Mit der Neuauflage der Geländewagenmarke Scout will Volkswagen auf dem US-Automarkt Anteile zurückgewinnen. Laut Scout-CEO Scott Keogh liegen inzwischen rund 160.000 Vorbestellungen für die ersten beiden Modelle vor. Während die Marke an ihren Plänen festhält, ab 2027 durchzustarten, müssen die Kunden laut jüngsten Berichten noch bis 2028 warten, bis die offiziellen Auslieferungen starten.
Bei ihrer Vorstellung im Herbst 2024 stießen die beiden Elektroautos, der SUV-Traveler und der Pick-up Terra, auf große Resonanz. Damals verkündete Scout, die ersten Modelle im Jahr 2027 auf den Markt bringen zu wollen. Kürzlich erklärte Scout-Chef Keogh gegenüber Mitgliedern der Automotive Press Association, dass die Kundenauslieferungen erst „irgendwann im Jahr 2028“ erfolgen werden. Zuvor gab es bereits Berichte, laut denen technische Herausforderungen die Produktion bei Scout verzögern würden.
Erste Autos sollen 2027 vom Band rollen
Keogh selbst entgegnet auf Nachfrage, dass er keine überwältigenden Herausforderungen sieht. „Ich sehe alltägliche Dinge, die wir bewältigen, Punkt“, äußerte er. In diesem Jahr sollen laut dem Scout-Chef die ersten Prototypen vom Band laufen, die bis zum nächsten Jahr getestet und weiterentwickelt werden sollen. An dem Plan, dass in 2027 die ersten Autos vom Band laufen, habe sich nichts geändert, jedoch starte die Auslieferung an die Kunden nicht unmittelbar danach.
Scout sollte eigentlich als reine Elektromarke wiederbelebt werden, jedoch änderte Volkswagen den Kurs, insbesondere durch die starke Nachfrage nach Verbrennermodellen in den USA. Die ersten beiden Modelle starten daher nicht mit Elektroantrieb, sondern in der Variante mit Range-Extender (EREV). In einem Bericht des Spiegels vergangenen Monat hieß es, dass sich deshalb die Produktion verzögere, etwa weil der Motor beim EREV im Heck verbaut werden muss, anders als bei der elektrischen Variante.
Cariad soll Software für EREV-Modelle anpassen
Die zweite Herausforderung ist demnach die Software, für die Volkswagen Rivian beauftragt hat. Mit dem Unternehmen hat der Konzern 2024 eine Software-Allianz geschlossen. Laut dem Spiegel umfassen die Verträge zwischen den beiden Partnern jedoch lediglich die Entwicklung einer Elektronik-Architektur für reine Elektroautos. Aus diesem Grund soll nun die VW-Tochter Cariad einspringen und die Steuerung des Scout-Verbrennungsmotors für das EREV in die Rivian-Architektur integrieren.
Die Variante mit Range-Extender macht laut Reuters rund 87 Prozent der 160.000 Bestellungen aus. Keogh bezeichnet das EREV-Modell als „Auto für alle 50 Bundesstaaten“, das Kunden unabhängig von ihrer geografischen Lage anspreche und Verbraucher aus dem gesamten Antriebsspektrum für sich gewinne. Die Reichweite der elektrischen Versionen des Terra und des Travelers gibt Scout mit 350 Meilen (ca. 563 Kilometer) an, während bei den EREV-Varianten mit einer Ladung 500 Meilen (ca. 805 Kilometer) möglich sein sollen.
Keogh hält an Direktvertriebsmodell fest
Die Verbraucher zeigen indessen nicht nur eindeutig größeres Interesse an der Variante mit Range-Extender, sondern favorisieren auch das SUV-Modell Traveler, auf das etwa 75 Prozent der Vorbestellungen entfallen, gegenüber 25 Prozent für den Pick-up Terra. Dies sei „etwa so, wie ich es erwartet habe“, kommentierte der Scout-CEO, der zugleich betonte, dass nicht alle Vorbestellungen auch zu Kaufentscheidungen führten.
Die Volkswagen-Tochter hat sich für ein Direktvertriebsmodell entschieden und bietet bisher Vorbestellungen über das Internet an, später sollen eigene Geschäfte folgen. Gegen die Entscheidung für das Direktvertriebsmodell klagten jüngst zwei Volkswagen-Händler, weil es gegen den Vertrag des Automobilherstellers mit seinen Händlern verstoße. Die Klage strebt laut Forbes den Status einer Sammelklage an. Volkswagen selbst wolle sich nicht zu den Rechtsstreitigkeiten äußern.
„Wir haben unseren Plan. Wir setzen unseren Plan gerade um. Und wir werden unseren Plan auch weiterhin umsetzen“, sagte Keogh den Mitgliedern der Automotive Press Association. Das Direktvertriebsmodell sei „zweifellos am sinnvollsten“, wenn man den amerikanischen Markt betrachte. Die rechtlichen Schritte mehrerer Händler würden dieses Modell nicht vereiteln. Der traditionelle Vertriebsweg über Franchise-Händler ist aus Sicht des Scout-Chefs weder effizient noch kostengünstig.
Quellen: The Drive – Scout Buyers Won’t Get Their Trucks Until ‘Sometime in 2028,’ CEO Says / Forbes – Scout Motors Chief Digs In On Direct Sales / Reuters – VW’s once all-electric Scout brand sees big demand for hybrid models / Der Spiegel – VW verschiebt Neustart der US-Hoffnungsmarke Scout>/small>







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