VW denkt über Militärfahrzeuge aus Werk Osnabrück nach

VW denkt über Militärfahrzeuge aus Werk Osnabrück nach
Copyright:

Volkswagen

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die Zukunft des Volkswagen-Werks in Osnabrück ist weiterhin unklar. Der Konzern prüft verschiedene Möglichkeiten, wie der Standort nach dem Auslaufen der aktuellen Produktion genutzt werden könnte. Eine Option, über die derzeit nachgedacht wird, ist eine mögliche Rolle bei der Entwicklung oder Fertigung militärisch nutzbarer Fahrzeuge.

Eine Unternehmenssprecherin erklärte, Volkswagen untersuche unterschiedliche Zukunftsperspektiven für das Werk. In den vergangenen Monaten seien dort mehrere Konzepte entwickelt worden, die auch auf der Sicherheits- und Rüstungsmesse Enforce Tac vorgestellt wurden. Ziel sei es gewesen, mögliche Marktchancen und Einsatzfelder auszuloten. „Ob und in welchem Umfang sich daraus konkrete Projekte ergeben, ist derzeit offen“, erklärte das Unternehmen.

Berichte von NDR und der Neuen Osnabrücker Zeitung hatten zuvor darauf hingewiesen, dass am Standort zwei militärisch nutzbare Fahrzeuge entstanden sind. Diese basieren auf den Modellen Crafter und Amarok. Nach Angaben des Konzerns handelt es sich dabei bislang um Prototypen, die von Mitarbeitenden in Osnabrück in Eigenregie entwickelt wurden. Konkrete Serienpläne oder Aufträge existieren demnach derzeit nicht.

Produktion des T-Roc Cabrio endet 2027 im Werk Osnabrück

Der Hintergrund dieser Überlegungen liegt in der ungewissen Perspektive des Werks. In Osnabrück wird noch bis Mitte 2027 das VW T-Roc Cabrio produziert. Danach fehlen bislang Anschlussaufträge für die Fabrik. Rund 2300 Beschäftigte arbeiten derzeit an dem niedersächsischen Standort.

Auch die Arbeitnehmervertretung beschäftigt sich mit möglichen Zukunftsszenarien. Daniela Cavallo, Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Volkswagen, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, dass alle Optionen geprüft würden, um dem Werk eine langfristige Perspektive zu geben. „Wir prüfen alle Möglichkeiten, um den Standort Osnabrück zukunftsfest aufzustellen“, sagte sie. Dazu könne auch eine Beteiligung an Projekten im Verteidigungsbereich gehören.

Cavallo verwies dabei auf die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa. Deutschland und die Europäische Union müssten unabhängiger werden, wenn es um Verteidigungsfähigkeit gehe. „Die Welt hat sich stark verändert. Deshalb ist es wichtig, dass Europa dort ein Gegengewicht aufbaut“, erklärte sie.

Verbindungen zwischen dem Volkswagen-Konzern und militärischen Anwendungen existieren bereits an anderer Stelle. So baut die Konzerntochter MAN seit Jahren gemeinsam mit dem Rüstungskonzern Rheinmetall Militärlastwagen in einem Gemeinschaftsunternehmen. Diese Zusammenarbeit gilt innerhalb des Konzerns als Beispiel dafür, wie industrielle Kompetenzen auch im Verteidigungsbereich genutzt werden können.

Zukunftskonzept für VW Werk in Osnabrück weiterhin offen

Spekulationen über eine mögliche Rolle des Osnabrücker Werks in der Rüstungsindustrie kursieren schon seit einiger Zeit. Konzernchef Oliver Blume hatte sich bereits im vergangenen Jahr offen gegenüber entsprechenden Projekten gezeigt. Mit Blick auf den Standort erklärte er damals, man schaue genau, welche Anforderungen es auch in der Rüstungsindustrie geben könnte, etwa bei militärischen Transportautos.

Die wirtschaftliche Situation des Volkswagen-Konzerns bildet einen weiteren Hintergrund der Diskussion. In diesem Zusammenhang werden auch strukturelle Anpassungen diskutiert, zu denen grundsätzlich auch Werksschließungen gehören könnten. Der Betriebsrat lehnt solche Schritte jedoch weiterhin ab. Cavallo betonte, dass für das Werk in Osnabrück zwar noch kein fertiges Zukunftskonzept vorliege, der Vorstand aber zugesagt habe, gemeinsam mit der Arbeitnehmerseite eine Lösung zu erarbeiten. Eine Schließung des Standorts komme aus ihrer Sicht nicht infrage. Auch für andere Werke des Konzerns wolle sie entsprechende Entscheidungen weiterhin nicht akzeptieren.

Während diese Gespräche laufen, bleibt die Perspektive des Standorts zunächst offen. Klar ist bislang nur, dass die aktuelle Produktion in den kommenden Jahren endet und bis dahin eine neue Rolle für das Werk gefunden werden muss.

Quelle: Manager-Magazin – Volkswagen erwägt Bau von Militärfahrzeugen / ndr.de – VW-Betriebsratschefin ist offen für Rüstungsprojekte

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

VW: Wolfsburg bald nicht mehr Zentrum der Entwicklung?

VW: Wolfsburg bald nicht mehr Zentrum der Entwicklung?

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen will China-Technologie weltweit einsetzen. Was bedeutet die Vega-Strategie für Europa, Wolfsburg und die künftige Fahrzeugentwicklung?

Jeder dritte Škoda in Europa fährt elektrisch

Jeder dritte Škoda in Europa fährt elektrisch

Maria Glaser  —  

Die Auslieferungen verzeichneten in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 ein Wachstum um 6,1 Prozent mit einem signifikanten Anteil von E-Autos in Europa.

VW ID. Polo ist German Car of the Year 2027

VW ID. Polo ist German Car of the Year 2027

Sebastian Henßler  —  

Neben dem VW ID. Polo gewinnen Kia PV5, Mercedes-Benz GLC, Xpeng X9 und Hyundai Ioniq 6 N ihre Klassen. Den Gesamttitel holt jedoch der elektrische Kleinwagen.

So holt der Audi A2 e-tron mehr Effizienz aus dem Antrieb

So holt der Audi A2 e-tron mehr Effizienz aus dem Antrieb

Sebastian Henßler  —  

Der Audi A2 e-tron kommt im WLTP auf 12,8 kWh je 100 Kilometer. Möglich machen das Siliziumkarbid-Halbleiter, dünnere Rotorbleche und ein optimiertes Getriebe.

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen prüft die Montage chinesischer Modelle in der Türkei. Fahrzeugbausätze aus China könnten dort künftig zusammengesetzt werden.

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen setzt die Entwicklungsvorleistungen für den ID. Golf in Wolfsburg vorerst aus. Das Stammwerk hat Kostenziele von 300 Millionen Euro verfehlt.

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Daniel Krenzer  —  

VW erprobt mit Telekom und Partnern automatisierte Fahrzeugtransporte im Hafen Emden. Auch das fahrerlose Verladen auf Züge wurde getestet.