VW-Betriebsversammlung: Blume dementiert China-Gespräche

VW-Betriebsversammlung: Blume dementiert China-Gespräche
Copyright:

VW

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen steht unter Druck. Auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg hat Konzernchef Oliver Blume am Mittwoch Spekulationen über Gespräche mit chinesischen Automobilherstellern zur Nutzung deutscher Werke zurückgewiesen – und gleichzeitig weiteren Sparbedarf angemahnt. Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund anhaltender Unsicherheit über die Zukunft der deutschen Standorte statt.

„Es gibt aktuell keine Überlegungen und Gespräche mit chinesischen Herstellern“, so Blume vor der Belegschaft. Zuletzt hatten Medienberichte über ein mögliches Interesse von Herstellern wie Xpeng an europäischen VW-Standorten für Aufregung gesorgt. Blume selbst hatte Ende April die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass Verträge mit Rüstungsunternehmen oder Kooperationen mit chinesischen Partnern bei der Lösung von Kapazitätsproblemen helfen könnten – ein Satz, der seitdem reichlich Interpretationsspielraum bot.

Trotz des Dementis machte der Konzernchef deutlich, dass die Lage weiterhin ernst ist. „Wir haben in unseren Werken in Europa und Deutschland weiterhin Überkapazitäten„, sagte er. Das bisherige Geschäftsmodell – Fahrzeuge in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und weltweit verkaufen – funktioniere nicht mehr in dieser Form. Volkswagen will die mögliche Jahresproduktion weltweit von zwölf auf neun Millionen Fahrzeuge reduzieren. Zwei Millionen Einheiten dieser Kapazität wurden bereits in China und Europa gestrichen; nun sollen in beiden Regionen jeweils weitere 500.000 Fahrzeuge folgen. Das dürfte vor allem die deutschen Werke treffen.

VW-Werk Osnabrück: Rüstung statt Autos

Für das Werk in Osnabrück, dessen Fahrzeugproduktion 2027 endet, sucht Volkswagen nach einer anderen Zukunft. „Wir verhandeln aktuell mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie“, sagte Blume. Ziel sei es, Beschäftigungsperspektiven über das Ende der Autoproduktion hinaus zu entwickeln. Branchenkreisen zufolge zeigen unter anderem der israelische Rüstungskonzern Rafael sowie der deutsch-französische Konzern KNDS Interesse am Standort. Eine eigene Waffenproduktion hat Volkswagen allerdings mehrfach ausgeschlossen.

Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo nutzte die Versammlung für eine deutliche Kritik an der Konzernführung. Die anhaltenden Spekulationen schadeten dem öffentlichen Bild des Unternehmens. „Auch die Arbeitgeberseite bei uns sollte ein großes Interesse daran haben, dass diese unsäglichen Schlagzeilen rund um Werksschließungen endlich aufhören“, sagte sie. Bei Kunden entstehe der Eindruck, Volkswagen sei „fast schon ein Übernahmekandidat“. Das Unternehmen solle stattdessen mit Produkterfolgen für Schlagzeilen sorgen.

Belegschaft hat geliefert – jetzt ist der Vorstand dran

Cavallo erinnerte daran, was die Arbeitnehmer:innen bereits beigetragen haben. Mit Blick auf den im Dezember 2024 erzielten Tarifkompromiss sagte sie: „Wir als Belegschaft verstehen die Situation. Und wir haben geliefert!“ Kosten würden gesenkt, Mitarbeiter:innen verzichteten auf Geld. „Jetzt ist die andere Seite mal dran mit dem Abliefern.“ Weitere Einschnitte lehnte Cavallo ab.

Blume versicherte der Belegschaft unterdessen, dass der Hauptstandort nicht zur Disposition stehe. „Wolfsburg ist und bleibt das Power-House dieses Konzerns“, sagte er – eine Aussage, die laut Teilnehmerberichten mit Applaus quittiert wurde. In Wolfsburg, Emden und Zwickau habe der Konzern die Kosten im vergangenen Jahr bereits um durchschnittlich mehr als zwanzig Prozent gesenkt. Ob das reicht, um die strukturellen Probleme zu lösen, ließ Blume offen.

Quelle: Automobilwoche – VW-Betriebsratschefin: „Unsägliche Schlagzeilen rund um Werksschließungen” / Manager-Magazin – „Aktuell keine Gespräche mit chinesischen Herstellern“ / Reuters – Volkswagen is not in talks with Chinese, CEO says in bid to calm workers

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

VW: Wolfsburg bald nicht mehr Zentrum der Entwicklung?

VW: Wolfsburg bald nicht mehr Zentrum der Entwicklung?

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen will China-Technologie weltweit einsetzen. Was bedeutet die Vega-Strategie für Europa, Wolfsburg und die künftige Fahrzeugentwicklung?

Jeder dritte Škoda in Europa fährt elektrisch

Jeder dritte Škoda in Europa fährt elektrisch

Maria Glaser  —  

Die Auslieferungen verzeichneten in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 ein Wachstum um 6,1 Prozent mit einem signifikanten Anteil von E-Autos in Europa.

VW ID. Polo ist German Car of the Year 2027

VW ID. Polo ist German Car of the Year 2027

Sebastian Henßler  —  

Neben dem VW ID. Polo gewinnen Kia PV5, Mercedes-Benz GLC, Xpeng X9 und Hyundai Ioniq 6 N ihre Klassen. Den Gesamttitel holt jedoch der elektrische Kleinwagen.

So holt der Audi A2 e-tron mehr Effizienz aus dem Antrieb

So holt der Audi A2 e-tron mehr Effizienz aus dem Antrieb

Sebastian Henßler  —  

Der Audi A2 e-tron kommt im WLTP auf 12,8 kWh je 100 Kilometer. Möglich machen das Siliziumkarbid-Halbleiter, dünnere Rotorbleche und ein optimiertes Getriebe.

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen prüft die Montage chinesischer Modelle in der Türkei. Fahrzeugbausätze aus China könnten dort künftig zusammengesetzt werden.

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen setzt die Entwicklungsvorleistungen für den ID. Golf in Wolfsburg vorerst aus. Das Stammwerk hat Kostenziele von 300 Millionen Euro verfehlt.

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Daniel Krenzer  —  

VW erprobt mit Telekom und Partnern automatisierte Fahrzeugtransporte im Hafen Emden. Auch das fahrerlose Verladen auf Züge wurde getestet.