Chery will seine Fertigung in Europa ausbauen – nicht durch den Bau neuer Werke, sondern über Partnerschaften mit anderen Automobilherstellern und die Nutzung bestehender Fabriken. Das erklärten führende Manager des chinesischen Unternehmens bei einer Veranstaltung in Paris. „Das Unternehmen sucht nach weiteren Produktionskapazitäten in Europa,“ so Lionel French Keogh, Chief Commercial Officer von Chery für Frankreich, am Rande eines Launch-Events für die Marken Omoda und Jaecoo.
Vorstandschef Yin Tongyue bestätigte gegenüber Journalist:innen, dass das Unternehmen vorhandene Produktionskapazitäten bevorzuge, statt hohe Summen in einen komplett neuen Standort zu investieren. „Diese Prozesse brauchen Zeit und Engagement, aber vor allem die richtigen lokalen Partnerschaften,“ so Yin. Konkrete Verhandlungspartner oder die Zahl der in Frage kommenden Länder wollte er nicht nennen – Frankreich gehöre aber zu den möglichen Standorten. Neuigkeiten dazu stellte Yin für die kommenden Monate in Aussicht.
Der Vorstoß kommt nicht ohne Vorgeschichte. Über ein Joint-Venture mit Ebro hat Chery bereits in ein ehemaliges Nissan-Werk in Barcelona investiert. Dort soll die Produktion bis 2029 auf jährlich 200.000 Einheiten wachsen. Nach Einschätzung von Unternehmensvertreter:innen werde das allein jedoch nicht ausreichen, um die steigende Nachfrage in Europa zu bedienen. Hinzu kommen die EU-Zusatzzölle auf in China produzierte Elektroautos sowie europäische Anforderungen an lokale Wertschöpfung, die eine breitere Fertigungsbasis nahelegen.
Chery blickt auf rasantes Wachstum seit Verkaufsstart in 2023
In Europa hat Chery seit dem Verkaufsstart 2023 ein rasantes Wachstum hingelegt. Im vergangenen Jahr stiegen die europäischen Absatzzahlen laut der Beratungsfirma Dataforce auf rund 120.000 Autos – gegenüber gut 17.000 im Vorjahr ein Anstieg um nahezu das Siebenfache. Damit reiht sich das Unternehmen in eine wachsende Gruppe chinesischer Marken ein, die auf dem europäischen Markt Fuß fassen oder ihren Markteintritt vorbereiten.
Frankreich zählt zu den letzten großen europäischen Märkten, in denen Chery seine Marken Omoda und Jaecoo einführt. Im vierten Quartal soll dort zudem ein Modell der Kernmarke Chery auf den Markt kommen. Darüber hinaus prüfe das Unternehmen, bis Jahresende einen kompakten elektrischen SUV in Frankreich anzubieten, wie Manager erklärten. Kürzlich kündigte Chery außerdem den europäischen Start seiner Marke Lepas an.
Global betrachtet verkaufte der größte chinesische Autoexporteur im vergangenen Jahr rund 2,8 Millionen Autos – ein Zuwachs von knapp sieben Prozent. Mehr als 47 Prozent des Absatzes entfielen dabei auf Märkte außerhalb Chinas. Die europäische Expansion ist damit Teil einer umfassenden Internationalisierungsstrategie, bei der das Unternehmen zunehmend auch die Fertigung vor Ort verankern will.
Quelle: Reuters – China’s Chery looking to expand car production in Europe, top executives say







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