Im Elektroauto-News-Podcast spreche ich diesmal mit Prof. Dr.-Ing. Achim Kampker, Leiter des Lehrstuhls für Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) an der RWTH Aachen und Projektleiter von FastBat. Kampker ist seit über anderthalb Jahrzehnten eine der zentralen Figuren der deutschen Elektromobilitätsforschung – bekannt unter anderem durch StreetScooter. Mit FastBat verfolgt er nun ein Vorhaben, das weit über ein klassisches Forschungsprojekt hinausgeht.
FastBat steht für „Cluster Fast Battery Customization“ und wird mit 50 Millionen Euro aus dem Transformationsfonds Rheinisches Revier gefördert – eines der größten Einzelvorhaben, das dieser Fonds je bewilligt hat. Das Ziel ist ambitioniert: Ein vollständiges Ökosystem für die Entwicklung und Fertigung maßgeschneiderter Batteriezellen und -module aufzubauen, das auf den bereits vorhandenen Strukturen im Rheinischen Revier aufsetzt. „Wir bauen auf dem auf, was da ist – es macht keinen Sinn, wieder von vorne anzufangen“, so Kampker. Der Fokus liegt bewusst nicht auf Großserienproduktion für die Automobilindustrie, sondern auf Nischenanwendungen: Drohnen, stationäre Speicher, Dual-Use-Lösungen, kritische Infrastruktur.
Warum dieser Fokus? Kampker erklärt es schlüssig: Gerade dort, wo Standardzellen aus Asien nicht passen – weil die Form stimmen muss, weil Unabhängigkeit in der Lieferkette verlangt wird oder weil extreme Anforderungen an Haltbarkeit und Temperaturbeständigkeit gelten – entsteht echter Mehrwert. „Nicht mehr, wie oft diskutiert wird: Du musst mehr für die Batterie zahlen, weil sie aus Deutschland kommt. Sondern: Sie hat einen Mehrwert, den sie wirklich erfüllt.“ Der höhere Preis lässt sich in diesen Märkten rechtfertigen, weil er sich im Geschäftsmodell der Abnehmer rechnet.
Schneller als Asien – kein Selbstläufer
Ein zentrales Thema beim Austausch mit Kampker war die Entwicklungsgeschwindigkeit. Er lässt keinen Zweifel daran, dass Europa hier aktuell weit zurückliegt – und dass FastBat genau hier ansetzen muss. KI-gestützte Methoden sollen etwa die Elektrodenentwicklung massiv beschleunigen und Testprozeduren abkürzen. „AI kann nicht die komplette Entwicklung machen, aber sie kann an spezifischen Stellen gezielt eingesetzt werden.“ Dass dabei ausreichend Daten vorhanden sind, sei kein Problem: FastBat arbeitet eng mit der Forschungsfabrik der Fraunhofer-Einrichtung für Batteriezellproduktion (FFB) in Münster zusammen und generiert selbst umfangreiche Datensätze.
Gleichzeitig denkt FastBat den gesamten Produktionsprozess von Anfang an kreislauforientiert. Ausschuss soll direkt in der Produktion zurückgeführt werden, Lasertrocknung statt konventioneller Heißluftprozesse soll den Energieeinsatz spürbar senken. „Ideal ist, ich produziere den Ausschuss erst gar nicht. Aber wenn er entsteht, hole ich ihn direkt zurück.“ Der Anspruch: über den gesamten Prozess hinweg eine technologische Überlegenheit zu erzielen, die sich auch wirtschaftlich trägt.
Aus Braunkohle wird Batterie
FastBat ist geografisch tief im Rheinischen Revier verwurzelt – und das ist kein Zufall. Kampker beschreibt es mit einer Analogie, die sitzt: „Früher war Energie in der Braunkohle gespeichert und wurde verbrannt. Zukünftig speichern wir sie in Batterien.“ Die Region, die lange auf fossile Energie gesetzt hat, soll zur Batterieregion Europas werden – durch Clusterbildung, räumliche Nähe der Akteure und gezielte Vernetzung von Forschung, Industrie und Investoren.
An die Politik richtet Kampker eine klare Forderung: Bürokratie ernsthaft und radikal abbauen. An die Industrie und Investoren appelliert er ebenso direkt: „Dieses Abwarten und auf die todsichere Sache warten – die wird erstens nie kommen.“ Beide Seiten müssen ihren Teil leisten, damit das Vorhaben Früchte trägt. FastBat hat sich messbare Ziele gesetzt: Startups, konkrete Produkte, Arbeitsplätze. In fünf Jahren wird man sehen, wie weit man gekommen ist.
Wie Kampker selbst sagt, ist das alles kein Selbstläufer – aber es ist ein konkreter Schritt, den er und sein Team jetzt gehen. Was das im Detail bedeutet und wohin die Reise führen soll, hört ihr im Gespräch.
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