VW-Konzern nimmt ersten Batteriegroßspeicher in Betrieb

VW-Konzern nimmt ersten Batteriegroßspeicher in Betrieb
Copyright:

Elli

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Nach erfolgreichem Abschluss der mehrmonatigen Bauphase erweitert der Volkswagen-Konzern sein Geschäftsmodell um stationäre Energieinfrastruktur: In Salzgitter hat VWs Energietochter Elli den ersten Großspeicher an das Stromnetz angeschlossen. Dieser verfügt über eine Leistung von rund 20 Megawatt (MW) und eine Speicherkapazität von 40 Megawattstunden (MWh). Damit steigt Elli operativ in den Energiespeicher- und Energiehandelsmarkt ein, so das Unternehmen in einer aktuellen Mitteilung.

Parallel beginnen Leistungstests für den Handel an der europäischen Strombörse EPEX. Das Projekt ist VW zufolge ein zentraler Baustein der konzernweiten E-Mobilitätsstrategie, da der Hochlauf der Elektromobilität nicht nur Fahrzeuge und Batterien erfordere, sondern auch eine stabile, flexible und marktfähige Energieinfrastruktur. Die Energiewende gelingt nur, wenn erneuerbare Energie dann verfügbar ist, wenn sie gebraucht wird. Großspeicher sammeln Energie bei Überschuss ein und geben sie in Dunkelphasen wieder ab. Weitere Speicherprojekte seien bereits in Planung.

„Für uns sind Energiespeicher und Energiehandel ein neues strategisches Geschäftsfeld mit Wachstumschancen. Als Volkswagen-Konzern elektrifizieren wir Fahrzeuge und berücksichtigen dabei das gesamte System. Mit PowerCo stärken wir unsere technologische Souveränität – mit Elli steuern, speichern und handeln wir Energie marktorientiert. Ein technologisches Element auf unserem Weg zum Global Automotive Tech Driver“, sagt Oliver Blume, CEO der Volkswagen AG.

Strategischer Meilenstein für ein neues Geschäftsfeld

Technologische Basis des Projekts sind Batteriesysteme der konzerneigenen Batterietochter PowerCo. Mit ihrem Geschäftsbereich Energy Storage Solutions (ESS) entwickelt und produziert PowerCo industrielle Großspeicherlösungen auf Grundlage des etablierten Unified Cell Formats.

Die Unified Cell ist die konzernweite Standardzelle für Elektromobilität und bildet zugleich die Plattform für stationäre Speicheranwendungen. PowerCo liefert damit erstmals auch Energiespeicherlösungen für industrielle Anwendungen. Am Standort Salzgitter entsteht so ein geschlossenes Batterie-Ökosystem: von der Zellfertigung über stationäre Speicher bis zur marktbasierten Vermarktung durch Elli.

Thomas Schmall, Konzernvorstand Technik, sagt: „Elektroautos und nachhaltiger Strom gehören zusammen. Der Ausbau erneuerbarer Energien erfordert leistungsfähige Möglichkeiten zur Zwischenspeicherung – genau hier setzt unser PowerCenter an. Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien und nutzen zugleich das geballte Batterie- und Energie-Know-how unseres Teams. Mit Elli, PowerCo und Volkswagen Group Components schaffen wir ein ganz neues industrielles Ökosystem. Die Unified Cell ist dabei die weltweite Technologie-Plattform für beide Welten: Mobilität und Energie.“

Energy Trading: Elli als aktiver Marktteilnehmer

Das in 13 Speichercontainer integrierte, virtuelle Kraftwerk wird im Multi-Market-Ansatz eingesetzt. Ein Trading-Team bei Elli handelt und optimiert die Anlagen 24/7 algorithmisch und mit eigenem Marktzugang, um Erlöse zu maximieren und zugleich Systemdienstleistungen bereitzustellen.

„Mit dem PowerCenter übernehmen wir erstmals die Rolle eines aktiven Speicherbetreibers im europäischen Energiemarkt. Das ist der Auftakt für unser Managed Battery Network: eine Plattform, die Großspeicher, perspektivisch Fahrzeugbatterien und weitere Assets intelligent verknüpft. Aus physischer Speicherkapazität wird digitale Systemintelligenz. So entwickeln wir Elli konsequent vom Ladeanbieter zum Energieunternehmen, das im Auftrag unserer Kunden Flexibilität handelt und bereitstellt“, erläutert Giovanni Palazzo, CEO von Elli (Volkswagen Group Charging GmbH).

Elektromobilität braucht Energiekompetenz

Mit der zunehmenden Elektrifizierung des Verkehrs steigen Anforderungen an Netzstabilität und Flexibilität deutlich. Die Energiewende entscheidet sich an der Verfügbarkeit von Leistung: Erneuerbare Energie muss genau dann nutzbar sein, wenn Industrie, Mittelstand und Verbraucher sie benötigen.

Großspeicher übernehmen dabei eine Schlüsselrolle, denn sie schaffen diese zeitliche Flexibilität. Sie nehmen Strom bei Überschuss auf und stellen ihn in sogenannten Dunkelphasen wieder bereit. Damit stabilisieren sie Netze, unterstützen die Integration erneuerbarer Energien und sichern den Hochlauf der Ladeinfrastruktur ab. Elektromobilität und Energieinfrastruktur gehören damit strategisch zusammen.

Mit dem operativen Start des PowerCenters erweitert die Volkswagen Group ihre Rolle vom Automobilhersteller zum integrierten Energieakteur. Die Verbindung von Mobilitäts- und Energiewende ist ein strategisches Kernelement der Transformation des Konzerns.

Der Produktionsstandort Salzgitter stehe exemplarisch für diesen integrierten Ansatz. Hier kommen Zellproduktion, Batteriesystemkompetenz, stationäre Großspeicher und digitale Energieplattformen in einem konzernübergreifenden Gemeinschaftsprojekt von Elli, Volkswagen AG, PowerCo und weiteren beteiligten Einheiten zusammen. Durch das partnerschaftliche Zusammenspiel von Zellfertigung, Energiespeicherlösungen, digitaler Handelsplattform und operativem Marktzugang sollen Synergien entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette entstehen.

Quelle: Elli – Pressemitteilung vom 09.03.2026

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

Aviloo führt Batterie-Garantie für gebrauchte Elektroautos ein

Aviloo führt Batterie-Garantie für gebrauchte Elektroautos ein

Daniel Krenzer  —  

Aviloo erweitert seinen Batterietest um eine finanzielle Garantie für gebrauchte E-Autos. Käufer erhalten mehr Sicherheit, Händler ein neues Verkaufsargument.

Samsung SDI könnte bald Batterien für VW produzieren

Samsung SDI könnte bald Batterien für VW produzieren

Laura Horst  —  

Samsung SDI soll laut einem Bericht in seinem ungarischen Werk Göd die Massenproduktion von Batteriezellen für Volkswagen vorbereiten.

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

Sebastian Henßler  —  

Nicht Zeitpläne, sondern technische Durchbrüche entscheiden über die Zukunft der Festkörperbatterie. CATL-Chef Zeng erklärt, wo die Technologie heute steht.

Stellantis testet Festkörperbatterie im Dodge Charger Daytona

Stellantis testet Festkörperbatterie im Dodge Charger Daytona

Sebastian Henßler  —  

Stellantis und Factorial haben FEST-Festkörperzellen erstmals in einen Dodge Charger Daytona eingebaut und erproben das Fahrzeug jetzt im Straßentest.

Warum Chinas Batteriemacht mit Natrium noch weiter wächst

Warum Chinas Batteriemacht mit Natrium noch weiter wächst

Sebastian Henßler  —  

Natrium-Ionen-Batterien ersetzen Lithium nicht, verschieben aber Lieferketten-Engpässe. China hält über 90 Prozent der weltweiten Produktionskapazität.

Donut Lab: Festkörper-Wunderakku soll gewöhnliche Lithium-Ionen-Batterie sein

Donut Lab: Festkörper-Wunderakku soll gewöhnliche Lithium-Ionen-Batterie sein

Tobias Stahl  —  

Eine Recherche des Batterieanalysten Ryan Hughes zeigt: Der angebliche „Wunderakku“ des Start-ups Donut Lab ist wohl eine handelsübliche Lithium-Ionen-Batterie.

Batteriezellfabriken als zweite Chance für Maschinenbau

Batteriezellfabriken als zweite Chance für Maschinenbau

Daniel Krenzer  —  

Neue Zelltechnologien und Festkörperbatterien könnten Europas Maschinenbau neue Chancen in der Batterieproduktion eröffnen.