Porsche steckt in einer schwierigen Phase. Bei der virtuellen Hauptversammlung hat Vorstandsvorsitzender Michael Leiters die Lage klar benannt und gleichzeitig den Rahmen für eine umfassende Neuausrichtung abgesteckt. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Stuttgarter Sportwagenhersteller mit einer operativen Konzernumsatzrendite zwischen 5,5 und 7,5 Prozent, bei Umsatzerlösen im Korridor von rund 35 bis 36 Milliarden Euro. Eingerechnet sind außerordentliche Aufwendungen von 800 bis 900 Millionen Euro sowie Zollbelastungen in Höhe von rund 700 Millionen Euro. Die Netto-Cashflow-Marge im Segment Automobile soll zwischen 3 und 5 Prozent liegen.
Leiters machte deutlich, dass eine kurzfristige Rückkehr zu früheren Margen nicht zu erwarten ist. „Die deutliche Verbesserung unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird vor allem mit unseren künftigen Produkten kommen. Das ist der entscheidende Hebel. Und das braucht Zeit“, so Leiters.
Drei Säulen sollen Porsche neu ausrichten
Das strategische Fundament trägt den Namen „Strategie 2035“ und gliedert sich in drei Handlungsfelder: Marke und Kunde, Produkte und Technologie sowie Unternehmen und operatives Geschäft. Die vollständige Vorstellung ist für den 7. Oktober im Rahmen eines Capital Markets Day geplant. „Wir befinden uns nach wie vor in einer herausfordernden Situation und arbeiten deshalb aktuell an einer Strategie, die uns zu einer nachhaltig gesunden Profitabilität und einer stärkeren strategischen Resilienz führt“, erklärte Leiters.
Im ersten Handlungsfeld stellt Leiters die Markenidentität in den Mittelpunkt: Sportwagen-DNA, Design, Performance, Fahrspaß, Heritage und Exklusivität. Absatzvolumen sei dabei kein Maßstab. „Mehr Autos machen Porsche nicht automatisch stärker. Stärker werden wir dann, wenn Kunden sich ganz bewusst für einen Porsche entscheiden“, sagte Leiters. Porsche verstehe sich als Marke für Menschen, die in einer zunehmend automatisierten Welt bewusst selbst fahren wollen.
Die Produktstrategie bildet die zweite Säule. Das Portfolio sei im Vergleich zum Wettbewerb zu komplex geworden, räumte Leiters ein. Als Konsequenz werden Derivate gestrichen: In den USA hat Porsche bereits zwei Karosserievarianten des Taycan aus dem Programm genommen. Grundsätzlich hält der Hersteller an allen drei Antriebsarten fest, Verbrenner, Hybrid und vollelektrisch.
Den Hybridantrieb betrachtet Porsche dabei nicht als Übergangslösung. Für den 911 werde ein eigens entwickelter Performance-Hybrid „ein elementarer Baustein“ bleiben, wie Leiters formulierte. Einen vollelektrischen 911 werde es nicht geben. Bei reinen Elektroautos setzt Porsche auf den Cayenne Electric, von dem sich Leiters eine „Schlüsselrolle im elektrischen Zeitalter“ verspricht.
Stellenabbau und Bekenntnis zu Deutschland
Die dritte Säule betrifft die Unternehmensstruktur. Porsche prüft, wo Plattformen und Konzernbaukästen flexibler genutzt werden können, und führt parallel dazu Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über eine sozialverträgliche Anpassung der Beschäftigtenzahl. „Wir sind uns einig, dass Handlungsbedarf besteht und wo er besteht“, sagte Leiters. Die bisherige Planung zur Verschlankung des Unternehmens reiche für eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit nicht aus.
Trotz des Drucks auf den Standort Deutschland bekennt sich Leiters klar zu „Made in Germany“. Die Rahmenbedingungen seien anspruchsvoller geworden, aber: „Wir müssen Made in Germany neu erfinden und uns unter Beweis stellen.“ Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Porsche stärkte dem Vorstandschef den Rücken und kündigte an, den Strategieprozess eng zu begleiten, mit klarem Fokus auf Profitabilität, Kostendisziplin und nachhaltige Wertsteigerung.
Quelle: Porsche – Pressemitteilung









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