MAN bringt autonomen Elektrobus auf Münchens Straßen

MAN bringt autonomen Elektrobus auf Münchens Straßen
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Was lange als Zukunftsvision galt, wird in München nun erlebbar: ein autonomer Linienbus im öffentlichen Nahverkehr. Im Forschungsprojekt Minga haben MAN Truck & Bus und die Stadtwerke München (SWM) mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) unter der Konsortialführung des Mobilitätsreferats einen entscheidenden Meilenstein erreicht. Seit Anfang September ist der automatisierte MAN Lion’s City 12 E erstmals auf der Linie 178 zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl unterwegs. Damit ist der 12 Meter lange Stadtbus, der von MAN und seinem Technologiepartner ADASTEC automatisiert wurde, erstmals für die Öffentlichkeit im Stadtverkehr sichtbar.

Im Rahmen der aktuellen Testfahrten werden die für den autonomen Betrieb erforderlichen Streckeninformationen gesammelt. „Das ist nötig, da für autonomes Fahren eine hochauflösende und äußerst präzise Karte der Strecke benötigt wird“, erklärt Marc Raudszus, Technical Coordinator und Testfahrer bei MAN Truck & Bus. Der Bus wird derzeit noch von speziell geschulten Testfahrerinnen und Testfahrern von MAN und MVG begleitet. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen kann.

Für die Sammlung der Streckendaten erfasst das Fahrzeug mit moderner Sensorik die Umgebung: Der Bus ist mit fünf Lidar-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung ausgestattet. Anhand dieser Daten integriert Technologiepartner ADASTEC anschließend relevante Straßen- und Verkehrsinformationen wie Ampeln, Zebrastreifen, Fahrspurverläufe und andere relevante Merkmale in eine hochauflösende digitale Karte (HD-Karte), die eine präzise Lokalisierung entlang der Route ermöglicht. Dies bildet die Grundlage dafür, dass der Stadtbus die Strecke in wenigen Wochen eigenständig und sicher befahren kann. „Das Fahrzeug wird dabei unter anderem selbst lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärt Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN.

„Unser MAN Lion’s City E sammelt derzeit kontinuierlich Daten und wird dabei für den geplanten automatisierten Betrieb weiter optimiert“, sagt Marc Raudszus und ergänzt: „Eine besondere Herausforderung ist neben der Technik auch die Größe des Fahrzeugs. Umso wichtiger ist uns ein vorsichtiges, zurückhaltendes Fahrverhalten. Denn neben der technischen Reife geht es im Minga-Projekt auch darum, Vertrauen in die neue Technologie aufzubauen.“

Testbetrieb unter realen Bedingungen

Voraussichtlich ab November starten MVG und MAN eine weitere Phase mit Testnutzerinnen und Testnutzern entlang der Linie 178. Dabei wird der Bus als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen. In dieser Projektphase können ausgewählte Testnutzerinnen und Testnutzer im Rahmen einer geschlossenen Nutzergruppe mitfahren. Der Bus verfügt über rund 30 Sitzplätze sowie einen Rollstuhl- beziehungsweise Kinderwagenplatz.

Vor dem Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr hat der automatisierte Elektrobus ein umfangreiches Testprogramm auf dem MAN-Gelände erfolgreich absolviert. Dazu gehörten die Prüfung der elektromagnetischen Verträglichkeit sowie die Validierung sämtlicher Funktionen des automatisierten Fahrsystems des MAN-Partners ADASTEC in einer Vielzahl definierter Testszenarien. „Oberste Prämisse war dabei, dass das an Bord befindliche Sicherheitsfahrpersonal jederzeit in der Lage sein muss, bei einem möglichen Systemfehler einzugreifen“, macht Raudszus deutlich.

Auf dieser Basis wurden die erforderlichen technischen Prüfungen durch den TÜV und weitere Genehmigungsverfahren durchlaufen. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) war dabei für die Erteilung der Betriebserlaubnis nach der AFGBV (Autonome-Fahrzeuge-Genehmigungs-und-Betriebs-Verordnung) zuständig. „Damit sind alle regulatorischen Voraussetzungen für den jetzt gestarteten Testbetrieb im Münchner Straßenverkehr erfüllt“, so Roth.

Minga als Schlüsselprojekt für die Mobilität der Zukunft

Ziel von MAN ist es, mit dem Einsatz von autonomen Bussen den öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft effizienter, flexibler und nachhaltiger zu gestalten. So bieten autonome Systeme großes Potenzial zur Sicherstellung und Verbesserung des Mobilitätsangebots – vor allem im Hinblick auf wachsende Städte und einen zunehmenden Fahrermangel. MAN arbeitet bereits seit mehreren Jahren an fahrerlosen Bussen. Die jetzt gewonnen Erfahrungen aus dem Minga-Projekt fließen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeuggenerationen ein.

Im Forschungsprojekt Minga setzt MAN mit ADASTEC als Technologiepartner dabei auf einen spezialisierten Anbieter für automatisierte Fahrsysteme. Das Unternehmen entwickelt Softwarelösungen für automatisiertes Fahren auf SAE-Level 4 (vollautomatisierte Fahrzeuge) für Busse und Nutzfahrzeuge.

Das Forschungsvorhaben Minga „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“ wird seit 2023 mit insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren und zentrale Fragestellungen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu beantworten. Gefördert wird das Projekt dabei bis Mitte 2027 mit rund 13 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV) im Rahmen der Förderrichtlinie „Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren“.

Quelle: MAN – Pressemitteilung vom 1.10.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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