Die Zahl der dauerhaft abhandengekommenen Autos ist in Deutschland im Jahr 2024 leicht gestiegen. Nach Angaben des Bundeskriminalamts wurden mehr als 16.000 Pkw registriert, die über das Berichtsjahr hinaus als zur Fahndung ausgeschrieben galten. Das entspricht einem Zuwachs von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der Pkw-Fahndungsnotierungen um 6,5 Prozent auf gut 48.000 Fälle. Während also weniger Autos zur Fahndung ausgeschrieben wurden, nahm die Zahl der tatsächlich dauerhaft verlorenen Pkw geringfügig zu.
Auffällig ist insbesondere die Entwicklung bei der Unterschlagung. Gut 3700 Autos wurden 2024 auf diese Weise dauerhaft entzogen, ein Anstieg um 31,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit entfällt inzwischen fast ein Viertel aller dauerhaft abhandengekommenen Pkw auf dieses Deliktfeld. Ermittler führen aus, dass bei dieser Form der Tatbegehung häufig keine aufwendigen technischen Hilfsmittel erforderlich sind. Ein verbreitetes Vorgehen besteht darin, hochwertige Autos unter Vorlage gefälschter Dokumente kreditfinanziert zu erwerben oder anzumieten und anschließend weiterzuverkaufen.
Parallel dazu verändert sich das internationale Lagebild. Die wichtigsten Absatz- und Transitregionen für in Deutschland entwendete oder unterschlagene Autos bleiben Osteuropa, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Westafrika. Polen spielt seit Jahren eine zentrale Rolle als Transit- und Zielstaat. Zudem weist das Lagebild auf die zunehmende Bedeutung Frankreichs hin. Dort stieg die Zahl der Sachfahndungstreffer zu deutschen Ausschreibungen deutlich an. Insgesamt wurden im Ausland knapp 5200 Treffer registriert, ein Plus von 11 Prozent. Frankreich verzeichnete dabei einen besonders starken Anstieg und gewinnt sowohl als Ziel- als auch als Transitstaat an Gewicht.
Technisch zeigen sich die Tätergruppen anpassungsfähig. Das Lagebild beschreibt unterschiedliche Modi Operandi, darunter den Zugriff auf das CAN-Bus-System, bei dem elektronische Steuergeräte manipuliert werden. Ebenso kommen sogenannte Code-Grabber zum Einsatz, mit denen Funksignale von digitalen Autoschlüsseln abgefangen werden. Besonders anfällig sind Autos mit Komfortzugangssystemen. Hier verlängern Täter das Funksignal des Schlüssels, um Türen zu öffnen und den Motor zu starten. Nach dem Diebstahl werden teils sogenannte Jammer verwendet, um GPS-Signale zu unterdrücken und eine Ortung zu verhindern.
Autos mit alternativen Antrieben im Fokus
Auch bei Autos mit alternativen Antrieben beobachten die Behörden Entwicklungen. Der Bestand an rein elektrisch betriebenen Pkw stieg 2024 auf rund 1,65 Millionen Fahrzeuge, ein Plus von 17,2 Prozent. Hybride legten um 22,2 Prozent auf mehr als 3,5 Millionen zu. Trotz dieser wachsenden Verbreitung sind die Entwendungszahlen solcher Modelle leicht gesunken. Zugleich liegen Hinweise vor, dass organisierte Gruppierungen im europäischen Ausland verstärkt E-Autos oder deren Komponenten, insbesondere Batterien, ins Visier nehmen. Mit steigenden Zulassungszahlen rechnen die Behörden perspektivisch auch mit einer Zunahme entsprechender Delikte.
Die wirtschaftlichen Auswirkungen bleiben erheblich. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft erreichte die Entschädigungssumme für dauerhaft abhandengekommene Pkw im Jahr 2023 rund 312,2 Millionen Euro, der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre. Zusätzlich verursachen Lkw- und Wohnmobildiebstähle sowie der Handel mit entwendeten Teilen weitere hohe Schäden.
Das Bundeslagebild macht deutlich, dass sich die Kfz-Kriminalität weiterhin dynamisch entwickelt. Tätergruppen agieren international vernetzt, arbeitsteilig organisiert und nutzen sowohl technische Schwachstellen als auch digitale Vertriebswege. Für die Strafverfolgungsbehörden bleibt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ein zentraler Faktor bei der Bekämpfung dieses Deliktfelds.
Quelle: Chip.de – „Haben keine Zeit, um an die Ladesäule zu fahren“: Deshalb schrecken Diebe bei E-Autos zurück / BKA – Bundeslagebilder Kfz-Kriminalität (Stand 2024)








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