Deutsche Autobauer haben in China in den letzten Jahren hohe Marktanteile verloren. Gleichzeitig belasten in den USA Strafzölle das Geschäft, und auch in Europa bleiben die Absatzzahlen hinter den Erwartungen zurück. Nun wollen VW, BMW und Mercedes verstärkt auf bislang vernachlässigte Märkte in Asien, Südamerika und Ozeanien setzen. Doch eine neue Handelsblatt-Analyse zeigt: Sie kommen zu spät.
Regionen wie Indien, Thailand, Indonesien, Australien und südamerikanische Märkte waren bisher kaum im Fokus deutscher Autobauer. Doch das soll sich jetzt ändern, obwohl man im Vergleich zur Konkurrenz bereits mehr als spät dran ist. Aus VW-Aufsichtsratskreisen heißt es selbstkritisch: „Wir haben uns zu lange zu stark auf China konzentriert und andere Wachstumsmärkte in der Region, etwa in Indien, nicht wirklich erschlossen“.
Das Potenzial besagter Regionen ist enorm: Schließlich leben allein in den fünf größten südostasiatischen Ländern über 600 Millionen Menschen. Indien zählt heute sogar 1,5 Milliarden Einwohner, auf die bislang nur 5,2 Millionen Neuwagen pro Jahr kommen. Im Vergleich zu etablierten Märkten besteht dementsprechend immenses Wachstumspotenzial.
Doch die Konkurrenz hat nicht geschlafen. Marklines-Daten zufolge sind die Pkw-Zulassungen in 26 untersuchten Schwellenländern zwischen 2020 und 2025 bereits um über 44 Prozent gewachsen. Dabei kamen deutsche Hersteller in den gleichen Ländern im selben Zeitraum nur auf einen Zuwachs von 24 Prozent, woraus sich ergibt, dass Autobauer aus China und Co wesentlich schneller Marktanteile gewinnen.
China wird vom Gewinngaranten zum Risiko
Noch vor einigen Jahren galt der chinesische Markt für deutsche Autobauer als Gewinngarant. Doch allein im ersten Halbjahr 2026 ist er um circa ein Fünftel auf aktuell nur noch 8,8 Millionen Neuzulassungen eingebrochen. Gründe dafür sind vor allem das kaum noch konkurrenzfähige E-Auto-Angebot deutscher Hersteller und die kriegsbedingt hohen Spritpreise, welche das Verbrennergeschäft zusätzlich belasten.
Autoexperte Stefan Bratzel zufolge hat die internationale Konkurrenz sich bereits intensiv um neue Märkte bemüht, während deutsche Hersteller sich nur auf China konzentrierten. So verkaufte der Autobauer Stellantis 2025 in den 26 besagten Wachstumsmärkten beispielsweise 56 Prozent mehr Autos als 2020 und Tesla steigerte seine Verkäufe im gleichen Zeitraum von 600 auf über 162.000. Inzwischen sind die 26 Wachstumsmärkte zusammen sogar deutlich größer als der chinesische Markt.
Deutsche Hersteller verlieren unterschiedlich stark an Boden
Die Verkäufe deutscher Hersteller hinken also hinterher, entwickeln sich jedoch nicht identisch. VW steigerte seine Verkäufe 2025 im Vergleich zu 2020 um 33 Prozent und BMW legte sogar um 37 Prozent zu, während Mercedes mit 4 Prozent nahezu stagnierte und Audi sogar 10 Prozent verlor.
Gleichzeitig bremst die Konkurrenz aus China die deutsche Expansion aus. BYD steigerte seine Verkäufe in den 26 Regionen in den fünf Jahren um das 94-fache. Allein im letzten Halbjahr stieg der Absatz gegenüber dem Vorjahr noch einmal um 70 Prozent. Laut Bratzel investieren chinesische Hersteller aufgrund ihrer Überkapazitäten im Heimatmarkt ganz gezielt in diese Regionen.
Dieser Trend wird auch durch die stark steigende Nachfrage in diesen Märkten angetrieben. Dem US-Investmenthaus Bernstein zufolge verdoppelte sich die Zahl der im Juni außerhalb Europas, der USA und Chinas registrierten E-Autos und Plug-in-Hybride auf 288.000. Länder wie Thailand und Indonesien subventionieren Elektroautos, was eben vor allem chinesischen Herstellern mit ihren vergleichsweise günstigen Modellen zugutekommt.
Um die vielen sehr unterschiedlichen Wachstumsmärkte in Zukunft sinnvoll zu bedienen, setzen deutsche Hersteller zunehmend auf die Produktion in chinesischen Werken oder auf eine lokale Endmontage. So will VW seine Exporte von China heraus in umliegende Länder in den kommenden Jahren deutlich ausbauen. BMW wiederum montiert Fahrzeuge unter anderem in Indien und Thailand, wo sie dann auch verkauft werden.
Quelle: Handelsblatt – Deutsche Autobauer verpassen Boom bei China-Alternativen








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