Der Volkswagen-Konzern hat ein wirtschaftlich schwieriges Jahr hinter sich. Zwar blieben Umsatz und Absatz weitgehend stabil, doch zentrale Kennzahlen zeigen deutlich, wie stark steigende Kosten, geopolitische Risiken und der Umbau des Geschäftsmodells auf das Ergebnis drücken. Für Europas größten Autohersteller bedeutet das eine Phase der Anpassung, in der Sparmaßnahmen und Investitionen gleichzeitig vorangetrieben werden müssen.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte Volkswagen einen Umsatz von rund 321,9 Milliarden Euro und blieb damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Deutlich stärker fiel dagegen der Rückgang beim operativen Ergebnis aus. Dieses sank auf 8,9 Milliarden Euro und lag damit mehr als 50 Prozent unter dem Wert von 2024, als noch 19,1 Milliarden Euro erreicht wurden. Auch die operative Umsatzrendite ging deutlich zurück und lag zuletzt bei 2,8 Prozent.
Sonderkosten belasten die Bilanz
Zu den wichtigsten Belastungsfaktoren gehörten mehrere Sonderaufwendungen. Insgesamt summierten sich diese auf rund neun Milliarden Euro. Allein fast fünf Milliarden Euro entfielen auf Anpassungen der Elektrostrategie bei Porsche. Weitere drei Milliarden Euro standen im Zusammenhang mit Importzöllen in den USA. Hinzu kamen etwa eine Milliarde Euro für Restrukturierungen bei den Marken Volkswagen und Audi sowie beim Softwareunternehmen Cariad.
Der Gewinneinbruch spiegelt sich auch beim Nettogewinn wider. Unter dem Strich verdiente der Konzern im vergangenen Jahr rund 6,9 Milliarden Euro und damit rund 44 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Diese Entwicklung hat direkte Folgen für die Aktionäre. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen eine Dividende von 5,26 Euro je Vorzugsaktie vor, was einem Rückgang von etwa 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Während die Ergebnisse insgesamt unter Druck standen, entwickelte sich die Nachfrage nach Autos regional unterschiedlich. Weltweit setzte der Konzern im Jahr 2025 etwa neun Millionen Autos ab und bewegte sich damit ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres. Wachstum in Europa und Südamerika konnte Rückgänge in Nordamerika und China jedoch nur teilweise ausgleichen. In Europa legte der Absatz um fünf Prozent zu, während er in Südamerika sogar um zehn Prozent stieg. Gleichzeitig gingen die Verkäufe in Nordamerika um zwölf Prozent zurück und in China um sechs Prozent.
Die Entwicklung in China bleibt für Volkswagen besonders relevant. Der Markt gilt seit Jahren als einer der wichtigsten Absatzräume für den Konzern. Gleichzeitig verschärft sich dort der Wettbewerb, vor allem durch lokale Hersteller von Elektroautos. Branchenanalysten verweisen darauf, dass chinesische Marken inzwischen einen großen Teil des heimischen Marktes dominieren und ausländische Hersteller stärker unter Druck geraten.
Volumenmarken stabilisieren das Ergebnis
Neben regionalen Verschiebungen zeigen auch die einzelnen Markengruppen innerhalb des Konzerns ein uneinheitliches Bild. Die sogenannten Volumenmarken – darunter Volkswagen, Škoda sowie Seat und Cupra – entwickelten sich vergleichsweise stabil. Diese Gruppe erzielte ein operatives Ergebnis von rund 6,8 Milliarden Euro bei einer Rendite von etwa 4,7 Prozent. Dennoch lag auch dieser Wert leicht unter dem Vorjahr.
Deutlich stärker fiel der Rückgang im Premiumsegment aus. Die Markengruppe Sport Luxury, zu der unter anderem Porsche gehört, verzeichnete einen massiven Einbruch beim operativen Ergebnis. Während 2024 noch mehr als fünf Milliarden Euro verdient wurden, blieb 2025 lediglich ein Ergebnis von rund 90 Millionen Euro übrig. Die operative Rendite lag damit nur noch bei 0,3 Prozent. Gründe dafür sind laut Unternehmen ein verändertes Marktumfeld in China, zusätzliche Kosten durch Zölle sowie Aufwendungen im Zusammenhang mit der Neuausrichtung der Produktstrategie.
Auch andere Geschäftsbereiche standen unter Druck. Die Nutzfahrzeugsparte Traton meldete einen Rückgang von Umsatz und Ergebnis. Gleichzeitig blieb das Softwareunternehmen Cariad weiterhin defizitär, auch wenn sich der operative Verlust auf etwa 2,2 Milliarden Euro verringerte.
Trotz der schwächeren Ergebnisse konnte Volkswagen bei der Liquidität Fortschritte melden. Der Netto-Cashflow im Automobilbereich erreichte 2025 rund 6,4 Milliarden Euro und lag damit deutlich über dem Vorjahr. Hintergrund ist vor allem eine strengere Kontrolle des gebundenen Kapitals sowie geringere Investitionsausgaben. Die Nettoliquidität im Automobilgeschäft blieb mit rund 34,5 Milliarden Euro stabil.
Sparprogramme und Investitionen müssen parallel laufen
Die Konzernführung sieht dennoch weiteren Handlungsbedarf. Finanzchef Arno Antlitz erklärte, das aktuelle Ergebnisniveau reiche langfristig nicht aus. Deshalb müsse Volkswagen weiterhin konsequent Kosten senken, Synergien im Konzern stärker nutzen und die Komplexität reduzieren. Gleichzeitig soll weiter in neue Technologien investiert werden, etwa in Elektroautos, Softwareplattformen und automatisierte Fahrfunktionen.
Für das laufende Jahr erwartet der Konzern nur begrenztes Wachstum. Die Umsätze könnten 2026 zwischen null und drei Prozent steigen. Die operative Rendite dürfte laut Prognose in einer Spanne von 4 bis 5,5 Prozent liegen. Unsicherheiten ergeben sich laut Unternehmen unter anderem aus geopolitischen Spannungen, Handelsbeschränkungen, schwankenden Rohstoffpreisen sowie zunehmendem Wettbewerb auf wichtigen Märkten. Damit steht Volkswagen vor einer Phase, in der mehrere Herausforderungen gleichzeitig bewältigt werden müssen.
Quellen: VW – Volkswagen Group stärkt 2025 finanzielle Substanz – kräftiges Schlussquartal in herausforderndem Umfeld / Automobilwoche – Volkswagen: Gewinneinbruch um rund 50 Prozent / Automotive News Europe – VW Group’s recovery hinges on China push, new EVs, restructuring as Mideast crisis adds uncertainty








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