Als Oliver Blume die operative Führung der Porsche AG abgab, endete eine Ära, die intern wie extern stark mit seiner Person verbunden war. Über Jahre hinweg hatte er den Sportwagenhersteller geprägt, die Elektrifizierung vorangetrieben, den Börsengang umgesetzt und hohe Gewinne erzielt. Doch auf die Phase des Wachstums folgten wirtschaftlich schwierigere Jahre. Sinkende Absätze, belastete Ergebnisse und strategische Korrekturen hinterließen ein Unternehmen, das neu ausgerichtet werden muss. Seit dem 1. Januar steht nun Michael Leiters an der Spitze – und mit ihm verändert sich Ton und Takt im Stammwerk in Zuffenhausen.
Schon in den ersten Wochen setzte der 57-Jährige sichtbare Zeichen. Für das obere Management gilt wieder Präsenzpflicht, Homeoffice wurde weitgehend beendet. Zudem führte Leiters eine verbindliche Kleiderordnung ein: Business Casual, Hemd statt T-Shirt. Solche Maßnahmen mögen formal erscheinen, sie stehen jedoch für einen grundsätzlichen Führungsansatz. In internen Runden machte der neue Vorstandsvorsitzende deutlich, was er erwartet: Loyalität gegenüber der aktuellen Führung. Geschäftliche Informationen, so berichten Beteiligte, dürften nicht in Richtung Wolfsburg oder zu einzelnen Aufsichtsräten abfließen. Im Unternehmen ist von „deutlichen Gesprächen“ die Rede, wie das Manager Magazin berichtet.
Sinkende Absätze und wachsende operative Herausforderungen
Der personelle Wechsel fällt in eine Phase, in der Porsche operativ unter Druck steht. Nach einem Rekordjahr 2023 mit rund 320.000 verkauften Autos rechnen interne Planungen bis 2027 mit deutlich geringeren Stückzahlen. In wichtigen Märkten wie den USA und China ist die Ertragslage angespannt. Auch an der Börse hat das Unternehmen an Wert verloren. Zugleich hatte Blume noch ehrgeizige Renditeziele formuliert, die unter veränderten Rahmenbedingungen nun auf dem Prüfstand stehen.
Diese Überprüfung betrifft nicht nur Zahlen, sondern auch Strukturen und Projekte. Leiters bringt dafür Erfahrung aus verschiedenen Stationen mit. Seine Karriere begann bei Porsche unter Wendelin Wiedeking, später verantwortete er die SUV-Baureihen Macan und Cayenne. 2014 wechselte er als Technikchef zu Ferrari und arbeitete dort mit Sergio Marchionne zusammen. Als CEO von McLaren übernahm er schließlich ein Unternehmen in existenzieller Schieflage. Beteiligte berichten, dass er dort die Produktion zeitweise stoppte, um Qualitätsmängel zu beheben. In Stuttgart betont er nun, nur technisch ausgereifte Autos dürften auf die Straße kommen. Wiederholte Softwareprobleme wie beim elektrischen Macan sollen sich nicht wiederholen.
Parallel zur operativen Neuausrichtung läuft die Abstimmung mit dem Volkswagen-Konzern. Oliver Blume führt weiterhin die Volkswagen AG und bleibt damit formal Leiters’ Vorgesetzter. Beide agieren im Einflussbereich der Familien Porsche und Piëch, die über ihre Holding maßgebliche Stimmrechte kontrollieren. Bei einer Strategieklausur in Berlin forderte Blume öffentlich, bei Porsche „alles auf den Prüfstand“ zu stellen – ausdrücklich auch frühere Entscheidungen. Gleichzeitig kündigte er ein konzernweites Sparziel von 20 Prozent bis 2028 an, was rechnerisch rund 60 Milliarden Euro entspricht.
Stellenabbau und interne Bestandsaufnahme in Zuffenhausen
In Zuffenhausen existiert bereits ein eigenes Effizienzprogramm. Auf knapp 4000 beschlossene Stellenstreichungen könnten weitere folgen. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern wurden allerdings ausgesetzt. Um sich ein vollständiges Bild zu verschaffen, gewährte Leiters seinem Führungskreis zu Beginn eine Frist von 20 Tagen, in der Probleme ohne unmittelbare Konsequenzen offengelegt werden sollten. Nach Ablauf dieser Phase will er auf Basis konsolidierter Daten entscheiden. Der Vertrieb hat seine Prognose für das laufende Jahr bereits um rund 10.000 Autos nach unten korrigiert.
Besonders sensibel ist die Lage bei einzelnen Modellprojekten. Der elektrische 718, ursprünglich für 2024 vorgesehen, verzögert sich aufgrund von Schwierigkeiten bei der Batterieversorgung. Nach der Insolvenz von Northvolt übernahm Samsung SDI, dennoch wird nun mit einer Markteinführung erst 2027 gerechnet. Intern wird geprüft, wie tragfähig die Wirtschaftlichkeit unter den aktuellen Annahmen ist. Ein Abbruch hätte weitreichende Folgen, auch für Audi, das eine eigene Variante auf dieser Plattform plant.
Auch das SUV-Portfolio steht zur Diskussion. Neben Macan und Cayenne war mit dem K1 ein weiteres, rein elektrisches Modell im oberen Segment vorgesehen. Der Zeitplan wurde jedoch deutlich verschoben, stattdessen wird über eine konventionell angetriebene Version nachgedacht. Leiters, der selbst maßgeblich am Erfolg früherer SUV-Programme beteiligt war, hinterfragt laut Beteiligten die Vielzahl paralleler Antriebe sowie die geringe Teilegleichheit zwischen den Modellen.
Effizienzdebatte reicht bis in kleinste Kosteneinheiten
Die Debatte über Effizienz reicht dabei bis in Details. In internen Präsentationen soll Leiters kritisiert haben, dass Projekte lediglich in Milliardenbeträgen ausgewiesen werden. Entscheidend sei, Kosten bis auf kleinere Einheiten transparent zu machen. Dieser Ansatz erinnert an frühere Zeiten unter Wiedeking, als eine strikte Teileliste festlegte, welche Komponenten aus dem Konzernbaukasten übernommen werden.
Über allem steht die Frage nach der künftigen Ertragsbasis. Leiters hat intern als Ziel ausgegeben, Porsche müsse bereits bei 180.000 verkauften Autos im Jahr profitabel arbeiten. Angesichts von rund 42.000 Beschäftigten gilt das als ambitioniert. Veränderungen im Vorstand sind möglich, konkrete Entscheidungen wurden bislang nicht kommuniziert. Der neue Vorstandsvorsitzende betont, er benötige Zeit für eine umfassende Analyse.
Quelle: Manager Magazin – Der Kampf um Porsche beginnt








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