Hyundai und SNU forschen am Akku von morgen

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Die Hyundai Motor Group, zu der die Automarken Hyundai, Kia und Genesis gehören, hat mit der Seoul National University (SNU) ein gemeinsames Batterieforschungszentrum eröffnet. Die Zusammenarbeit zwischen dem Konzern und der Universität zielt darauf ab, die Entwicklung von Batterietechnologien voranzutreiben und die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Wissenschaft zu fördern, um in diesem Bereich weltweit eine Führungsrolle einzunehmen.

Die Eröffnungsfeier fand auf dem Hauptcampus der Seoul National University statt und wurde von hochrangigen Gästen besucht, darunter Euisun Chung, Executive Chair der Hyundai Motor Group; Yong Wha Kim, President und Chief Technology Officer der Hyundai Motor Group; Heung Soo Kim, Executive Vice President und Head of Global Strategy Office der Hyundai Motor Group; und Chang Hwan Kim, Senior Vice President und Head of Battery Development Center der Hyundai Motor Group.

Von der Seoul National University nahmen Hong Lim Ryu, Präsident der Seoul National University, Yoo Suk Hong, Dekan der Seoul National University College of Engineering, Seung Hwan Ko, stellvertretender Dekan für Forschungsangelegenheiten des College of Engineering, Jong Chan Lee, Leiter der School of Chemical and Biological Engineering, und Jang Wook Choi, Leiter des Joint Battery Research Center und Professor an der School of Chemical and Biological Engineering, an der Einweihungsfeier teil.

„Das Batterieforschungszentrum soll der Ausgangspunkt für Batterietechnologien mit verbesserter Leistung und zuverlässiger Sicherheit sein. Wir erwarten, dass die Dozenten und Doktoranden Synergien mit den Forschern der Hyundai Motor Group schaffen und so den Grundstein für verschiedene Innovationen legen, die von den Grundlagen der Batterien bis hin zu deren Anwendung reichen“, erklärt Hong Lim Ryu, Präsident der Seoul National University.

Das Forschungszentrum nahm bereits im November 2021 Gestalt an, als der Konzern und die Seoul National University eine Absichtserklärung über die „Einrichtung eines gemeinsamen Batterieforschungszentrums und mittel- bis langfristige gemeinsame Forschung“ unterzeichneten, die auf dem Konsens über das Erreichen der CO2-Neutralität und die Schaffung eines Batterieforschungsökosystems beruht.

Um eine enge Zusammenarbeit zwischen den Forschenden zu fördern, wird die neue Einrichtung innerhalb des erweiterten Instituts für chemische Prozesse der SNU auf drei Etagen und gut 900 Quadratmetern einen eigenen Bereich für die reine Batterieforschung einrichten. Sie werde aus sieben Laboren und Konferenzräumen für die Entwicklung, Analyse, Messung und Verarbeitung von Batterien bestehen. Dies ist das erste Mal, dass eine auf Batterien für Elektroautos spezialisierte Forschungseinrichtung innerhalb der Seoul National University eingerichtet wurde.

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Mit der Eröffnung des Forschungszentrums kann der Hyundai-Konzern mit führenden Batterieexperten in Korea zusammenarbeiten, um die Basis für die Forschung und Entwicklung von neuartigen Batterietechnologien zu schaffen. Das Forschungszentrum konzentriert sich auf die Erforschung von Batterietechnologien der nächsten Generation, die die Reichweite von Elektroautos deutlich erhöhen und die Ladezeit verkürzen können, sowie auf die Erforschung von Technologien zur Überwachung des Batteriezustands und innovativer Verfahrenstechniken.

22 gemeinsame Forschungsprojekte für bessere Batterien

Konkret sollen insgesamt 22 gemeinsame Forschungsprojekte in vier Bereichen durchgeführt werden, darunter Lithium-Metall-Batterien, Festkörperbatterien, Batteriemanagementsysteme (BMS) und Batterieprozesstechnik. Insgesamt 21 Professoren, Master- und Doktoranden von verschiedenen koreanischen Universitäten werden an den Projekten teilnehmen. 14 der 22 Forschungsprojekte befassen sich mit Lithium-Metall- und Festkörperbatterien und konzentrieren sich auf die Entwicklung von Batterien der nächsten Generation.

Auf dem Gebiet der Lithium-Metall-Batterien wird an der Technologie von Lithium-Elektrolyt-Materialelementen mit hoher Lebensdauer und an der Formanalyse zur Minimierung des Verschleißes geforscht, während auf dem Gebiet der Festkörperbatterien sulfidbasierte Anodenmaterialien, Elektroden-/Elektrolyt-Beschichtungsverfahren und aktive Kathodenmaterialien mit ultrahoher Energiedichte erforscht werden.

Ein wesentliches Merkmal des Forschungszentrums wird Hyundai zufolge darin bestehen, dass es sich nicht nur auf theoretische Forschung, sondern auch auf Forschung und Entwicklung unter Berücksichtigung der Massenproduktion konzentriert. Daher verfüge das Batterieforschungszentrum über die gleiche Infrastruktur und Ausstattung wie die Forschungs- und Entwicklungszentren von Hyundai Motor und Kia, dazu gehören zum Beispiel Präzisionsgeräte für die Batterieanalyse, hochpräzise Rheometer, Zellfertigungsanlagen und Impedanzmessgeräte. So sollen die Forschungsergebnisse der Universität zeitnah in Produkte umgesetzt werden können.

Darüber hinaus hat die Gruppe Professor Jang Wook Choi, einen angesehenen Experten auf dem Gebiet der Batteriewissenschaft, zum Leiter des gemeinsamen Batterieforschungszentrums ernannt. Professor Choi werde die gesamten Forschungsprojekte und das Management der Technologieentwicklung beaufsichtigen.

Um einen reibungslosen Forschungsbetrieb zu gewährleisten, werde die Hyundai Motor Group bis 2030 über 30 Milliarden KRW (etwa 21 Millionen Euro) in das Batterieforschungszentrum investieren. Die Investition umfasst die Errichtung des Zentrums sowie die Bereitstellung der Versuchsausrüstung. Darüber hinaus werden Mitarbeiter von Hyundai Motor und Kia als Mitglieder des gemeinsamen Forschungsteams in das Zentrum entsandt, um durch enge Kommunikation und den Austausch von Fachwissen Synergien zu maximieren. Im Rahmen von Beratungen und Seminaren zur Batterietechnologie sollen Erkenntnisse und Entwicklungsrichtungen erörtert werden. Zudem werde ein beratendes Gremium gebildet, das regelmäßig Informationen über globale Trends und Ergebnisse der Batterieindustrie austauscht.

Die Hyundai Motor Group beschleunigt die Entwicklung von Batterien der nächsten Generation, mit dem Ziel, bis 2030 3,64 Millionen Elektroautos zu produzieren. Auf der Grundlage seiner langjährigen Erfahrung in der Entwicklung und Massenproduktion von Elektroautos bemüht sich der Konzern laut eigener Aussage aktiv um die Ausweitung von Investitionen und Entwicklungskapazitäten im wichtigen Batteriesektor. Insbesondere plant der Konzern, alle Aspekte der Batterieentwicklung durch die Stabilisierung der Materialversorgung, die Stärkung des Batterie-Designs und der Batterie-Managementfähigkeiten sowie die Entwicklung von Batterien der nächsten Generation abzudecken.

Im Vergleich zu den Preisen von 2018 sollen die Kosten für Batterien im Jahr 2026 um 75 Prozent und im Jahr 2030 um weitere 45 Prozent gesenkt werden, um die Erschwinglichkeit und Praktikabilität von Elektroautos zu verbessern. Um das Jahr 2025 sollen Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP), die gemeinsam mit Batterieunternehmen entwickelt werden, erstmals in neuen Elektroautos von Hyundai und Kia eingesetzt werden.

Batterien für Robotik und Fluggeräte

Um die Entwicklung von Lithium-Metall- und Festkörperbatterien zu beschleunigen und ihre Fähigkeit zur Massenproduktion zu prüfen, wird das Forschungs- und Entwicklungszentrum von Hyundai Motor und Kia in Uiwang im nächsten Jahr den Bau des Batterieforschungsgebäudes der nächsten Generation abschließen. Die in dem neuen Gebäude entwickelten Batterien sollen nicht nur in Elektroautos, sondern auch in verschiedenen anderen mobilen Anwendungen wie Robotik und fortschrittlicher Luftmobilität (Advanced Air Mobility – AAM) eingesetzt werden.

Die Hyundai Motor Group konzentriere sich zudem auf Batteriemanagementfunktionen, die die Leistung von Elektrofahrzeugen optimieren können. Der Konzern will die Einführung von Elektroautos mit höheren Reichweiten, längeren Lebenszyklen und höherer Sicherheit vorantreiben, indem er Batteriemanagementsysteme (BMS) sowie Technologien zur Batteriekonditionierung verbessert, wie die Vorwärmung und Kühlung von Batterien.

Mittel- bis langfristig will die Gruppe außerdem ein System für das Recycling von Altbatterien und das Recycling von Rohstoffen einrichten, um die Umwelt zu schützen und Rohstoffe nachhaltig zu sichern. Die Gruppe plant, einen nachhaltigen „Batterie-Lebenszyklus“ zu vollenden, in dem Batterien sicher verwertet und Rohstoffe für die Batterieherstellung gewonnen und wiederverwendet werden.

Der Hyundai Konzern baut auch die externe Zusammenarbeit zur Sicherung der Batteriekapazitäten stetig aus, indem Joint Ventures mit großen Batterieunternehmen wie SK On und LG Energy Solution gegründet werden, um eine stabile Versorgung mit und Nachfrage nach Batterien sicherzustellen.

In Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Solid Power in den USA zur Sicherung von Festkörperbatterieelementen und Prozesstechnologien und Solid Energy System (SES) zur Entwicklung von Lithium-Metall-Batterien führt die Hyundai Motor Group zudem gemeinsame Forschungen mit Start-ups durch und investiert in die Entwicklung von Batterien der nächsten Generation.

Quelle: Hyundai – Pressemitteilung vom 25.07.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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