Volkswagen könnte bei seinen künftigen Elektroautos auf eine Software- und Elektronikarchitektur aus China setzen und damit nach internen Berechnungen vier bis fünf Milliarden Euro einsparen. Wie das Manager-Magazin unter Berufung auf Insider berichtet, will VW-Markenchef Thomas Schäfer an diesem Dienstag im Konzernvorstand vorschlagen, die sogenannte CEA (China Electrical Architecture) breit einzusetzen. Betroffen wären rund drei Viertel aller künftigen Autos von VW, Škoda und Cupra, darunter die kommenden Generationen von ID.Golf, ID.Passat und Škoda Enyaq. Für die Technologiestrategie des Konzerns wäre das ein grundlegender Kurswechsel.
Hintergrund ist der Druck auf die Kosten. Nach den im September beschlossenen Sparzielen muss die Markengruppe Core mit Škoda, Seat/Cupra und VW Nutzfahrzeuge ihr Ergebnis bis 2030 um gut 12 Milliarden Euro verbessern. Die geplanten Investitionen sollen zugleich um fast 15 Milliarden Euro sinken. „Für Thomas Schäfer wäre die Entscheidung ein Brustlöser“, zitiert das Magazin einen Beteiligten. Selbst wenn Core das Rivian-Joint-Venture RVT weiter voll mitfinanziert, blieben nach Rechnung der Strategen mindestens drei Milliarden Euro Ersparnis.
Die Befürworter:innen verweisen auf deutliche Kostenunterschiede. Eine Entwicklerstunde bei RVT soll rund viermal so viel kosten wie beim Entwicklungszentrum VCTC im chinesischen Hefei. Ein Modell wie der elektrische Tiguan wäre bei Entwicklung und Fertigung in Europa demnach etwa 8000 Euro teurer. Mit Rivian-Software, so die Sorge, könnten VW und Škoda auf Dauer zu langsam und zu teuer werden.
Konkret will Schäfer die chinesische Architektur für die Plattformen SSP31 f und h nutzen. Das umfasst sämtliche Elektroautos oberhalb der Polo-Größe, einschließlich der Modellfamilie rund um den Tiguan. Diese war 2025 mit einer Million verkauften Exemplaren die größte Gruppe im Konzern. Eine neue Architektur für Benziner und Diesel ist nach aktuellem Stand nicht mehr vorgesehen, diese Modelle sollen lediglich modernisiert werden.
Wie aus einer China-Lösung eine Konzernbasis werden soll
Schäfer wertet die CEA ausdrücklich als VW-Technik. Volkswagen begann 2023 gemeinsam mit dem Start-up Xpeng, eine eigene Softwarearchitektur aufzubauen, nachdem die Konzernspitze erkannt hatte, dass die bisherige Software gegen die chinesische Konkurrenz keine Chance haben würde. China-Vorstand Ralf Brandstätter holte dafür den früheren Produktions- und Entwicklungschef Thomas Ulbrich nach China. Dessen VCTC entwickelte die Xpeng-Basis gemeinsam mit dem China-Ableger der Cariad zur CEA weiter. Die Rechte am geistigen Eigentum liegen nach Unternehmensangaben inzwischen beim Konzern.
Technisch handelt es sich um ein zonales System, Software-Updates per Funk laufen laut Berichten aus China problemlos. Die Architektur funktioniere dort auch in Autos auf älteren europäischen Konzernplattformen. Im übrigen Konzern ist dieser Stand noch nicht erreicht, Softwareausfälle zählen gerade bei Audi und Porsche zu den häufigsten Problemen. Eine Rivian-Architektur soll Ende 2027 erstmals im kleinen ID.1 starten. Bis sie die gesamte nächste Elektrogeneration SSP tragen kann, dürfte es nach Einschätzung von Skeptiker:innen mindestens bis Ende 2028 dauern.
Rückenwind liefert der Markt. Der elektrische ID.Aura T6, ein SUV für chinesische Familien, sowie der Plug-in-Hybrid ID.Era 5S mit 160 Kilometern elektrischer Reichweite kamen nach wenigen Wochen auf jeweils 30.000 Bestellungen. In Wolfsburg heißt es, VW habe in China noch nie in einem Monat so viele Elektroautos verkauft wie im Oktober. Brandstätter kommentierte das auf LinkedIn mit den Worten „Was für ein starker Start!“
Schon einmal hatte Schäfer das Vorhaben im Vorstand präsentiert. Die Reaktionen seien positiv gewesen, für einige Anwesende sogar „augenöffnend“. Nach rund zweieinhalb Stunden blieb es dennoch bei der bestehenden Agenda. Konzernchef Oliver Blume sieht bislang eine Zweiteilung vor: VCTC-Technik für China sowie für Exporte nach Lateinamerika, Asien und Australien, Rivian-Software für Europa und die USA.
Schäfer will diese Grenze für einen Großteil der Volumenmodelle verschieben. Da chinesische Software auf US-Straßen kaum denkbar ist, gäbe es dann nur noch Nordamerika und den Rest der Welt. Kritiker:innen wenden ein, die Anpassung der CEA an europäische Regularien sei weder so einfach noch so günstig wie dargestellt. Audi-Chef Gernot Döllner hatte die Allianz mit Rivian 2024 mit angeschoben und setzt außerhalb Chinas weiter stark auf sie. Als entscheidend gilt nun die Position von Finanzvorstand Arno Antlitz.
Quelle: Manager-Magazin – VW will Chinasoftware für zentrale Modelle – und nicht Rivian








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