Die EU-Kommission will beim Ausbau der Ladeinfrastruktur einen stärkeren Schwerpunkt auf schwere Nutzfahrzeuge legen. Mittel aus der Connecting Europe Facility (CEF) und der Alternative Fuels Infrastructure Facility (AFIF) sollen künftig verstärkt in Ladepunkte für Elektro-Lkw und -Busse fließen. Das berichtet die Deutsche Verkehrs-Zeitung (DVZ) von den Connecting Europe Days in Brüssel. Hintergrund sind demnach unter anderem die bislang hohen Investitionsrisiken beim Aufbau entsprechender Standorte.
Eric von Breska, bei der EU-Kommission zuständig für Investitionen sowie innovativen und nachhaltigen Verkehr, verwies demnach darauf, dass Banken bei der Finanzierung von Ladeinfrastruktur für schwere Nutzfahrzeuge weiterhin zurückhaltend seien. Die Kommission wolle deshalb gemeinsam mit der Branche Wege finden, um solche Investitionen besser abzusichern. Gerade große Lkw-Ladeparks erfordern aufgrund der benötigten Anschlussleistungen hohe Investitionen lange bevor eine entsprechend hohe Auslastung garantiert ist.
Enormes Wachstum in den vergangenen Monaten
Dass der Bedarf wachsen wird, steht für die EU-Kommission außer Frage. Nach Angaben von EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas sind inzwischen fast 40.000 Elektro-Lkw in der Europäischen Union registriert. Bis Ende 2026 könnten es zwischen 45.000 und 50.000 sein. Damit hätte sich der Bestand binnen zwei Jahren in etwa verdreifacht. Dem stehen derzeit rund 3000 öffentlich zugängliche Ladepunkte gegenüber, die für Elektro-Lkw geeignet sind. Ihre Zahl sei binnen eines Jahres bereits um rund 60 Prozent gestiegen. Bis 2030 rechnet die Kommission mit fast 400.000 emissionsfreien schweren Nutzfahrzeugen.
Seit 2024 hat die EU laut Tzitzikostas rund eine Milliarde Euro für die Dekarbonisierung verschiedener Verkehrsträger bereitgestellt. Etwa die Hälfte davon sei in die Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge geflossen. Ein weiterer Ansatz sind die sogenannten Clean Transport Corridors. Entlang wichtiger europäischer Güterverkehrsachsen soll der Aufbau leistungsfähiger Ladeinfrastruktur koordiniert und zugleich der Zugang zu den dafür erforderlichen Stromnetzen beschleunigt werden. Für zunächst zwei zentrale TEN-T-Korridore sind mindestens 400 Standorte mit mehr als 2900 Ladepunkten vorgesehen.
Die stärkere Konzentration der Förderung passt zu jüngsten Erkenntnissen über den tatsächlichen Ladebedarf von Elektro-Lkw. Wie zuletzt berichtet, kommt eine Untersuchung von Fraunhofer ISI und ICCT zu dem Ergebnis, dass in vielen Szenarien 70 bis 80 Prozent des Strombedarfs in den Depots gedeckt werden dürften. Die öffentliche Ladeinfrastruktur muss somit keineswegs überall gleichermaßen massiv ausgebaut werden. Vielmehr konzentriert sich der Bedarf stark auf wichtige Autobahnkorridore, Logistikzentren und Verkehrsknotenpunkte.
Netzanschluss kann zum Nadelöhr werden
Gerade an diesen Hotspots können allerdings erhebliche Anschlussleistungen notwendig werden. Die Studie nennt für besonders stark frequentierte Standorte Spitzenlasten von häufig 20 bis 50 Megawatt. Entscheidend ist damit nicht allein, möglichst viele Ladesäulen aufzustellen, sondern leistungsfähige Netzanschlüsse an den richtigen Stellen frühzeitig zu planen. Batteriespeicher und intelligentes Lastmanagement können dabei helfen, vorhandene Netzkapazitäten effizienter zu nutzen.
Zugleich verbessert sich die wirtschaftliche Ausgangslage für Elektro-Lkw. Eine Auswertung von Transport & Environment kommt zu dem Ergebnis, dass sich der höhere Anschaffungspreis bei geeigneten Einsatzprofilen bereits nach rund zwei Jahren amortisieren kann. Eine weitere Studie unter Beteiligung des Fraunhofer ISI und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung geht davon aus, dass Elektro-Lkw bis 2030 auf 70 bis 90 Prozent der europäischen Frachtkilometer niedrigere Gesamtbetriebskosten erreichen könnten als Diesel. Dass die Zeichen inzwischen klar auf E-Lkw stehen, hat man offenbar auch in Brüssel erkannt.
Quelle: Deutsche Verkehrs-Zeitung – EU will Lkw-Ladeinfrastruktur vorrangig finanzieren









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