sogar besser ab als Verbrenner. Die einfachere Antriebstechnik mit weniger beweglichen Teilen reduziert potenzielle Fehlerquellen und damit ungeplante Werkstattaufenthalte. Gleichzeitig verlangen manche Werkstätten jedoch höhere Stundensätze für Arbeiten an Hochvoltsystemen. Spezielle Qualifikationen und Sicherheitsvorschriften dienen als Begründung. Dieser Elektro-Aufschlag relativiert den Wartungsvorteil teilweise, ändert aber nichts daran, dass die planbaren Servicekosten meist unter denen eines Verbrenners bleiben.

Unterm Strich ergibt sich ein differenziertes, aber klares Bild: Im planbaren Alltag profitieren Elektroautos von geringeren Wartungs- und Verschleißkosten. Die stark gestiegenen Reparaturpreise moderner Fahrzeuge treffen dagegen beide Antriebsarten gleichermaßen. Kleine Arbeit bedeutet heute oft große Rechnung – doch beim regelmäßigen Service bleibt der Stromer das günstigere Konzept.

Quelle: ADAC – Warum Reparaturkosten am Auto immer höher werden

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Analysen

Mehr als 28.000 Familien nutzen bereits den E-Auto-Bonus

Mehr als 28.000 Familien nutzen bereits den E-Auto-Bonus

Daniel Krenzer  —  

Mehr als 28.000 Familien haben bereits den neuen E-Auto-Bonus beantragt. Mehr als 90 Prozent der Anträge betreffen reine Elektroautos.

E-Auto-Absatz in Europa steigt im Juni um 52 Prozent

E-Auto-Absatz in Europa steigt im Juni um 52 Prozent

Sebastian Henßler  —  

Der europäische Automarkt wuchs im Juni um 13 Prozent, während der Absatz vollelektrischer Autos um 52 Prozent zulegte, zeigen aktuelle Zahlen.

Studie zeigt: E-Autos so günstig wie nie zuvor

Studie zeigt: E-Autos so günstig wie nie zuvor

Sebastian Henßler  —  

Eine neue Studie von ICCT und Fraunhofer ISI zeigt: Elektroautos sind seit 2020 real um 18 Prozent günstiger geworden, trotz steigender Listenpreise.

NOW: E-Autos nach 44.000 Kilometern klimafreundlicher als Benziner

NOW: E-Autos nach 44.000 Kilometern klimafreundlicher als Benziner

Daniel Krenzer  —  

Die bundeseigene NOW bestätigt frühere Studien: Elektroautos gleichen ihren CO₂-Rucksack nach rund 44.000 Kilometern aus, teils deutlich früher.

Klimaziele verfehlt: Deutschland drohen 38 Milliarden Euro Kosten

Klimaziele verfehlt: Deutschland drohen 38 Milliarden Euro Kosten

Daniel Krenzer  —  

Deutschland könnte seine EU-Klimaziele deutlich verfehlen. Vor allem der Verkehrssektor sorgt für eine Milliardenrechnung von bis zu 38 Milliarden Euro.

Studie: Umrüstung von Diesel- auf Elektrobus lohnt sich

Studie: Umrüstung von Diesel- auf Elektrobus lohnt sich

Maria Glaser  —  

Eine Studie des Forschungsinstituts Empa zeigt, dass die Umrüstung von Diesel- auf Elektroantrieb bei Bussen sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich ist.

Green NCAP kürt sparsamste Autos für die Sommerreise

Green NCAP kürt sparsamste Autos für die Sommerreise

Sebastian Henßler  —  

Green NCAP hat untersucht, welche Autos sich für die 800-Kilometer-Fahrt in den Sommerurlaub am besten eignen. Verblüffend, wer vorne liegt.