EU-Kommission will CO2-Ziele für Pkw nochmals verschärfen

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Die EU-Kommission soll vorhaben, die Klimaschutzpläne für den Automobilsektor zu verschärfen. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge sollen Neuwagen ab dem Jahr 2030 im Schnitt 50 Prozent weniger CO2 ausstoßen dürfen als 2021. Bislang war geplant, den Ausstoß bis 2030 um 37,5 Prozent zu reduzieren. So oder so erfordert die Einhaltung der Ziele einen radikalen Umbau des Verkehrssektors, welcher nur mit alternativen Antrieben gelingen kann. Der Verkehr ist sogar der einzige Sektor in der EU, in dem seit 1990 kein signifikanter Rückgang der Treibhausgasemissionen verzeichnet wurde. Im Gegenteil: Seit 1990 sind die Gesamtemissionen um gut ein Viertel gestiegen.

Insgesamt peile die Kommission quer über alle Sektoren hinweg an, die europäischen Emissionen um 55 Prozent gegenüber 1990 zu verringern. Zuvor waren 40 Prozent geplant. Konkrete Pläne sollen bis Juni kommenden Jahres ausgearbeitet werden. Dem Berichte zufolge erwägt die EU, den Verkehrs- und Gebäudesektor in das europäische Emissionshandelssystem zu integrieren. Dies würde den Preis für Benzin und Diesel deutlich erhöhen. Die EU begründet die Verschärfung der CO2-Ziele damit, den künftigen Generationen keine noch größeren Aufgaben für den Klimaschutz zu hinterlassen. Je weniger Europa bis 2030 gegen die Klimakrise unternehme, desto härter müssten die Einschnitte nach 2030 werden, zitiert die Süddeutsche Zeitung aus dem Papier. Diesen Mittwoch stellt EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen ihren Vorschlag für ein verbessertes EU-Klimaziel für das Jahr 2030 offiziell vor.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) sei schon jetzt entsetzt über die neuen Pläne, heißt es, da den Autobauern nach dem Konjunktureinbruch und den Folgen der Corona-Krise eine zusätzliche Mammutaufgabe aufgebürdet würde. Dem VDA zufolge müsste der Marktanteil von Elektroautos im Jahr 2030 bei 50 Prozent liegen, um das verschärfte CO2-Ziel zu erreichen.

Keine Verbrenner mehr ab 2028, um Klimaziele zu erreichen?

Doch dieser Anteil sei sogar noch viel zu niedrig, so eine aktuelle Studie der Umweltorganisation Greenpeace: Ab dem Jahr 2028 dürften demnach überhaupt keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr neu zugelassen werden, damit der europäische Verkehrssektor die Pariser Klimaziele einhalten kann, wie Berechnungen des belgischen Forschungsinstituts Climact und des Kölner NewClimate Instituts ergeben hätten (hier als PDF).

Alternativen zum Pkw wie Bus und Bahn sowie die städtischen Radwegenetze müssen so ausgebaut werden, dass die Zahl der Autos in der EU bis zum Jahr 2040 um 47 Prozent sinken kann. Die verbleibenden Pkw müssen stärker ausgelastet werden, fordert Greenpeace. „Der Verkehr ist in Deutschland und Europa die Schmuddelecke im Klimaschutz“, sagt Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan. „Die Studie zeigt, dass wir viel schneller als bislang aus dem Verbrennungsmotor aussteigen und gleichzeitig die Zahl der Autos insgesamt deutlich senken müssen, damit der Verkehr auf Klimakurs kommt.“

Die Studie liefert auch einen Beitrag zur aktuellen Debatte über mögliche Hilfen für die Autoindustrie in Deutschland. Wenn bereits in wenigen Jahren aus Klimaschutzgründen keine weiteren Diesel und Benziner mehr zugelassen werden dürfen, dann müssen mögliche Wirtschaftshilfen jetzt ausschließlich in saubere Alternativen und klimaschonende Produkte fließen. „Wer heute noch Verbrenner fördern will, ignoriert die Folgen der Klimakrise und die weltweite Dynamik der Autobranche“, so Stephan. „Europas Autoindustrie hat nur dann eine Zukunft, wenn sie Klimaschutz als Herausforderung annimmt und ihr Geschäftsmodell darauf einstellt.

Voraussetzung für einen CO2-neutralen Verkehr in Europa sei ein deutlicher Ausbau des Personen- und Güterverkehrs auf der Schiene. Laut Studie müsse sich der Anteil der mit dem Zug transportierten Güter bis zum Jahr 2040 verglichen mit heute auf 58 Prozent verdoppeln. Im gleichen Zeitraum müsse die Zahl der Lkw in Europa von derzeit 6 Millionen auf 3,6 Millionen sinken. Auch der Anteil der Schiene am Personenverkehr müsse sich bis 2040 verdoppeln, die Zahl der Flüge hingegen deutlich sinken. Selbst wenn bis 2040 große Mengen synthetischen Kerosins mit erneuerbaren Energien hergestellt werden können, müsse die Zahl der geflogenen Personenkilometer um ein Drittel sinken. Gibt es solche E-Fuels nicht in ausreichender Menge, müsste der Flugverkehr noch deutlicher zurückgehen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung – EU will CO2-Grenzwerte für Autos erneut verschärfen // Greenpeace – Pressemitteilung vom 14.09.2020

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4 Antworten

  1. Das Wörtchen “soll” und erst 2030 – damit ist klar, dass wieder auf Zeit gespielt wird und der Artikel für den Papierkorb ist.

    Vielleicht geht es der deutschen bzw. europäischen Autoindustrie so wie Kodak und Nokia – und die Musik machen Tesla und die Chinesen.

  2. Ich finde es die richtige Erwiderung auf das Verhalten der Hersteller. Die E-Auto Produktion auf Sparflamme laufen zu lassen und Kunden mit ihren Bestellungen hinzuhalten, um CO2 Rechentricks anwenden zu können, gehört nach den vielen Skandalen endlich mal bestraft.
    Irgendwann muss doch auch ein Manager mal kapieren, dass die Zeit des Taktierens und Rauszögerns vorbei ist.
    Wir haben alle über den Spruch von Honnecker gelacht, und machen exakt das Selbe.

  3. Die meisten Hersteller sind nun in einer Zwickmühle. Sie können diese Regularien nur als Verbot und Hindernis anprangern, denn sonst würde dem Kunden klar werden, dass ein zukünftiger Kauf eines Verbrenners wohl überlegt sein soll, da mit hohen Kosten und/oder Fahrverbot gerechnet werden muss.
    Somit fällt ein großes Verkaufsargument für ein E-Auto aber weg.
    Hatte jemand in letzter Zeit ein Verkaufsgespräch oder ist selbst Autoverkäufer?! Wird hier auf die Zukunftssicherheit und dem Wiederverkaufswert hingewiesen oder bewusst verschwiegen?

  4. Es kommen gewaltige Umbrüche auf uns alle zu, sollten sich diese Vorgaben durchsetzen. Das Auto verliert seine privilegierte Stellung in der Gesellschaft, nur noch die Mobilität ist dann entscheident und nicht das Beförderungsmittel. E – Fuell muß erst einmal in entsprechenden Mengen günstig am Markt verfügbar werden.

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