EU-Strafzölle: Absatz von chinesischen E-Autos lässt deutlich nach

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Daniel Krenzer
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Die vorläufigen Strafzölle der Europäischen Union gegen in China gefertigte Elektroautos zeigt zumindest indirekt Wirkung: Wie BNN Bloomberg unter Berufung auf eine Auswertung von Dataforce berichtet, sind innerhalb der EU im Juli 45 Prozent weniger chinesische E-Autos verkauft worden als noch einen Monat zuvor, als es noch keine zusätzliche Abgabe gab. Allerdings dürfte in den Zahlen auch eine starke Verzerrung enthalten sein, weil viele Autos noch eilig und kurzfristig vor Inkrafttreten der Zölle Anfang Juli zu den Händlern befördert worden waren.

„Wir haben im Juni einen enormen Druck seitens der chinesischen Hersteller erlebt, ihre Lagerbestände zu leeren“, sagte demnach der unabhängige Auto-Analyst Matthias Schmidt. Dies habe wohl einen Abbau der verfügbaren Elektroautos herbeigeführt. Die Juli-Zahlen deuten dem Artikel zufolge jedoch kaum darauf hin, dass chinesische Marken ihre Ambitionen, in Europa zu expandieren, zurückgeschraubt haben könnten.

Die Strafzölle waren Anfang Juli zumindest vorläufig in Form einer Sicherheitszahlung eingeführt worden, weil die EU eine Wettbewerbsverzerrung der Volksrepublik China sieht, die den Autobau im eigenen Land mitunter massiv subventioniert. Die Zölle sollen folglich die europäischen Hersteller davor schützen, von einer Welle günstiger chinesischer Elektroautos noch stärker als ohnehin schon in die Ecke gedrängt zu werden. Die zusätzlichen Zollsätze wurden individuell ermittelt, inklusive normaler Zollabgabe summieren sie sich auf bis zu 48 Prozent.

Hersteller beginnen, Strafzölle zu umgehen

Branchen-Größe BYD indes scheint aktuell in Europa auch durch Strafzölle nicht am zumindest moderaten Wachstum gehindert werden zu können. In den 16 untersuchten EU-Mitgliedsstaaten verkaufte der größte chinesische Hersteller von Elektroautos und Plug-in-Hybriden dreimal so viele Autos wie noch ein Jahr zuvor. Andere Marken mussten im Jahresvergleich aber Einbußen hinnehmen. So verkaufte MG Motor 20 Prozent weniger Elektroautos als im Juli des Vorjahres, bei Polestar waren es sogar 42 Prozent weniger. BYD hatte trotz der Strafzölle die Preise nicht angepasst, offenbar gibt die Marge so viel Spielraum her.

Doch die Hersteller reagieren bereits und finden Wege, die Strafzölle zu umgehen. Unter anderem Zeekr erwägt den Bau von Elektroautos in Europa, Polestar möchte die Produktion seiner Elektroautos für den EU-Markt künftig in die USA verlagern.

In Deutschland waren im Juli 8 Prozent der neuen Elektroautos von chinesische Marken, im Juni waren es noch 13 Prozent, berichtet Dataforce. In Frankreich sank der Anteil von 8 auf 5 Prozent. „Im Vereinigten Königreich, das nicht Mitglied der EU ist, gewannen chinesische Marken an Boden“, heißt es allerdings. Es könnte gut sein, dass nur einige wenige größere Hersteller aus China sich am Ende auf dem europäischen Markt behaupten können. „Es geht um Beharrlichkeit. Sie müssen an die Tür in Europa klopfen, wenn sie Europa zum Laufen bringen wollen“, führte Schmidt aus.

Quelle: BNN Bloomberg – „China’s Electric Vehicles Lose Ground in EU After New Tariffs Take Effect“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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