Volkswagen steht unter Druck. Auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg hat Konzernchef Oliver Blume am Mittwoch Spekulationen über Gespräche mit chinesischen Automobilherstellern zur Nutzung deutscher Werke zurückgewiesen – und gleichzeitig weiteren Sparbedarf angemahnt. Die Veranstaltung fand vor dem Hintergrund anhaltender Unsicherheit über die Zukunft der deutschen Standorte statt.
„Es gibt aktuell keine Überlegungen und Gespräche mit chinesischen Herstellern“, so Blume vor der Belegschaft. Zuletzt hatten Medienberichte über ein mögliches Interesse von Herstellern wie Xpeng an europäischen VW-Standorten für Aufregung gesorgt. Blume selbst hatte Ende April die Möglichkeit ins Spiel gebracht, dass Verträge mit Rüstungsunternehmen oder Kooperationen mit chinesischen Partnern bei der Lösung von Kapazitätsproblemen helfen könnten – ein Satz, der seitdem reichlich Interpretationsspielraum bot.
Trotz des Dementis machte der Konzernchef deutlich, dass die Lage weiterhin ernst ist. „Wir haben in unseren Werken in Europa und Deutschland weiterhin Überkapazitäten„, sagte er. Das bisherige Geschäftsmodell – Fahrzeuge in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und weltweit verkaufen – funktioniere nicht mehr in dieser Form. Volkswagen will die mögliche Jahresproduktion weltweit von zwölf auf neun Millionen Fahrzeuge reduzieren. Zwei Millionen Einheiten dieser Kapazität wurden bereits in China und Europa gestrichen; nun sollen in beiden Regionen jeweils weitere 500.000 Fahrzeuge folgen. Das dürfte vor allem die deutschen Werke treffen.
VW-Werk Osnabrück: Rüstung statt Autos
Für das Werk in Osnabrück, dessen Fahrzeugproduktion 2027 endet, sucht Volkswagen nach einer anderen Zukunft. „Wir verhandeln aktuell mit Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie“, sagte Blume. Ziel sei es, Beschäftigungsperspektiven über das Ende der Autoproduktion hinaus zu entwickeln. Branchenkreisen zufolge zeigen unter anderem der israelische Rüstungskonzern Rafael sowie der deutsch-französische Konzern KNDS Interesse am Standort. Eine eigene Waffenproduktion hat Volkswagen allerdings mehrfach ausgeschlossen.
Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo nutzte die Versammlung für eine deutliche Kritik an der Konzernführung. Die anhaltenden Spekulationen schadeten dem öffentlichen Bild des Unternehmens. „Auch die Arbeitgeberseite bei uns sollte ein großes Interesse daran haben, dass diese unsäglichen Schlagzeilen rund um Werksschließungen endlich aufhören“, sagte sie. Bei Kunden entstehe der Eindruck, Volkswagen sei „fast schon ein Übernahmekandidat“. Das Unternehmen solle stattdessen mit Produkterfolgen für Schlagzeilen sorgen.
Belegschaft hat geliefert – jetzt ist der Vorstand dran
Cavallo erinnerte daran, was die Arbeitnehmer:innen bereits beigetragen haben. Mit Blick auf den im Dezember 2024 erzielten Tarifkompromiss sagte sie: „Wir als Belegschaft verstehen die Situation. Und wir haben geliefert!“ Kosten würden gesenkt, Mitarbeiter:innen verzichteten auf Geld. „Jetzt ist die andere Seite mal dran mit dem Abliefern.“ Weitere Einschnitte lehnte Cavallo ab.
Blume versicherte der Belegschaft unterdessen, dass der Hauptstandort nicht zur Disposition stehe. „Wolfsburg ist und bleibt das Power-House dieses Konzerns“, sagte er – eine Aussage, die laut Teilnehmerberichten mit Applaus quittiert wurde. In Wolfsburg, Emden und Zwickau habe der Konzern die Kosten im vergangenen Jahr bereits um durchschnittlich mehr als zwanzig Prozent gesenkt. Ob das reicht, um die strukturellen Probleme zu lösen, ließ Blume offen.
Quelle: Automobilwoche – VW-Betriebsratschefin: „Unsägliche Schlagzeilen rund um Werksschließungen” / Manager-Magazin – „Aktuell keine Gespräche mit chinesischen Herstellern“ / Reuters – Volkswagen is not in talks with Chinese, CEO says in bid to calm workers









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