Mercedes-Lkw: 3000 Kilometer rein elektrisch

Mercedes-Lkw: 3000 Kilometer rein elektrisch
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Daimler Truck

Felix Katz
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  —  Lesedauer 4 min

Mercedes-Benz Trucks hat bei einer Testfahrt rund 3000 Kilometer vom Polarkreis nach Stuttgart mit einem seriennahen Prototyp des eActros 300 als Sattelzugmaschine zurückgelegt, so der der Hersteller in einer aktuellen Mitteilung. Der speziell für den flexiblen Einsatz im schweren Verteilerverkehr vorgesehene Elektro-Lkw feierte seine Messepremiere auf der IAA Transportation 2022 in Hannover. Sein Serienstart ist für den Herbst dieses Jahres vorgesehen.

Mit einem batterieelektrischen schweren Verteiler-Lkw vom Polarkreis bis nach Stuttgart zu fahren ist selbst für erfahrene Entwickler etwas Besonderes. Auf einer so langen Strecke dürfte der Mercedes-Benz eActros 300 als Sattelzugmaschine in Zukunft wohl eher nicht von Kunden eingesetzt werden. Aber das Fahrzeug mehrere Tage lang am Stück unter den unterschiedlichsten klimatischen und topographischen Bedingungen im Realbetrieb prüfen zu können, sei für die Entwickler die beste Gelegenheit gewesen, um daraus Maßnahmen für mögliche Optimierungen der Funktionen und Systeme abzuleiten.

Unmittelbar vor der 3000-Kilometer-Fahrt hatten die Ingenieure von Mercedes-Benz Trucks das Fahrzeug im Rahmen der Erprobungen im finnischen Rovaniemi bereits ausgiebig unter winterlichen Bedingungen getestet. Bei Temperaturen von bis zu minus 25 Grad standen dort neben dem Fahrverhalten auf vereisten und verschneiten Fahrbahnen insbesondere das Startverhalten sowie die Kälteabsicherung der Antriebskomponenten, Software und Schnittstellen im Fokus.

Auf der Rückfahrt ging es vor allem darum, den auf 25 Tonnen beladenen eActros im realen Verkehrsgeschehen unter die Lupe zu nehmen. „Die Fahrt von Rovaniemi nach Stuttgart hat gezeigt, dass der eActros 300 als Sattelzugmaschine alle Herausforderungen zuverlässig meistert. Das gilt in Bezug auf die Energieeffizienz und das Laden ebenso wie in Sachen Fahrkomfort und Sicherheit“, erklärt Dr. Christof Weber, Head of Global Testing Mercedes-Benz Trucks.

112-kWh-Batterie für 220 Kilometer Reichweite

Rovaniemi, Stockholm, Malmö, Kopenhagen, Nyborg, Flensburg, Hamburg, dann die A7 runter bis nach Würzburg und von hier über die A81 zurück nach Stuttgart: ein echter Marathon für den eActros 300 als Sattelzugmaschine, dessen drei Batteriepakete mit jeweils 112 kWh installierter Batteriekapazität eine Reichweite von bis zu 220 Kilometern ohne Zwischenladen ermöglichen sollen. Das ist zwar kein Vergleich zur Reichweite herkömmlich betriebener Lkw, allerdings ein guter Anfang. Doch dürfte eine schwerere Ladung die Reichweite weiter verringern. „Im Vorfeld haben wir die einzelnen Etappen exakt und sehr konservativ mit etwa 150 Kilometern geplant, um etwa auch bei Stau oder Stop-and-Go-Verkehr problemlos die vorgesehenen Ladepunkte anfahren zu können“, berichtet Marc Schniederjan, der als Teamleiter bei Mercedes-Benz Trucks für den Betrieb von Versuchsfahrzeugen verantwortlich ist und die Rückfahrt koordiniert und begleitet hat.

Unterwegs auf Europa- und Bundesstraßen sowie Autobahnen mit unterschiedlicher Topographie sollen die Fahrer „vom entspannten Dahingleiten ohne spürbare Schalt- beziehungsweise Zugkraftunterbrechungen begeistert“ gewesen sein. Über den gesamten Drehzahlbereich stellen die zwei Elektromotoren das gleiche hohe Drehmoment zur Verfügung, die kraftvolle Beschleunigung des E-Lkw mache sich in jeder Verkehrssituation bemerkbar. Dabei bleibe das Geräuschniveau in der Kabine stets auf angenehmem Niveau. Auch bei eisigen Temperaturen soll das Fahrerhaus vergleichsweise schnell warm geworden sein. Um hierfür nicht zu viel Batterieenergie zu verbrauchen und damit die Reichweite zu reduzieren, wurde das Fahrzeug allerdings an einer Ladesäule vorklimatisiert.

„Bei nur minimalen Minusgraden hielt sich die Reichweiteneinbuße aber auch ohne das Pre-Conditioning, also dem Vorklimatisieren, in Grenzen“, so Marc Schniederjan weiter. Während der Fahrt mit einer Geschwindigkeit von in der Regel 80 km/h ließe sich außerdem gut verfolgen, wie der eActros 300 als Sattelzugmaschine seine Energie mithilfe der Rekuperation nutzte und sich so die Reichweite erhöhe. Durchschnittlich dreimal am Tag legten die Teams in den beiden Fahrzeugen eine Ladepause ein.

Das Laden selbst funktionierte an den zur Verfügung stehenden öffentlichen DC-Schnellladesäulen ohne Probleme, so der Hersteller. Doch ob sich diese Unterbrechungen im realen Alltagbetrieb, bei dem es auf jede Minute ankommt, als praxistauglich erweisen, sei sicherlich dahingestellt. Daimler Trucks zeigt sich jedenfalls begeistert: „Ohne Einschränkungen bewältigte der eActros 300 als Sattelzugmaschine auch die verschiedensten Wetterkapriolen mit Schnee, Kälte und Sturm. Die verbauten Fahrerassistenzsysteme bewährten sich dabei ebenso wie die zweite Generation der MirrorCam“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung.

Quellen: Daimler Trucks – Pressemitteilung vom 30.03.2023

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Felix Katz liebt alles, was vier Räder und einen oder gleich mehrere Motoren hat. Nicht nur Verbrenner, sondern vor allem Elektroautos haben es ihm angetan. Als freiberuflicher Autojournalist stromert er nicht nur fast jeden Tag umher, sondern arbeitet seit über zehn Jahren für viele renommierte (Fach-)Medien und begleitet den Mobilitätswandel seit Tag eins mit.

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