Volkswagen ist 2024 eine wichtige Partnerschaft mit dem US-Elektroautohersteller Rivian eingegangen. Ziel war es, die eigene Softwareentwicklung anzutreiben. Nun nimmt diese milliardenschwere Kooperation klare operative Form an, und aktuelle Quartalszahlen zeigen deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit aus finanzieller Hinsicht für Rivian geworden ist.
Den Q2-Zahlen ist nämlich zu entnehmen, dass Rivian im Bereich Software und Services in diesem Zeitraum einen Umsatz von 515 Millionen US-Dollar generieren konnte. Das entspricht einem Anstieg von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Davon entfallen ganze 308 Millionen US-Dollar Umsatz auf die Arbeit im Joint Venture mit VW, was wiederum jedem fünften Dollar entspricht, den Rivian in diesem Zeitraum insgesamt an Umsatz generiert hat.
Besonders bemerkenswert ist die Höhe dieser Erlöse vor allem auch deshalb, da bis heute noch kein einziges VW-Fahrzeug mit der gemeinsam entwickelten Software unterwegs ist. Die Einnahmen stammen größtenteils aus Entwicklungsleistungen. Insgesamt werden sich die mit der Zusammenarbeit verbundenen Ausgaben VW zufolge auf bis zu 5,8 Milliarden US-Dollar belaufen.
Rivian steckt nach wie vor tief in den roten Zahlen
Der Gesamtumsatz von Rivian belief sich im zweiten Quartal 2026 auf 1,66 Milliarden US-Dollar, wodurch sich sogar ein Bruttogewinn von 179 Millionen US-Dollar ergab. Noch ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen in diesem Zeitraum einen Bruttoverlust von 206 Millionen US-Dollar verzeichnet. Es zeigen sich also bereits deutliche Fortschritte in der Produktion und den damit verbundenen direkten Herstellungskosten.
Allerdings ist Rivian nach wie vor weit davon entfernt profitabel zu sein. Schließlich lag der Nettoverlust auch im letzten Quartal noch bei 837 Millionen US-Dollar. Für das erste Halbjahr 2026 steht das Unternehmen sogar bereits mit 1,8 Milliarden in den roten Zahlen. Laut einem Beitrag der Automobilwoche hätte es Rivian ohne den Beitrag aus dem VW-Joint-Venture zudem deutlich schwieriger gehabt, eine derartige Verbesserung bei den operativen Kennzahlen zu erreichen. Um langfristig profitabel zu werden, müssten aus der Kooperation jedoch noch weitere skalierbare Einnahmequellen entstehen.
Volkswagen erwartet einiges von der strategischen Partnerschaft
Für VW hat die Kooperation mit Rivian vor allem eine strategische Relevanz, da man sich erhofft, mit der gemeinsam entwickelten Software-Plattform die Basis für softwaredefinierte Fahrzeuge zu legen, Over-the-Air-Updates zu ermöglichen und in Zukunft die Entwicklungszeiten zu verkürzen. Die neuen Technologien sollen dann markenübergreifend zum Einsatz kommen, wobei der für 2027 erwartete Elektrokleinwagen ID. Every1 den Anfang machen dürfte. Später sollen auch der ID.1 sowie der Audi Q8 e-tron über die Rivian-Architektur laufen.
Dementsprechend bleibt die Zusammenarbeit für VW zunächst noch eine Wette darauf, dass am Ende ein funktionierendes und vor allem in Serie gehendes Softwaresystem entstehen kann, während Rivian schon jetzt direkt von der VW-Partnerschaft als zentralem Umsatzfaktor profitiert. Für den US-Elektroautohersteller bleibt das klassische Fahrzeuggeschäft das größte Problemfeld. Nach wie vor verursacht die Produktion von R1T und R1S hohe Kosten und auch der Produktionsanlauf des neuen R2 läuft noch nicht ganz reibungslos.
Quelle: Automobilwoche – Jeder fünfte Umsatz-Dollar: Wie Volkswagen Rivians Geschäft antreibt





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