Range Rover Velar Plug-In-Hybrid: Spannung mit Stil

Copyright Abbildung(en): Wolfgang Plank

Es gibt Autos, vor denen sieht man im feinen Zwirn einigermaßen deplatziert aus. Neben anderen wiederum wird man in schweren Stiefeln milde belächelt. Wer also – je nach Anlass – beiderlei trägt, sollte sich womöglich den aufgefrischten Range Rover Velar genauer ansehen. Der nämlich ist einer der wenigen Wagen, zu dem Mann im Smoking vor der Oper eine ebenso gute Figur abgibt wie in Jägerkluft am Waldesrand. Und Frau in der heiratsanzeigenüblichen Kombi Abendkleid wie Jeans.

Gedacht ist der Velar für jene, denen der Range Rover Sport ein wenig zu ausladend daherkommt – der Evoque aber nicht standesgemäß genug. Die gelegentlich mal neben der Spur sein wollen oder müssen. Und die trotz Brexit und indischer Konzernhoheit so etwas schätzen wie die feine englische Art. Mit allerbesten Referenzen. Wer, wenn nicht die Queen wüsste, mit welchem Fabrikat man sogar abseits des Asphalts majestätisch unterwegs ist?

Derlei königlicher Vortrieb erfordert natürlich eine gewisse motorische Überlegenheit, weswegen die großen Modelle der Baureihe der achtstufigen Automatik ihre Kraft aus drei Litern Hubraum und sechs Brennkammern anreichen. Doch für die Krönung reicht das nicht. Mit 404 PS Systemleistung (300 PS aus einem Vierzylinder-Turbo plus 143 PS vom E-Motor) liegt die brandneue Plug-In-Version exakt ein Prozent über dem stärksten Rein-Verbrenner – und beim Standard-Spurt mit 5,4 Sekunden ein Zehntel vorn.

Vor allem aber schafft der Velar P 400e mit seinem 17-kWh-Akku bis zu 53 Kilometer rein elektrisch. Dabei hilft das Navi. Wäre ja unsinnig, vor Ortsschild oder Abzweig noch zu beschleunigen. Dennoch muss man für die Reichweite im nicht gänzlich öden Alltag eher mit vertauschten Ziffern kalkulieren. Es gilt Paragraf eins der Akku-Fahrt: Dynamik kostet Distanz. Bei Tempo 140 ist daher auch Schluss.

Der „E-Mode“ lässt sich – bevorzugt in der City – auch auf Knopfdruck aktivieren. Bei längeren Fahrten kann man zudem ausreichend Strom reservieren, um lokal emissionsfrei unterwegs zu sein. So oder so muss irgendwann wieder Saft in den Speicher. Bei Nachschub aus der Steckdose dauert das fünfeinhalb Stunden, eine Wallbox presst die Füllung in gut anderthalb in die Zellen. Noch zügiger geht’s an Gleichstrom-Säulen: Bei 32 kW sind in knapp 30 Minuten 80 Prozent Energie im Akku.

Drinnen gibt’s Opulenz ab Werk. Wenn denn gewünscht. Wer mag, kann indes auch ganz nachhaltig Platz nehmen – auf Mikrofaser-Velours aus Recycling-Material. Eine Art Reduktion auf das Wesentliche. Die gilt auch für die Bedienelemente, die sich in drei mehrfach belegten Drehknöpfen erschöpfen. Alles andere steuert sich über zwei 12-Zoll-Touchscreens auf dem wuchtigen Mitteltunnel. Der Platz vorne ist höchst kommod, hinten indes weniger üppig als 2,87 Meter Radstand vermuten lassen. Dafür finden 625 Liter Gepäck ihren Platz, bei umgeklappten Rücklehnen sogar knapp 1700.

Überaus erfreulich: Beim Velar fährt man noch selbst. Er kann zwar Tempo, Spur und Abstand halten, lässt einem ansonsten aber das Gefühl von Freiheit. Und das mit einem höchst ausgewogenen Fahrwerk, das in schnellen Kurven den Wagen wunderbar im Lot hält, aber eben auch erlaubt, dass man Anstiege selbst dort noch elegant befährt, wo üblicherweise bereits eine Gondel verkehrt. Immerhin sitzt man in einem Geländewagen, der den Namen verdient. Allrad, 21 Zentimeter Bodenfreiheit, 53 Zentimeter Wattiefe. Immun gegen nahezu alles, was einem unter die bis zu 22-Zoll großen Räder kommt. Lediglich aktives Sperrdifferenzial und Luftfederung bleiben den Verbrennern vorenthalten.

Natürlich hat all das seinen Preis: Ab 70.943 Euro öffnen sich die stilvoll versenkten Türgriffe des Velar P 400e, für das große Lord-Gefühl in der Top-Ausstattung kann man locker 90.000 Euro anlegen – und selbst da ist die Liste der Extras noch längst nicht abgehakt.

Wer sich zügelt, könnte das gesparte Geld in London ausgeben. In der Savile Row. Bei Gieves & Hawkes zum Beispiel oder Anderson & Sheppard. Erste Adressen in Sachen Maßanzug. Da, wo die Schneider im Dreiteiler Dienst tun und im Laden gerne ein Kaminfeuer knistert. Wo man nobelstes Tuch bereithält und besten Harris-Tweed. Falls man Smoking braucht – und Jägerkluft.

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Ein Auto, das alle schlechten Eigenschaften auf sich vereint. Hohe Ladekante, mässiger Laderaum (da coupeförmiges Dach), schlechte Übersicht (aufgrund der 4m2 grossen Motorhaube) hoher Verbrauch, etc. Kurz, ein Auto, das nun als Statussymbol dient und darum völlig überflüssig ist. Und genau solche Undinger werden mi Plugin schöngerechnet, damit sich der Käufer (Naturverbunden natürlich, sonst müsste man ja nicht ins Gelände) ein gute Gewissen machen kann. Und in der Stadt braucht das Ding 10m2 Platz um eine einzige Person zu bewegen.
Für mich legitimiert nichts in der Welt ein solches Auto. Selbst dann nicht, wenn es ein reines BEV wäre.

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