EU-Grenzwerte: Wie Autohersteller für bessere CO2-Bilanzen tricksen

Wie Autohersteller mit E-Autos tricksen
shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 654504664
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In einem an das gesamte Händlernetz von Kia Motors in Spanien gerichteten Schreiben forderte der Leiter für Planung und Logistik, Javier Casado, die Händler auf, die Rechnungsstellung für Elektroautos und Plug-in-Hybride ab 1. Oktober auszusetzen und die Zulassungen dieser Fahrzeuge ab 1. November zu verzögern. Das kommt de facto einem Verkaufsverbot gleich. Alle diese „Verpflichtungen“, wie Transport & Environment (T & E) aus dem Schreiben zitiert, seien „unvermeidlich“ und müssen „ausnahmslos“ eingehalten werden. Diese Verkaufsbeschränkungen „werden ab dem 1. Januar 2020 beseitigt“, heißt es weiter.

Diese neuen Beweise zeigen, was T & E schon seit Monaten sagt: Autohersteller verzögern den Verkauf emissionsfreier und -armer Autos, bis die neuen CO2-Grenzwerte 2020 in Kraft treten. Kia wartet also buchstäblich auf den letztmöglichen Termin, den letzten Tag des Jahres. Die Taktik der Autohersteller führt dazu, dass weniger Menschen in Europa Elektroautos kaufen können, um die Gewinne durch den Verkauf SUV zu maximieren, so die Dachorganisation europäischer NGOs aus dem nachhaltigen Verkehrsbereich.

„Die Autohersteller haben stets lamentiert, dass die Nachfrage nach Elektroautos nicht da ist und die Kunden keine saubereren Autos kaufen möchten. Die Realität aber ist, dass Autohersteller den Verkauf von Elektrofahrzeugen zurückgehalten haben, um den letzten Tropfen aus Benzin- und Dieselautos zu pressen. Dieser Brief ist nur ein weiterer Beweis dafür.“ – Julia Poliscanova, Direktorin Clean Vehicles bei T & E

Im vergangenen Monat haben die Automobilhersteller auf der IAA Hunderte neuer Elektroautomodelle vorgestellt, um sich und ihre Kundschaft auf das Inkrafttreten strengerer CO2-Standards für Neuwagen und Lieferwagen vorzubereiten. Neue T & E-Analysen, die einen Tag vor der Messe veröffentlicht wurden, gehen davon aus, dass die Autohersteller im nächsten Jahr in der EU bis zu eine Million Elektroautos und Plug-in-Hybride verkaufen könnten.

Die Studie prognostizierte, dass die Verkäufe für diese beiden Antriebsvarianten im Jahr 2020 bei etwa 5 Prozent (mit einer Spanne von 3 bis 7 Prozent) und im Jahr 2021 bei etwa 10 Prozent (mit einer Spanne von 5 bis 12 Prozent) liegen dürften, abhängig von den unterschiedlichen Strategien der Automobilhersteller zur Einhaltung ihrer CO2-Ziele für Neuwagen in der EU.

Neue Daten der Auto-Marktforscher von IHS Markit prognostizierten ebenfalls eine Verdreifachung der Elektrofahrzeug-Verkäufe bis 2021, wenn die Autohersteller ihre eigenen Pläne zur Steigerung der Produktion von E-Modellen umsetzen.

Der Verkehr ist Europas größtes Klimaproblem und macht mehr als ein Viertel (27 Prozent) der gesamten Treibhausgasemissionen aus. Autos stoßen 44 Prozent der Verkehrsemissionen aus – und dieser Anteil steigt aufgrund der Geschäftsentscheidungen der Automobilhersteller weiter an.

Die Modellierung von T & E zeigt, dass das letzte Benzin- oder Dieselfahrzeug Anfang der 2030er Jahre verkauft werden sollte, wenn die EU ihre Klimaschutzverpflichtungen aus dem Pariser Abkommen erfüllen und im Jahr 2050 emissionsfrei sein soll.

Quelle: Transport & Environment – New evidence: Carmaker holding back EV sales to maximise SUV-fueled profits

10 Kommentare

  1. Das System was sich die Verbrennerautoindustrie über Jahrzehnte erschaffen hat fällt ihnen jetzt auf die eigenen Füsse. Milliardenschwere Investitionen für Verbrennungsmotoren müssen sich natürlich am Ende in Profit umwandeln. So versuchen die Hersteller dieses Zieldurchzusetzen und das auf Kosten der Gesundheit und des Klimas. Die Politik leckt denen dabei noch den Hintern. Eine Perversion die seines gleichen sucht!

  2. Die einzigen die Tricksen sind VW und alle anderen sollen wegen Reputation mit hineingezogen werden,damit sich der Dumme Bürger Weiter einen Volkswagen mit Betrugssoftware kauft .

    1. Ich kann Ihren Kommentar nicht nachvollziehen. Nahezu jeder Hersteller der Dieselfahrzeuge in Europa verkauft, hatte ein solches Defeat-Device an Bord. Das Verhalten vieler Dieselfahrzeuge dieser Ära über alle Herstellergrenzen hinweg ist identisch. Volkswagen konnte es wegen deutlicher Benennung der Abschaltvorrichtung in Mails nachgewiesen werden. Bei den anderen Herstellern fehlt diese formelle Nachweis obwohl ja klar ist, das auch dort eine Abschaltvorrichtung verwendet wird. Zudem versuchen alle (großen) Firmen (nicht nur Autohersteller) immer alle legalen Möglichkeiten zur Gewinnmaximierung zu nutzen (manchmal auch über das legale Maß hinaus). Wenn Sie also ein Auto von einem ehrlichen, moralisch integerem Hersteller möchten, dann müssen Sie es von Grund auf selber bauen.

      1. Jetzt mal ehrlich, was wollen Sie mit ihrem Beitrag erreichen? Uns alle zu Heulausbrüchen verhelfen oder was?
        ” über das legale Maß hinaus ” ist in meinem Verständnis illegal, oder auch kriminell juristisch betrachtet. Diese Industrie hat sich im Anklagepunkt Betrug strafbar gemacht und muss auch eine Strafe dafür bekommen. Und nicht nur eine die aus der Kaffeekasse bezahlt werden kann. Darüber hinaus wurden natürlich die Käufer dieser Fahrzeuge geschädigt und das verlangt naturgemäß nach einer Entschädigung. All das ist hier bisher nicht passiert. Im Gegenteil die Politik und die Justiz in diesem Land leckt den Managern der Automobilindustrie, die das Disaster zu verantworten haben, sogar noch den Hintern!

  3. Das ist das Ergebnis der Co2- Flottenvorgabe und ist Hausgemachter Eintopf der Regierung.
    Die Konzerne müssen z.T. so agieren um weniger oder keine CO2 Strafabgaben zahlen zu müssen.
    Wenn der Konzern Gefahr läuft für den kommenden Jahresabsatz aller verkauften Fahrzeuge die CO2 Flottenvorgaben nicht zu erfüllen, benötigt dieser jede einzelne Zulassung Emmissionärmerer Fahrzeuge im selben Jahr.
    Desweiteren kommt die steigende Nachfrage nach den Speichern und dessen knappen Rohstoffe hinzu (Knappheit=Teuerung) die es ebenfalls erschweren die Kundennachfrage erfüllen… es ist kein Geheimnis das jeder Automobilkonzern mit jedem seiner verkauften in Serie gefertigten E-Autos Verluste schreibt. Kurz gesagt, jedes dieser E-Fzg. schmälert auch den Jahresgewinn. Glaubt Ihr wirklich immer noch das die Konzerne mit dem E-Fzg. derzeit Gewinne schreiben? Jeder Kunde der ein E-Fzg. von den deutschen Herstellern kauft kommt in den Genuss sehr hoher Konzerneigener Bezuschussung… und ist nicht vergleichbar mit den staatlichen Anreizen für den Konsumenten.
    Natürlich machen das die Konzerne um längerfristig zu überleben… letztlich hoffen diese natürlich irgendwann auch mit den E-Fzg. Gewinne erzielen zu können. Das wäre auch für jedem in Deutschland wünschenswert… denkt nur mal daran wieviele Arbeitsplätze in Deutschland damit verbunden sind. Neben den Beschäftigten in den Konzernen kommen Dienstleister, Zulieferer, Service und Speditionen. All diese geben Ihr Geld für weitere Produkte aus die Sie sich nach einem Verlust des Einkommens nicht mehr leisten könnten… und das träfe fast jedes Gewerbe und vorallen Dingen den Staat. Ein Staat der nur noch einen Bruchteil der Steuern einnimmt muss sparen. Dies trifft vor allen diejenigen die eh schon wenig haben… die Spirale dreht sich nur noch nach unten. Die Armut steigt und die Kriminalität notgedrungen ebenfalls. Wie es dann weitergeht kann sich jeder selbst ausmalen und Ich denke das möchte niemand erleben müssen.

    VG

    PS: Verbrennermotoren werden noch sicher die nächsten 50 Jahr benötigt. In armen Ländern kann sich so gut wie keine ein E-Fzg. leisten. D.h. die nächsten Jahrzehnte werden weltweit erstmal ausschliesslich die oberen 10-15 Prozent bedient die auch die finanziellen Möglichkeiten besitzen.
    In ganz abgelegenen Regionen wird es vermutlich auch in 40 Jahren keinen Sinn machen ein E-Fzg. oder E-Pumpen zu besitzen. Reichweite und das Problem der Ladeinfrastruktur sprechen zumindest nicht dafür.
    Nur zur Errinnerung, Otto und Dieselmotoren werden nicht nur in Fzg. Eingesetzt sondern auch für Generatoren, Pumpen etc..

    1. Die CO2 Vorgabe ist keine Regierungsvorgabe sondern kommt von der EU. Diese ist basierend auf den Klimazielen die ja bis 2050 eingehalten werden sollen. Also ich will nicht weiter auf ihre Einleitung und auf den weiteren Text ihres Kommentars eingehen z.B die Verknappung von Rohstoffen. Weil diese zum grössten Teil nicht beweisbare düstere Zukunftsvisionen sind. Ausgelöst von Interessengruppen der Verbrennerindustrie.

  4. Seit drei Jahren werde ich bei meinem Versuch ein Elektroauto(natürlich Kleinwagen – (Elekro-Suff ist ja klimatechnisch völlig absurd) zu kaufen von der Autoindustrie an der Nase herumgeführt. Mitsubishi hat als erster seinen MIEV vom Markt gezogen – kaum ein Journalist hat das realisiert. Für die Clones bekam ich auf Anfrage keine Angebot. Der Peugeot-Händler hat sich damals sogar nach zwei Wochen entschuldigt, dass er kein Angebot gemacht habe und eine versprochen, das nie kam. Smart(Haube mit üblem Luftwiderstand) hatte Lieferzeiten im Nimmerleinstag, so dass ich den TÜV meines VW 3L nochmal verlängern habe müssen. VW hat (mindesten) in den letzten Wochen auf seiner Webseite unter dem Button “eUp Konfigurieren” 12 UPs aufgelistet – alles Verbrenner! Eine Posse ohne gleichen, nur weil eine Regierung eine Aussitzpolitik nach Weisung der Industrie macht.

  5. Endlichbgeht es richtig los mit den Verkäufen von BEVs. SUVs auch als Elektrofzg. sind einfach unökonomisch und sollten vermieden werden.

    Das größte Problrm bzgl. Treibhausgasen ist aber trotzdem die Milch- und Fleischindustrie.

    Der Verbraucher hat es in der Hand.

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