VW-Sanierung erreicht auch Porsche-Werk Zuffenhausen

VW-Sanierung erreicht auch Porsche-Werk Zuffenhausen
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
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Auf der Konzernkonferenz GTMC im Münchner Hotel „Marriott“ präsentierte Volkswagen-Chef Oliver Blume vor knapp zwei Wochen eine Liste von Werken, die ihm besondere Sorgen bereiten, wie das Manager-Magazin berichtet. Nur einen Tag zuvor hatte der Aufsichtsrat in Wolfsburg seinen ursprünglichen Plan zurückgewiesen, gleich vier Standorte mittelfristig stillzulegen. Der Widerstand der Arbeitnehmerseite war im Vorfeld zu groß gewesen. Auf der Folie tauchten neben den bereits bekannten VW-Standorten Emden, Hannover und Zwickau sowie der Audi-Fertigung in Neckarsulm ein fünftes Werk auf: Zuffenhausen, Stammsitz von Porsche.

Im schwäbischen Werk entstehen aktuell der 911er und der elektrische Taycan, es gilt seit Langem als einer der kostenintensivsten Standorte im Konzern. Ein Auslaufen der Fertigung wie bei den anderen genannten Werken ist dort zwar nicht geplant. Stattdessen wurde intern über ein „Dismantling“ informiert, also einen Rückbau. Andere Beteiligte sprechen von „Rightsizing“ des Standorts.

Verantwortlich für die Umsetzung ist inzwischen nicht mehr Blume selbst, der Porsche gut zehn Jahre lang geführt hatte, sondern sein Nachfolger Michael Leiters. Der 54-Jährige war zuvor bereits mehr als zehn Jahre bei Porsche tätig, wechselte danach als Entwicklungschef zu Ferrari und führte anschließend als Chef die britische Sportwagenmarke McLaren. Anfang 2026 übernahm er die Porsche-Spitze von Blume.

Porsche: Sanierung mit spürbaren Zugeständnissen

Ein erstes Sparpaket aus dem Jahr 2025 sah vor, dass 3900 Beschäftigte das Unternehmen verlassen, etwa die Hälfte davon über auslaufende befristete Verträge. Leiters legt nach Angaben von Insidern nach: Rund 5000 weitere Stellen könnten in den kommenden Jahren gestrichen werden, womit sich der Gesamtabbau bei Porsche auf etwa 9000 Arbeitsplätze summieren würde. Der Aufsichtsrat soll die Details am heutigen 22. Juli endgültig festzurren, in der kommenden Woche will Leiters die Ergebnisse den Beschäftigten auf einer Betriebsversammlung vorstellen.

Dem Betriebsrat kommt die Unternehmensführung an mehreren Punkten entgegen. So sollen anteilig mehr Stellen im indirekten Bereich und im Management wegfallen als in der Fertigung selbst. Zudem zeichnet sich eine Standortsicherung für die deutschen Werke bis 2035 ab, ein längerer Zeitraum als bei Volkswagen und Audi vereinbart. Man müsse sparen, um das Unternehmen wieder auf einen erfolgreicheren Kurs zu bringen, so die interne Begründung, die Beschäftigten bräuchten dafür aber auch eine Perspektive.

Kapazitäten und Ergebnisse unter Druck

Der Bedarf für ein Rightsizing wird intern kaum infrage gestellt. Das Fertigungsnetz war einst auf eine Jahresproduktion von rund 400.000 Autos ausgelegt, inzwischen liegt das Ziel bei 250.000 und weniger. Ende 2025 beschäftigte Porsche knapp 42.000 Menschen, davon fast 36.000 in Deutschland. Um Arbeitsplätze langfristig zu sichern, wird intern auch über eine Stärkung des Werks Leipzig nachgedacht, verbunden mit einem möglichen Ende der Cayenne-Fertigung im slowakischen Bratislava.

Die aktuellen Geschäftszahlen liefern zusätzlichen Druck. 2025 blieb Porsche nur knapp in der Gewinnzone, unter anderem wegen umfangreicher Abschreibungen und Rückstellungen. Für das laufende Jahr rechnet Leiters mit einer operativen Umsatzrendite von 5,5 bis 7,5 Prozent, deutlich unter den zwischen 2010 und 2023 üblichen 15 bis 20 Prozent. Die Auslieferungen sanken im ersten Halbjahr um 16 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge. Seinen Zukunftsplan will Leiters im Oktober auf einem Kapitalmarkttag vorstellen, ein komplettes Ende des Taycan nach der aktuellen Modellgeneration gilt als möglich.

Neubesetzung im Vorstand erwartet

Voraussichtlich noch am 22. Juli soll der Aufsichtsrat zudem den bisherigen Qualitätschef Christian Friedl als neuen Produktionsvorstand bestätigen, als Nachfolger des 65 Jahre alten Albrecht Reimold. Blume hatte Friedl bereits 2025 in die Führung holen wollen, das Vorhaben war damals von den Großaktionärsfamilien Porsche und Piëch zunächst gestoppt worden. Friedl hatte zuletzt das „Initial Quality“-Ranking von J.D. Power präsentiert, in dem Porsche in den USA auf Platz eins liegt, kritische Stimmen verweisen jedoch auf weiterhin hohe Garantie- und Kulanzkosten, insbesondere bei den in den USA schwach verkauften Elektromodellen.

Quellle: Manager-Magazin – Porsche vor Einigung – rund 5000 Stellen mehr könnten wegfallen

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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