Die Zahl der Patentanmeldungen rund um Wiederverwendung und Recycling von Batterien wächst weltweit deutlich schneller als andere Technologiefelder. Zwischen 2017 und 2023 nahmen die internationalen Patentfamilien (IPFs) in diesem Segment im Schnitt um 42 Prozent pro Jahr zu. Das geht aus einer aktuellen gemeinsamen Studie des Europäischen Patentamts (EPA) und der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor. Zum Vergleich: Bei der Herstellung wiederaufladbarer Batterien insgesamt lag das jährliche Wachstum bei 16 Prozent, über alle Technologiefelder hinweg bei lediglich zwei Prozent.
Treiber dieser Dynamik ist der globale Hochlauf der Elektromobilität. Im Jahr 2025 war weltweit mehr als jedes vierte neu verkaufte Auto ein Elektromodell mit Lithium-Ionen- oder vergleichbarer moderner Batterie. In Deutschland erreichten E-Autos einen Neuzulassungsanteil von gut 19 Prozent, was einem Zuwachs von über 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Bis 2030 könnten global rund 1,2 Millionen Antriebsbatterien ihr Lebensende erreichen, bis 2040 sollen es bereits 14 Millionen sein. Da die Lieferketten für Batteriemineralien und -komponenten heute stark konzentriert sind, suchen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen nach Wegen, kritische Rohstoffe zurückzugewinnen und die Abhängigkeit vom Primärbergbau zu reduzieren.
Für EPA-Präsident António Campinos sind die Patentzahlen mehr als ein Indikator für Forschungsaktivität. „Innovative Technologien für eine Batterie-Kreislaufwirtschaft sind der Schlüssel zu mehr Ressourcensicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltfreundlichkeit“, erklärt er. Regionen mit industriellen Ökosystemen, passenden politischen Rahmenbedingungen und Zugang zu Recycling-Rohstoffen würden in diesem Sektor eine führende Rolle einnehmen. IEA-Exekutivdirektor Fatih Birol verweist auf die strategische Bedeutung: „Im Zeitalter der Elektrizität sind Batterien zu einem Eckpfeiler der Energieversorgungssicherheit und der industriellen Wettbewerbsfähigkeit geworden.“
Asien setzt das Tempo, China zieht an die Spitze
Auf Patentanmelder aus Asien entfielen 2023 rund 63 Prozent der internationalen Patentfamilien im Bereich der Batterie-Kreislaufwirtschaft. Bis 2019 dominierten japanische und koreanische Konzerne wie Toyota, LG und Sumitomo dieses Feld. Inzwischen führt der chinesische Anbieter Brunp die Rangliste an. Mit dessen Aufstieg stieg auch der Anteil Chinas an den weltweiten IPFs in diesem Segment von fünf Prozent im Jahr 2013 auf 29 Prozent im Jahr 2023. Insgesamt machen Energiespeicher mittlerweile rund 40 Prozent aller energiebezogenen Patentanmeldungen aus – ein Wachstum, das nicht zuletzt durch regulatorische Vorgaben in Europa und China zur Entsorgung von Fahrzeugbatterien gestützt wird.
Auch in Europa schreitet die Patentierungsaktivität voran. Etwa 20 Prozent der internationalen Patentfamilien im Bereich der Batterie-Kreislaufwirtschaft entfallen auf europäische Unternehmen und Forschungsinstitute. Besonders aktiv sind die hiesigen Anmelder bei Sammlung und chemischer Umwandlung. Schwerpunkte liegen auf Fernbedienungstechnologien (34 Prozent der IPFs), auf Isolierung und Immobilisierung (30 Prozent) sowie auf hydrometallurgischer Extraktion nach pyrolytischer Vorbehandlung (26 Prozent). Diese Verteilung verdeutlicht die aktuelle Rolle Europas als Batterieverbraucher und weniger als Batteriehersteller.
Deutschland prägt die europäische Spitzengruppe
Innerhalb Europas spielt Deutschland mit seiner Unternehmenslandschaft und einer engen Vernetzung von Start-ups und Hochschulen eine tragende Rolle. BASF, Duesenfeld und Robert Bosch gehören zu den aktivsten Patentanmeldern aus den Mitgliedstaaten des Europäischen Patentübereinkommens und führen die Top 10 der europäischen Antragssteller im Bereich Batterie-Kreislaufwirtschaft an. Ergänzt wird die Liste unter anderem durch Umicore, das französische CEA, Johnson Matthey, Clariant International, Johnson Controls Technology, Northvolt sowie das CNRS.
Begleitet wird die Studie von einer Aktualisierung mehrerer EPA-Werkzeuge. Die bestehende Plattform für saubere Energietechnologien wurde um einen Bereich zur Batterie-Kreislaufwirtschaft erweitert. Das Tool „Deep Tech Finder“ enthält nun Profile von fast 60 europäischen Start-ups und Universitäten, die seit 2006 Patentschutz für Erfindungen in diesem Feld beantragt haben. Die Beta-Version des „Data Desk“ des EPA-Observatoriums zeigt zudem, wie sich Patentdaten in eine detaillierte Kartierung von Energiespeichertechnologien überführen lassen. Weitere Kartierungen zu anderen Schlüsseltechnologien sollen in künftigen Updates folgen.
Quelle: Europäisches Patentamt / Internationale Energieagentur – Pressemitteilung vom 29. April 2026








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