Südafrika bekommt ein Schnellladenetz für Elektro-Lkw

Südafrika bekommt ein Schnellladenetz für Elektro-Lkw
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Zero Carbon Charge

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Ein dichtes Ladenetz für Elektro-Lkw in einem Land, von dem wohl so mancher meint, dass die Elektromobilität dort kaum eine Chance auf einen breiten Erfolg hat: Das plant Zero Carbon Charge, das über sein Tochterunternehmen Zero Carbon Logistics in Südafrika 120 Ladeparks für E-Lkw aufbauen will, wie das Unternehmen mitteilt. Das Ladenetz soll die wichtigsten Routen des Landes abdecken.

Die ersten sechs Standorte sollen entlang der Autobahn N3 zwischen Durban und Johannesburg aufgebaut werden, wo jeden Tag Tausende Lkw unterwegs sind, wie Joubert Roux, Co-Gründer von Zero Carbon Charge erklärt: „Jeden Tag fahren im Schnitt 8756 Lastwagen auf der N3 zwischen Durban und Johannesburg. Sie verbrauchen pro Jahr mehr als 658 Millionen Liter Kraftstoff zu Importkosten von 8 Milliarden Rand (gut 394 Millionen Euro; Anm. d. Red.) und emittieren dabei 1,78 Millionen Tonnen CO2.

Der Ersatz dieser fossil befeuerten Lkw durch elektrische Modelle könne 670 kg CO2 pro Lkw und Tag einsparen, „was die Abhängigkeit unseres Landes von teuren Importen für schmutzige fossile Brennstoffe erheblich reduziert“, fügte Roux hinzu.

Die Nutzung von Elektro-Lkw allerdings wird einen erhöhten Energiebedarf schaffen in Südafrika, wo mehrstündige Stromausfälle an der Tagesordnung stehen: Allein die Energiemenge, der erforderlich wäre, um alle 8756 Lastwagen der Nationalstraße 3 aufzuladen, beläuft sich auf 2,3 Milliarden kWh pro Jahr. Berücksichtigt man alle 14 Routen, die Zero Carbon Charge elektrifizieren will, und die 30.000 Lkw, die darauf pro Tag unterwegs sind, werden 8 Milliarden kWh pro Jahr benötigt.

Solarparks sollen „ultraschnelle Ladetechnologie“ ermöglichen

Es sei daher entscheidend, in eine netzunabhängige Infrastruktur zu investieren, um diese Lastwagen mit Strom zu versorgen, so das Unternehmen. Die im sonnenverwöhnten Südafrika nahe liegende Lösung: Riesige Solaranlagen direkt neben den Ladeparks, die die Ladepunkte vollständig netzunabhängig mit Strom versorgen. An jedem Standort sei der Aufbau von PV-Anlagen mit jeweils mindestens 35 MWp geplant, deren Energie in stationären Batteriespeichern, die laut dem Unternehmen in China entwickelt werden, zwischengespeichert werden kann.

Am Ladepark in Sasol soll die PV-Leistung sogar 92 MWp betragen. Zur Ladeleistung an den Ladepunkten selbst macht das Unternehmen keine Angaben, nur, dass es mit „ultraschneller Ladetechnologie“ möglich sein soll, einen Elektro-Lkw innerhalb von 20 Minuten aufzuladen – was bei E-Lkw mit großen Akkus Laden im Megawatt-Bereich bedeuten würde. In Phase 1 soll jeder Ladepark über fünf dieser Hochgeschwindigkeits-Ladepunkte verfügen.

Ein großer Schwerpunkt des Projekts sei auch die Schaffung sicherer und sauberer Einrichtungen für die Fahrer zum Ausruhen. Jeder Ladepark soll Annehmlichkeiten bieten wie Toiletten, einen kleinen Laden, schnelles WLan sowie Reparatur- und Waschanlagen für Lastwagen. Die entsprechenden Fahrzeuge sind in Südafrika bereits verfügbar, aktuell bieten laut dem Unternehmen acht Hersteller ihre Elektro-Lkw auf dem südafrikanischen Markt an.

Positiver Nebeneffekt: Man verzichtet somit auf Netzstrom des staatlichen Unternehmens Eskom, der zum größten Teil aus Kohlestrom besteht. Für die ersten sechs Standorte entlang der N3 haben demnach bereits die Genehmigungsverfahren begonnen, „bis Ende 2027 sollen die Ladeparks einsatzbereit sein“, wie Andries Malherbe sagt, Mitbegründer von Zero Carbon Charge.

Bereits zwei Jahre früher soll ein ähnliches Projekt fertiggestellt sein: Zero Carbon Charge baut parallel bereits ebenfalls 120 Ladeparks für Elektro-Lkw auf. Das Unternehmen sei, so Roux, „auf dem besten Weg“, dieses Unterfangen bis September 2025 abzuschließen.

Quelle: Zero Carbon Charge – Pressemitteilung vom 09.04.2024

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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