Niobwolframoxid soll ultraschnelles Laden von E-Autos ermöglichen

Niobwolframoxid soll ultraschnelles Laden von E-Autos ermöglichen

Copyright Abbildung(en): shutterstock / Lizenzfreie Stockillustrations-Nummer: 1866970450

Forscher aus England wollen eine Lösung gefunden haben, um das ultraschnelle Laden von E-Autos deutlich zu beschleunigen. Das Zauberwort heißt Niobwolframoxid. Wird dieses statt Graphit in der Anode verwendet, sollen die Ionen „beweglicher“ werden. Erste Prototypen des Akkus, eingesetzt in ferngesteuerten Autos und Staubsaugerrobotern, sollen innerhalb von nur fünf Minuten auf mehr als 90 Prozent geladen worden sein – und das bei deutlich weniger Wärmeentwicklung als bei herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus.

Verantwortlich für diese Entdeckung zeigt sich das britische Startup Nyobolt, das von Wissenschaftern rund um Claire Grey und Dr. Sai Shivareddy von der University of Cambridge gegründet wurde. Ihre Fortschritte, die auf gut zehn Jahren Forschung basieren, haben sie unter anderem auf dem Falling Walls Science Summit 2021 in Berlin vorgestellt.

Wie die Forscher berichten, steigt bei der neuartigen Akkuchemie die Temperatur beim Schnellladen auf höchstens 40 Grad, was einem vorzeitigen Verschleiß des Akkus vorbeugt. Die Energiedichte sei vergleichbar mit gängigen Lithium-Ionen-Akkus. Und auch in Sachen Haltbarkeit sieht die Sache vielversprechend aus: Nach hunderten Ladezyklen sollen die Prototypen noch gut 90 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität aufweisen. Die Forscher wollen aber mehr: Mindestens 10.000 Ladezyklen ohne übermäßig hohen Verlust sind das Ziel.

Nun wollen die Forscher skalieren, um die Akkus auch als Energiespeicher für E-Autos nutzbar zu machen. Und dafür gibt es eine spannende Partnerschaft: Seit einigen Monaten arbeiten die Forscher mit Williams Advanced Engineering, ab der Saison 2022-23 erneut der Batterielieferant für die rein elektrische Rennserie Formel E sowie für die Rennserien Extreme E und ETCR. Für die neue Zellchemie, sollte sie dort zum Einsatz kommen, wären dies Härtetests unter Höchstbelastungen. Die Formel E etwa strebt Ladeleistungen im Bereich von 600 Kilowatt an.

Besonders schnell aufzuladende Akkus hätten einen entscheidenden Vorteil. Dauert das Laden nicht mehr schneller als ein herkömmlicher Tankvorgang mit Benzin oder Diesel, würden Elektroautos im Sinne der Nachhaltigkeit mit kleineren und somit leichteren Akkus auskommen. Ganz zu schweigen von einer breiteren Akzeptanz in der Öffentlichkeit, wenn einer der großen Nachteile der E-Mobilität – die mitunter langen Ladevorgänge – der Vergangenheit angehören.

Quelle: Heise – Batterie-Fortschritt: In fünf Minuten auf 90 Prozent / Nyobolt – Pressemitteilung vom 20.07.2021

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „Niobwolframoxid soll ultraschnelles Laden von E-Autos ermöglichen“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
10 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Niob und Wolfram stellen bei Preis (beide) und Rohstoffreserven (Wolfram) jetzt keine ernsthafte Verbesserung zu Kobalt dar. Insofern ist diese Enwicklung, sofen wirklich ein technologischer Durchbruch, mit einem Stirnrunzeln zu sehen…

Das Stichwort Formel E im Artikel sagt es ja schon, das ist (vorerst) eine Technik für das High-Performance Segment, wo deine beiden angesprochenen Punkte eher untergeordnete Rollen spielen.

Du darfst aber eins nicht vergessen: Es ist neu. Und es klingt total schlau, wenn man diesen Namen ausspricht. Das nimmt sogar Bildungsbürger mit, weil ein leichter Anklang an Niobe aus der griechischen Mythologie, Stichwort Tantalidenfluch, herausgehört werden kann. Außerdem kann man es NWO abkürzen. Besser geht’s doch gar nicht!

„Dauert das Laden nicht mehr schneller als“,
das muß wohl eher „länger als“ heissen 😉

Einer der großen Nachteile der E-Mobilität – die langen Ladevorgänge… mhm. Vergleicht man mit Verbrennern, fallen die großen Nachteile von Tankstellen auf – hat das eigentlich schon mal jemand gegenübergestellt? Die Petrol-Industrie mit ihrer „grauen Energie“ (will heißen: Nachteile von Raffinerien, Tanklastzügen, AmocoCadiz, ExxonValdez, DeepWaterHorizon) wird leider noch viel zu sehr mit Subventionen umgarnt. Und wer seine mobilen Gewohnheiten geändert hat kommt mit dem Problem „LaLa“, Lange Ladevorgänge, eigentlich prima zurecht! Endlich Nase frei von diesem Diesel und BenzinGestinke!

Wenn all die Batterien, die in den letzten 10 Jahren die Welt revolutionieren sollten, gekommen wären, würden wir nicht mehr 22 Minuten von 5-80% laden müssen. (Tesla Model 3P am V3 SuC)

oh wait…

Entschleunigung tut gut… sehr gut.

Das ist die neue Argumentationslinie der Tesla Fans. Früher war ja mal der Supercharger eben super, zumindest in der Darstellung des Propheten. Indessen ist die Ladeleistung der Tesla unteres Mittelmaß.

Hmmm, das hatten wir doch schon …
Ach ja:

Mo, 15. Mai 2017

StoreDot verspricht eigene Akkus in 5 Minuten […] zu laden“

Wunderakku, der Drölftausendeinhundertzweiundvierzigste …

Nachgereicht, der Link zum o.g. Storedot-Artikel 2017:

https://www.elektroauto-news.net/2017/storedot-eigene-akkus-in-5-minuten-mit-500-kilometer-laden

Diese News könnten dich auch interessieren:

Skoda testet Elektro-Lkw in der internen Logistik
Mercedes-Benz: 60 Mrd. € Zukunftsplan stellt E-Mobilität in Fokus
Polestar 3: So sieht das Elektro-Performance-SUV aus
10
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).