Volkswagen hat wieder „stabilen Boden unter den Füßen“, bleibt aber in einem Transformationsprozess – so lautet das Zwischenfazit von Konzernchef Oliver Blume in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Die Zeit zum Ausruhen sei trotz der Fortschritte in vielen Bereichen nicht gekommen, denn nun gelte es, die „nachhaltige Transformation“ bis zum Jahr 2030 zu gestalten.
Obwohl der Konzerngewinn 2025 um mehr als die Hälfte eingebrochen ist und in den kommenden Jahren mehr als 50.000 Stellen wegfallen, kommt Blume zu einem positiven Ergebnis der Sanierung. Man habe in drei Jahren alles erreicht, was man anfangs versprochen habe – teilweise sogar schneller als geplant. „In Europa sind wir klarer Marktführer, bei Verbrennern und bei Elektrofahrzeugen mit wachsenden Marktanteilen. Unsere Software haben wir in Ordnung gebracht und wettbewerbsfähig aufgestellt. In China starten wir in diesem Jahr die ersten Produkte unserer neuen Strategie im Markt“, erklärte der Konzernchef.
Volkswagen steht heute „deutlich stabiler“ da
Neben dem Design, der Technologie und der Qualität der Produkte sei die Software eine der größten Baustellen gewesen. Die „globalen Gegenwinde“ habe man finanziell ebenfalls zum größten Teil kompensieren können. Dabei haben sich laut Blume die Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe gelohnt. „Dadurch steht der Volkswagen-Konzern heute deutlich stabiler im Vergleich zum Wettbewerb“, merkt der Volkswagen-Chef an.
Mit den sogenannten Performance-Programmen, dem straffen Sparkurs für alle Volkswagen-Marken, hatte sich der Konzern das ehrgeizige Ziel gesetzt, mehrere Milliarden Euro pro Jahr zu sparen. „Damals sehr ambitioniert – heute können wir sagen: Wir haben unsere Ziele erreicht“, sagte Blume. Ohne die Sparprogramme stehe Volkswagen heute viel schlechter da, insbesondere durch die Auswirkungen der US-Zölle, die das Unternehmen laut dem CEO „direkt und indirekt rund fünf Milliarden Euro Ergebnis pro Jahr“ kosten.
Altes Geschäftsmodell hat ausgedient
Zeit zum Verschnaufen hat Volkswagen trotzdem nicht, denn das Motto des Chefs lautet: „Wer anfängt, zufrieden zu sein, hat aufgehört, besser zu werden“. Angesichts der globalen Veränderungen ist das Unternehmen gewissermaßen gezwungen, sich anzupassen. „Das Geschäftsmodell, das uns über Jahrzehnte getragen hat, funktioniert heute so nicht mehr – Autos in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und in alle Welt exportieren“, erklärte der VW-Chef.
Während der europäische Markt um mehr als zwei Millionen Autos geschrumpft ist und der Wettbewerb zunimmt, minimieren in den USA die hohen Einfuhrzölle die positiven Effekte. Besorgt beobachte man zudem die Situation im Mittleren Osten und analysiere fortlaufend mögliche Einflüsse auf das Unternehmen. „Wir haben ein eingespieltes Krisenmanagement, trotzdem verlieren wir Marktvolumen durch die vielseitigen Einschläge wie in den USA, Russland, der Ukraine oder Middle East“, sagte Blume.
China als Schlüsselproblem
Als ein Schlüsselproblem nennt der Volkswagen-Chef den chinesischen Markt, wo man sich zu stark auf ein gleichbleibendes Wachstum und „auf die gewohnten Gewinne der Vergangenheit“ verlassen habe. Heute gehe man bei VW nicht davon aus, dass sich der Markt in allen Segmenten wieder erholen wird, was laut Blume vor allem für den Luxusmarkt in China gilt, der in kurzer Zeit um rund 80 Prozent eingebrochen ist. Daher passe der Autobauer seine Strukturen in China gezielt an.
In den USA sieht der Konzern weiterhin große Wachstumschancen, wenn auch unter veränderten Rahmenbedingungen. „Wir haben gute Pläne für die USA, müssen allerdings einige davon an die neuen Realitäten anpassen“, erklärte Blume. Aufgrund der wegfallenden Elektroautoförderungen und der starken Fokussierung auf Verbrenner in den Vereinigten Staaten bringt VW etwa die ersten beiden Scout-Modelle zunächst mit Range-Extender-Antrieb (REEV) heraus.
Nicht nur in China und den USA, sondern auch in Europa erfordert das veränderte Marktumfeld strategische Anpassungen. Vor allem bei Porsche habe man im vergangenen Jahr in Hinblick auf das Antriebsangebot nachkorrigiert. Porsches Elektrostrategie bezeichnete Blume dennoch als „die zwingend richtige Strategie“, die auf Basis der damaligen Markterwartungen festgelegt worden sei. „Heute ist die Realität eine andere“, so der VW-Chef, der bis Ende 2025 zugleich Porsche-Vorstandsvorsitzender war.
„Unpopuläre Maßnahmen“ notwendig
Dieses Jahr ist laut Blume ein Schlüsseljahr für Volkswagen, in dem man „in die nächste Phase der Transformation“ des Unternehmens gehe. Dazu gehören laut dem Vorstandsvorsitzenden auch „unpopuläre Maßnahmen“, etwa Kapazitäten abbauen und Kosten senken. Dazu gehört zum einen der bereits genannte Stellenabbau, zum anderen müsse man „auch an Vergütungen ran, weil sie nicht überall wettbewerbsgerecht sind“. Für die Zukunftsfähigkeit des Konzerns seien die Maßnahmen unumgänglich.
„Wir waren über Jahrzehnte in einer Komfortzone wachsender Märkte, weltweiter Standardprodukte, geringer Regulierung, begrenztem Antriebsspektrum und hatten kaum geo- und handelspolitische Spannungen“, erklärte Blume. Nach der Sanierung gehe es darum, das Geschäftsmodell an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen.
Quelle: WirtschaftsWoche – Volkswagen-Chef Blume: „Volkswagen war über Jahrzehnte in einer Komfortzone“







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