CUPRA Leon: Wahl zwischen Welten – Nachhaltig oder sportlich?

Copyright Abbildung(en): Wolfgang Plank

Es ist ein Mix, mit dem beide seit vielen Jahren bestens fahren: Außen südländisch-feuriges Design – und trotzdem die Gewissheit, dass in der spanischen Grandezza bewährte deutsche VW-Technik steckt. Etwas allerdings ist neu: Einst als Gütesiegel für die Schärfsten von Seat eingeführt, firmiert „Cupra“ mittlerweile als eigene Marke. Mit bewusster Sportlichkeit. Innen wie außen. Und während der neue Golf doch ein wenig bieder daherkommt, tobt an den Flanken des Cupra Leon das Licht sensationell zwischen Kniffen und Kanten, Falzen und Furchen. Wieder mal liegen Welten zwischen Martorell und Wolfsburg.

Dabei steht der junge Löwe mächtig unter Druck. Schon im eigenen Rudel. Oben muss er sich gegen den Ateca behaupten, dazu piesackt ihn der brandneue Formentor – und von der Seite drängt demnächst das elektrische ID.3-Pendant el-Born. Die optische Botschaft auf 4,60 Metern Länge ist deshalb unmissverständlich: Kommt nur. Ich warte schon auf euch.

Wolfgang Plank

Dennoch: Weil die Zeiten solche des Umbruchs sind, markiert den Auftakt der Baureihe nicht der über 300 PS starke Top-Benziner, sondern die Doppelherz-Version. Der Motor mit Kolben steuert 150 PS bei, der mit Wicklung 115. Macht 245 im Zusammenspiel und mit 400 Nm ordentlich Druck nach vorne. Vorteil: Man ist die Sorge des Strom-Ausfalls los. Manko: Doppelte Technik und keine Reserveradwanne mehr. Dafür ist man auf Tempo 100 in 6,7 Sekunden – rauf geht’s bis 225.

Fix runterzukommen ist ebenfalls kein Problem. Und doch bauen sie bei Cupra vor. Für hartnäckige Flottfahrer mit gesteigertem Bremsbedarf lassen sich hinter die 19-Zöller auch renntaugliche Brembo-Zangen mit gelochten Scheiben packen. Da darf’s dann gerne mal eine Verzögerung mehr sein.

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Ursprünglich gedacht ist der eHybrid natürlich für das genaue Gegenteil: Ruhe im Brennraum und Vortrieb aus dem 13-kWh-Akku. Damit schafft der Leon bei maximal Tempo 130 offizielle 52 Kilometer (WLTP), im Alltag realistisch indes sind eher gute 40. Dieser „E-Mode“ lässt sich auch auf Knopfdruck aktivieren. Oder man reserviert sich bei Über-Land-Fahrt Strom, um etwa dort noch abgasfrei unterwegs sein zu können, wo es angesichts wachsender City-Maut-Debatten immer wichtiger werden dürfte. Power oder piano – es ist die Wahl zwischen Welten.

So oder so muss irgendwann wieder Saft in den Akku. Kommt der Nachschub aus der Steckdose, dauert das sechs Stunden, eine Wallbox presst die Füllung in gut dreieinhalb in die Zellen. Und selbstverständlich sind die amtlichen 1,6 Liter Spritverbrauch je 100 Kilometer nur ein absurder Laborwert. Um die fünf Liter jedoch sind bei halbwegs normaler Fahrweise kein Hexenwerk, nur wer ständig maximalen Vortrieb abruft, nimmt zweistellige Marken ins Visier.

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Sportliche Versuchung indes lauert überall: Schon weil der Katalane seinen Machern da bestens gelungen ist, wo man es bei jeder noch so kurzen Ausfahrt spürt: Sitze, Lenkung – und vor allem Fahrwerk. Die Sprünge von sanft zu straff sind deutlich spürbar und – wie der Startknopf – im Lenkrad zu bedienen. Wer will, kann die Abstimmung individuell austarieren, aber man muss schon grob zu Werke gehen, um den Leon vom gepflegten Bogen Richtung Tangente zu zwingen. Schade allerdings, dass es die Differenzialsperre bloß für die Spritis gibt.

Innen lautet das Motto: Wenn schon nicht rein elektrisch, dann wenigstens vorbildlich elektronisch. Der spanische Löwe bietet digitales Cockpit plus Touchscreen, folgt Sprachbefehlen und tauscht sich per „Car2X“ mit anderen Autos aus. Nie war ein Golf-Pendant besser vernetzt. Und dank „shift by wire“ wird das serienmäßige DSG nicht mehr mechanisch gesteuert, sondern per Datenfluss. Das erlaubt betreutes Fahren in fast allen Situationen – bis hin zur effizienten Bremsstrategie Per Navi.

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Und so thront man da. In konturiertem Gestühl, umgeben von viel Schwarz mit ein wenig kupferfarbenem Zierrat. Platz hat’s vorne wie hinten reichlich. Nur beim Laderaum fordert der Akku ein klein wenig Tribut. 270 statt der 380 Liter beim Verbrenner packt Cupras Jüngster in dritter Reihe weg, beim 26 Zentimeter längeren Kombi sind es 470 statt 620. Pfiffiges Detail: Die Ambientebeleuchtung warnt bei geöffneter Vordertür blinkend vor Fahrzeugen, Radfahrern und Fußgängern.

Das alles hat seinen Preis: 37.817 Euro ruft Cupra für den Leon eHybrid auf, der Sportstourer kostet ab 39.048 Euro. Gratis indes gibt’s das Gefühl, im schicksten Golf aller Zeiten unterwegs zu sein.

Über den Autor

Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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Kühler bei Mazda oder doch Ford geklaut, und die haben bei Aston Martin geklaut! Im heck sehen sich alle gleich, wieder schmale Schlitzaugen, Agressiv muss ja auch das AUto zum Fahrer passend daherkommen – was soll der Blödsinn!!!

Find ich auch! Sieht aus wie alle anderen, braucht kein Mensch! Und nichtmal E…

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