Nicht mehr nur europäische Hersteller bauen Werke in China auf, sondern chinesische Automobilhersteller interessieren sich zunehmend für Fabriken in Europa – darunter offenbar auch Standorte von Volkswagen. Laut eines Berichts der Financial Times führt der chinesische Elektroautohersteller Xpeng Gespräche mit Volkswagen und anderen Herstellern über den Kauf eines Werkes in Europa.
Hintergrund ist demnach die wachsende Europa-Offensive von Xpeng. Der Hersteller produziert Fahrzeuge für Europa bislang beim Auftragsfertiger Magna Steyr in Österreich, sucht laut Bericht aber nach zusätzlichen Kapazitäten. Elvis Cheng, Xpeng-Geschäftsführer für Nordosteuropa, bestätigte Gespräche über mögliche Standorte in Europa. Gleichzeitig stellte er laut FT klar, dass nicht jedes bestehende Werk den Anforderungen neuer Fahrzeugplattformen genüge – einige Fabriken seien „etwas alt“.
Für Volkswagen kommt die Debatte zu einem heiklen Zeitpunkt. Der Konzern steckt mitten in einem tiefgreifenden Umbau und will Produktionskapazitäten in Europa und Zehntausende Stellen abbauen. Konzernchef Oliver Blume hatte zuletzt bereits öffentlich angedeutet, dass eine Nutzung freier Kapazitäten durch chinesische Partner grundsätzlich denkbar wäre.
Bereits Gerüchte über BYD-Einstieg in Dresden
Besonders brisant wirkt das Thema vor dem Hintergrund jüngster Spekulationen um die „Gläserne Manufaktur“ in Dresden. Bereits Anfang Mai berichteten chinesische Medien und verschiedene europäische Quellen, dass neben BYD auch Xpeng und MG Motor Interesse an freien VW-Kapazitäten in Europa haben könnten. Allerdings folgte kurz darauf ein Dementi. Volkswagen widersprach Berichten über einen angeblich bereits geplanten Einstieg von BYD in Dresden.
Dennoch zeigt allein die Diskussion, wie stark sich die Kräfteverhältnisse in der globalen Automobilindustrie verschieben. Noch vor wenigen Jahren galt China für europäische Hersteller vor allem als Absatz- und Produktionsmarkt. Nun prüfen chinesische Hersteller offenbar selbst, europäische Werke zu übernehmen oder zu nutzen.
Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Produktionskapazitäten. Eine Fertigung innerhalb Europas würde chinesischen Herstellern helfen, EU-Zölle auf importierte Elektroautos zu umgehen und gleichzeitig näher an den europäischen Kunden zu produzieren. Zudem könnte ein „Made in Europe“-Label politisch und vertrieblich zunehmend an Bedeutung gewinnen.
VW hält Teile von Xpeng
Für Volkswagen wiederum wäre eine solche Kooperation durchaus ambivalent. Einerseits könnten ungenutzte Werke wirtschaftlich weiter genutzt werden. Andererseits würde ausgerechnet ein traditionsreicher deutscher Automobilhersteller damit indirekt den Markteintritt chinesischer Wettbewerber in Europa beschleunigen. In diesem Zusammenhang interessant: VW hält seit 2023 selbst eine Beteiligung an Xpeng und entwickelt gemeinsam mit dem Unternehmen Elektroautos für den chinesischen Markt.
Noch ist völlig offen, ob tatsächlich ein Werk verkauft oder gemeinsam genutzt wird. Die Gespräche scheinen sich den Berichten zufolge zudem nicht ausschließlich auf Volkswagen zu beziehen. Dennoch verdichten sich die Hinweise, dass chinesische Hersteller ihren Europa-Ausbau deutlich forcieren – und freie Produktionskapazitäten europäischer Hersteller dabei eine wichtige Rolle spielen könnten.
Quelle: Financial Times – Xpeng in talks with VW about buying a factory in Europe; Handelsblatt – Xpeng verhandelt laut Bericht über VW-Werk in Europa









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