Bei VW ist aktuell einiges im Umbruch: Zu Sparplänen, Absatzschwäche und einem Tarifstreit kommt nun wohl auch noch eine Verzögerung in der Investitionsplanung hinzu. Normalerweise wird das Investitionsbudget der nächsten fünf Jahre immer im Herbst vom VW-Aufsichtsrat abgesegnet. Doch dieses Jahr scheint das nicht mehr realistisch zu sein.
Nach den 165 Milliarden Euro aus der letzten Runde geht es auch dieses Mal wieder um 135 Milliarden Euro an Investitionsbudget. Dabei stehen Gelder für neue Modelle, Zukunftstechnologien und die Belegung der gut 100 Werke im Konzernverbund zur Abstimmung. Hiervon hängt wiederum die Planungssicherheit für viele Zulieferer von VW ab.
Laut Informationen, die dem Handelsblatt von mehreren mit den Beratungen vertrauten Personen vorliegen, wird der Aufsichtsrat diese Planung im aktuellen Kalenderjahr nicht mehr abschließen können. Der neue Zieltermin liegt demnach im Januar 2027. Für einen Abschluss scheinen bisher aber noch grundlegende Entschlüsse zu fehlen.
Heißt konkret: Das Sparpaket, auf das man sich bereits Ende September geeinigt hatte, steht bislang nur in den Grundzügen und einzelne Beschlüsse werden von Kapital- und Arbeitnehmerseite verschieden interpretiert. Auch die Zukunft vier deutscher Werke ist noch offen. Während Blume den Standorten bis Ende Juni 2027 Zeit für tragfähige Konzepte gegeben hat, sollen die Investitionen schon viel früher abgesegnet werden. Dementsprechend wird der Aufsichtsrat Milliarden verteilen müssen, ohne dass Klarheit darüber besteht, welche Werke langfristig bestehen bleiben.
Das Extremszenario „Investitions-Shutdown“
Im Falle, dass sich der Aufsichtsrat nicht über die Budgets einig werden kann, könnte dem Handelsblatt zufolge ein Investitions-Shutdown drohen. In diesem Geschäftszustand könnten dann erst einmal keine größeren Ausgaben mehr bewilligt werden. Das Ganze wäre mit einer Haushaltssperre bei Staaten vergleichbar, wie in den USA in den letzten Jahren mehrfach geschehen.
„Das ist kein Zustand für einen Konzern vom Format Volkswagens“, heißt es zur Situation aus dem Umfeld des Aufsichtsrates. Dass Investoren VWs geplante Budgets für Zukunftsinvestitionen für zu hoch halten, macht die Situation auch nicht einfacher, zumal Vorzugsaktien allein in diesem Jahr mehr als ein Drittel an Wert eingebüßt haben. Aus Managementkreisen heißt es zudem, dass die 135 Milliarden Euro nur dann zu rechtfertigen seien, wenn am Ende eine Marge von neun Prozent stünde.
Durch geplante Sparmaßnahmen soll der Gewinn bis 2030 um 31 Milliarden Euro gesteigert werden, um den besagten Anstieg der Marge von aktuell 3,8 auf nein Prozent möglich zu machen. Dafür wurden unter anderem der Abbau von rund 100.000 Arbeitsplätzen und das Auslaufen der Fahrzeugproduktion in Zwickau, Emden und Hannover beschlossen.
Derweil bleibt der Absatz von Volkswagen vergleichsweise schwach: Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl ausgelieferter Fahrzeuge in den ersten drei Quartalen um 9 Prozent zurück. Mit 6,01 Millionen erreichten die Auslieferungen in diesem Zeitraum sogar ihren tiefsten Stand seit 2010. In China ist der Absatz sogar um 30,2 Prozent auf nur noch rund 1,38 Millionen eingebrochen.
Quellen: Handelsblatt – VW droht Investitions-Shutdown – Streit um Milliarden eskaliert







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