VWs Scout priorisiert Modelle mit Range-Extender

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Maria Glaser
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Scout Motors wird voraussichtlich erst Modelle mit Range-Extender auf den Markt bringen, bevor reine Elektroautos der Marke auf die Straßen kommen. Die relativ neue Marke, die zum VW-Konzern gehört, reagiert damit auf die derzeitigen Vorbestellungen, denn die Harvester-Modelle, die einen Vierzylinder-Benzinmotor als Range-Extender nutzen, sind deutlich beliebter als die reine Elektroversion. Scott Keogh, CEO von Scout Motors, kündigte Anfang der Woche an, dass aktuell über 80 Prozent der Vorbestellungen darauf entfallen.

Entsprechend gab Keogh auch bekannt, dass die Range-Extender-Versionen der Modelle Terra und Traveler wahrscheinlich zuerst auf den Markt kommen werden, da dort das Volumen liege. Eine Elektroversion soll trotzdem weiterhin folgen: „Wir beabsichtigen, beides zu tun”, sagte der CEO während eines Interviews in San Francisco.

Auch Konkurrenten der US-amerikanischen Marke, die im Bereich SUVs und Geländewagen unterwegs ist, haben dieses Potenzial auf dem Markt erkannt. So haben sowohl Ram mit dem Ram 1500 REV als auch Ford mit dem Ford F-150 Lightning Versionen ihrer Pick-ups mit Range-Extender in Planung. Dafür hat Ram sogar den vollelektrischen Ram 1500 gestrichen.

Die Technologie mit Range-Extender eigne sich, so Keogh, für skeptische Erstkäufer:innen, die Bedenken hinsichtlich der Reichweite und des Ladens von Elektroautos haben. Insbesondere in Ländern mit großen Distanzen sind Elektroautos mit Range-Extender besonders beliebt, so beispielsweise in den USA und China. BMW hat daher seinen Fokus in China ebenfalls auf Range-Extender gerichtet.

Für die Reichweitenverlängerung ist ein Verbrennungsmotor in das Elektroauto integriert, der das Fahrzeug im Gegensatz zum Hybridauto nicht direkt antreibt, sondern durch die Verbrennung Strom für den Elektromotor generiert und so die Reichweite erhöht. Das Fahrerlebnis bleibt dabei elektrisch – mit sofortigem Drehmoment und kräftiger Beschleunigung.

„Eine klassische, amerikanische Lösung“

„Ich denke, das ist eine klassische, amerikanische Lösung, bei der die amerikanische Lösung im Allgemeinen lautet: Gib mir alles, was ich will“, sagte Keogh. Mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,5 Sekunden und einem hohen Drehmoment, einer elektrischen Reichweite von 240 Kilometern und einer Gesamtreichweite von knapp 800 Kilometern soll diese Lücke geschlossen werden. „Wir halten es daher für eine clevere Lösung für den amerikanischen Verbraucher, wenn man so will, angesichts der Entwicklungen auf dem Markt für Elektroautos“, so Keogh.

Damit bezieht sich der Scout-CEO auf den starken Absatzrückgang von Elektroautos in den USA im vergangenen Jahr, nicht zuletzt aufgrund der Politik. Ende September 2025 lief beispielsweise die Förderung für Elektroautos in den USA aus, die umgerechnet zirka 6500 Euro staatlichen Zuschuss beinhaltete.

Genaue Preise für die Modelle sind noch nicht bekannt. Sollten sie keine ausreichende Beliebtheit erlangen, könne Scout die Produktion schnell anpassen. Rein technisch gebe es keinen großen Unterschied zwischen den Harvester-Modellen und den rein elektrischen Modellen, weshalb die Fabrik und die Lieferkette flexibel seien, so der CEO. Bei nachlassender Nachfrage könne also die Produktion von Elektroautos schnell hochgefahren werden: „Man muss weder die Fabrik noch die Lieferketten umkrempeln“, sagte er.

Scout plant den Produktionsbeginn der Modelle Terra und Traveler im Jahr 2027 in einem neuen Werk in South Carolina. Außerdem wolle das Unternehmen innerhalb von drei Jahren eine Produktion von bis zu 100.000 Einheiten pro Jahr erreichen, so Keogh.

Quelle: Inside EVs – Scout Motors EREVs Will ‚Most Likely‘ Arrive Before Pure EVs, CEO Says

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Maria Glaser

Maria Glaser

Aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich kommend, verbindet Maria Glaser bei Elektroauto-News.net seit 2023 ihre Liebe zum Text mit fachlichen Inhalten. Seit ihrem Studium in Berlin und Wien arbeitet sie im Bereich Lektorat, Korrektorat und Content Writing, vor allem zu Mobilität.

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