Der deutsche Automobilhersteller Volkswagen konkretisiert seinen verschärften Sparkurs und will bei der Volkswagen AG bis 2030 weitere 12.000 Stellen abbauen. Damit steigt die Zahl der dort geplanten Streichungen auf mehr als 47.000. Um den Personalabbau zu beschleunigen, bringt der Konzern nun auch öffentlich geförderte Transfergesellschaften ins Spiel. Die IG Metall lehnt das entschieden ab und wirft dem Vorstand vor, die vereinbarte Beschäftigungssicherung auf Kosten der Beitragszahler auszuhebeln.
Wie die Automobilwoche berichtet, soll der zusätzliche Stellenabbau innerhalb des Anfang September beschlossenen Zukunftsplans 2030 umgesetzt werden. Bereits Ende 2024 hatten sich Volkswagen und Arbeitnehmervertreter auf den sozialverträglichen Abbau von mehr als 35.000 Stellen an den deutschen VW-Standorten verständigt. Die jetzt genannten weiteren 12.000 Stellen betreffen die Volkswagen AG einschließlich der Kernmarke, der Komponentensparte und zentraler Konzernfunktionen.
Konzernweit sieht der Zukunftsplan den Abbau von rund 50.000 zusätzlichen Stellen vor. Die nun konkretisierten 12.000 Stellen bei der Volkswagen AG sind diesem neuen Sparprogramm zuzuordnen und in dem Gesamtwert somit aller Voraussicht nach bereits beinhaltet.
Volkswagen will Arbeitskosten schneller senken
Bisher setzt VW beim Personalabbau insbesondere auf Altersteilzeit, Abfindungen und freiwillige Aufhebungsverträge. Angesichts der ausgeweiteten Sparziele hatte Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo allerdings bereits im September Zweifel geäußert, ob sich der zusätzliche Abbau allein mit diesen Instrumenten bewältigen lässt.
Nun schlägt der Vorstand Transfergesellschaften als weitere Möglichkeit vor. Möglichst Tausende Beschäftigte könnten freiwillig in solche Gesellschaften wechseln und dort bis zu zwölf Monate bei der Suche nach einer neuen Beschäftigung unterstützt werden. Die Bundesagentur für Arbeit beteiligt sich über das Transferkurzarbeitergeld an der Finanzierung. Das bisherige Arbeitsverhältnis endet mit dem Wechsel.
Wie viele Beschäftigte diesen Weg einschlagen sollen, ist bislang offen. VW-Personalvorstand Arne Meiswinkel begründet den Vorstoß mit der seit dem Tarifabschluss von 2024 nochmals verschlechterten wirtschaftlichen Situation. Der Konzern müsse seine Arbeitskosten möglichst schnell reduzieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
IG Metall spricht von Wortbruch
Die Arbeitnehmerseite sieht darin einen Versuch, die bis Ende 2030 geltende Beschäftigungssicherung zu umgehen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bei der Volkswagen AG bis dahin tarifvertraglich ausgeschlossen.
Die IG Metall verweist darauf, dass Transfergesellschaften üblicherweise bei drohendem Arbeitsplatzverlust zum Einsatz kommen. Bei VW hätten die Beschäftigten dagegen bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht, um ihre Arbeitsplätze abzusichern. Nach Gewerkschaftsangaben summieren sich diese seit Anfang 2025 auf rund 1,5 Milliarden Euro jährlich.
IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger kritisiert insbesondere die geplante öffentliche Förderung. „Bevor die Beitragszahler einspringen, sind die Aktionäre in der Pflicht“, erklärte er. Die Gewerkschaft sieht für das Vorhaben keine tragfähige tarifrechtliche Grundlage und lehnt die Transfergesellschaften in der vorgeschlagenen Form ab.
Auch weitere Einschnitte stehen zur Debatte
Der Konflikt geht inzwischen weit über den Stellenabbau hinaus. Ende September hatte Volkswagen zehn Tarifverträge gekündigt. Betroffen sind unter anderem Vereinbarungen zu Entgelt, Arbeitszeit, Urlaub und Zulagen. Zuletzt wurden außerdem Pläne für weltweite Nullrunden bis 2030 bekannt. Der Vorstand soll die Budgets für mögliche Gehaltserhöhungen eingefroren haben. Ob sich ein derart weitreichender Lohnverzicht tatsächlich durchsetzen lässt, ist allerdings offen.
Volkswagen hält indes an der Kündigung der zehn Tarifverträge fest. Die IG Metall fordert deren Rücknahme bis Ende Oktober und bereitet andernfalls einen Arbeitskampf vor. Die Friedenspflicht endet am 31. Dezember. Im neuen Jahr könnten bei VW also massive Auseinandersetzungen und Arbeitsniederlegungen drohen.
Als Hoffnungsschimmer für eine rechtzeitige sanftere Lösung steht nun ein Zeitplan für die Tarifverhandlungen fest: Am 24. November sollen die Gespräche in Emden beginnen und am 15. Dezember in Zwickau fortgesetzt werden. Parallel bleibt die Zukunft mehrerer deutscher Werke ungeklärt. Für Emden, Zwickau, Hannover und das Audi-Werk Neckarsulm (erst recht nach den jüngsten Entwicklungen in den USA) fehlen nach Einschätzung des Konzerns langfristig wettbewerbsfähige Anschlussbelegungen. Bis Mitte 2027 soll deshalb ein Konzept für die europäische Produktionsstruktur entstehen.
Quelle: Automobilwoche – Volkswagen: Tausende Mitarbeiter sollen in Transfergesellschaft wechseln








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