Morrow Batteries hat Insolvenz angemeldet. Der Verwaltungsrat des norwegischen Batterieherstellers hat beschlossen, für die Muttergesellschaft sowie die beiden Tochtergesellschaften Morrow Technologies AS und Morrow Industrialization Center AS Konkursverfahren einzuleiten. Damit endet ein Projekt, das seit seiner Gründung im Jahr 2020 als einer der ambitioniertesten Versuche galt, eine europäische Batteriezellproduktion aufzubauen.
Der Zusammenbruch kommt, obwohl das Unternehmen zuletzt operative Fortschritte verzeichnen konnte. Erst im April wurden erste kommerzielle Lieferungen an den finnischen Partner Proventia Oy ausgeführt – auf Basis eines langfristigen Rahmenliefervertrags. Zusätzlich hatte Morrow kurz vor der Insolvenz einen ersten kommerziellen Vertrag mit einem deutschen Unternehmen aus dem Verteidigungssektor abgeschlossen. Die Liquidität des Unternehmens ließ jedoch keinen weiteren Spielraum mehr.
Kapitalbedarf trifft auf schwieriges Marktumfeld
Die Hintergründe sind vielschichtig. Morrow befand sich in einer frühen, kapitalintensiven Industrialisierungsphase – in einem Moment, in dem der globale Batteriemarkt unter Überkapazitäten und zunehmendem Preisdruck leidet. Hinzu kamen gestiegene Kapitalkosten, Verzögerungen im Hochlauf der Produktion und ein zurückhaltenderes Investitionsklima. Gespräche mit bestehenden Eigentümern, potenziellen Industrieinvestoren sowie öffentlichen Stellen konnten nicht rechtzeitig zu einer tragfähigen Lösung geführt werden.
Das Unternehmen war mit einem erheblichen Finanzierungspaket ausgestattet: Eigenkapital von Anteilseignern wie Å Energi, Siemens Financial Services, ABB, Maj Invest, Nysnø und Noah summierte sich auf rund 307 Millionen Euro. Zusätzlich stellten Anteilseigner Darlehensgarantien von über 46,5 Millionen Euro bereit. Innovation Norway steuerte zwei Darlehen in Höhe von insgesamt rund 51 Millionen Euro bei, europäische und norwegische Förderprogramme flossen mit knapp 19 Millionen Euro ein. Der staatliche Industrieimmobilieninvestor Siva investierte rund 50 Millionen Euro in den Bau einer Spezialfabrik, die er an Morrow vermietete.
Kein Einzelfall in der europäischen Batterieindustrie
Morrow ist nicht das erste westliche Batterieunternehmen, das scheitert – und vermutlich nicht das letzte. Seit Januar 2025 haben mindestens 14 Hersteller außerhalb Chinas den Betrieb eingestellt oder sind in ernste Schwierigkeiten geraten. Das bekannteste Beispiel ist Northvolt: Das schwedische Unternehmen, einst als Europas Antwort auf die chinesische Batteriedominanz gehandelt, verbrannte nach Schätzungen rund 15 Milliarden US-Dollar (ca. 12,7 Mrd. Euro), bevor die Produktion endgültig gestoppt wurde.
Die Standarderklärung für diese Scheitern lautet üblicherweise: chinesische Subventionen, wie Arthur Claire, BESS Quality Expert einordnet. Das stimmt – greift aber zu kurz. Ein technischer Kennwert, der in der Branche zunehmend als entscheidender Überlebensindikator gilt, gerät dabei oft aus dem Blick: die sogenannte First-Pass Yield. Gemeint ist der Anteil der Batteriezellen, der den Produktionsprozess ohne Nacharbeit oder Ausschuss besteht. Der McKinsey-Bericht „Battery 2035“ nennt 95 Prozent als Mindestniveau, das innerhalb von 18 Monaten nach dem ersten Produktionsanlauf erreicht werden sollte. Wer diesen Wert verfehlt, produziert strukturell zu teuer – weil die Kosten für jede ausgeschleuste Zelle auf die nächste Charge umgelegt werden.
Der Vergleich mit China ist ernüchternd. EVE Energy kommunizierte für seine Jingmen-Fabrik Anfang 2026 eine First-Pass Yield von über 97 Prozent – bei einer Inbetriebnahme im Dezember 2024. Northvolt hingegen soll laut Aussagen eines ehemaligen Betriebsleiters erst kurz vor der endgültigen Schließung einen Wert von knapp über 90 Prozent erreicht haben. Die Anlage in Skellefteå hatte bereits Ende 2021 mit der Auslieferung von Zellen begonnen.
Für Morrow lassen die bekannten Eckdaten eine ähnliche Einordnung zu. Der kommerzielle Produktionsstart datiert auf Januar 2026, die ersten Auslieferungen an Proventia erfolgten im April – die Insolvenz folgte im Mai. Ob und wie weit das Unternehmen vom McKinsey-Richtwert entfernt war, ist nicht bekannt. Die Zeitabfolge allein spricht jedoch eine deutliche Sprache.
Das Amtsgericht Agder wird voraussichtlich zeitnah einen Insolvenzverwalter für die norwegischen Gesellschaften bestellen. Mitarbeitende sind über das norwegische Lohngarantiesystem der Behörde NAV abgesichert. Verwaltungsrat und Geschäftsführung haben angekündigt, den Insolvenzverwalter vollumfänglich zu unterstützen. Die Technologie und die aufgebauten Vermögenswerte des Unternehmens könnten unter neuer Eigentümerschaft weiterentwickelt werden – davon zeigt sich der Vorstand überzeugt.
Quelle: Morrow Batteries ASA – Pressemitteilung / Arthur Claire, BESS Quality Expert – LinkedIn









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