Tesla-Rückruf in China: 2,98 Millionen E-Autos betroffen

Tesla-Rückruf in China: 2,98 Millionen E-Autos betroffen
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Wer nach einem schweren Unfall aus einem Elektroauto fliehen muss, ist auf eine funktionierende Notentriegelung angewiesen. Genau daran setzt eine der bislang größten Rückrufaktionen für Elektroautos in China an: Rund 4,35 Millionen Autos von neun Herstellern und zehn Marken müssen wegen möglicher Probleme mit der mechanischen Türnotentriegelung nachgerüstet werden. Tesla ist mit knapp 2,98 Millionen Fahrzeugen mit Abstand am stärksten betroffen.

Die chinesische Marktaufsichtsbehörde SAMR veröffentlichte die Aktion am 21. August auf ihrer Website. Bei Tesla beginnt der Rückruf am 25. September 2026 und umfasst alle vier in China verkauften Baureihen: Model 3, Model Y, Model S und Model X. Sowohl in China gefertigte als auch importierte Autos sind eingeschlossen.

Ursache ist die Bauweise der mechanischen Notentriegelungen im Innenraum. Sie ähneln in Farbe und Beschaffenheit der umliegenden Verkleidung und lassen sich dadurch im Stress einer Notsituation nur schwer erkennen. Kritisch wird das vor allem dann, wenn nach einem schweren Unfall zusätzlich das elektrische Bordnetz ausfällt und die gewohnten elektrischen Türöffner nicht mehr reagieren. In einem solchen Fall könne die schwer auffindbare Notentriegelung Insass:innen daran hindern, „die Türen schnell zu öffnen, um zu flüchten“, teilte die Behörde mit. Zugleich werde dadurch Rettungskräften von außen der Zugang zum Auto erschwert.

Tesla stellt den größten Anteil am Rückruf

Von den knapp 2,98 Millionen betroffenen Tesla-Autos entfällt der größte Teil auf in China gefertigte Modelle: rund 1,96 Millionen Model Y und rund 973.000 Model 3. Hinzu kommen knapp 46.000 importierte Autos der Baureihen Model 3, Model S und Model X. Tesla will Warnhinweise anbringen, damit sich die Notentriegelung leichter identifizieren lässt. Ergänzend soll ein Software-Update per Funk die Fenstersteuerung so anpassen, dass sich die Scheiben nach einem erkannten Unfall automatisch absenken.

Parallel dazu läuft in China ein zweiter, inhaltlich unabhängiger Rückruf bei Tesla für rund 2,74 Millionen in China gebaute Model 3 und Model Y. Er betrifft die Aufmerksamkeitsüberwachung bei aktivierten Fahrassistenzsystemen: Künftig soll zusätzlich zur Auswertung der Lenkradbewegungen die Innenraumkamera kontrollieren, ob Fahrerin oder Fahrer aufmerksam bleiben. Beide Rückrufe betreffen teils dieselben Modelle, verfolgen aber unterschiedliche Ziele.

Neben Tesla sind acht weitere Automobilhersteller von der Türgriff-Aktion betroffen. Xiaomi ruft rund 390.000 Autos der Baureihe SU7 zurück, Leapmotor rund 371.000 Fahrzeuge der Modelle C11 und C01. Xpeng nennt rund 265.000 Autos der Baureihen G6, P7+ und X9, Zeekr rund 93.000 Fahrzeuge der Modelle 007 und X. Bei Lynk & Co sind vier Baureihen mit zusammen rund 74.000 Autos betroffen. Chery, Dongfeng, die BAIC-Marke Arcfox und FAW ergänzen die Liste mit Stückzahlen zwischen rund 12.000 und 68.000 Autos. Insgesamt verteilt sich die Rückrufaktion auf 25 Modellreihen und Modellvarianten, wobei Tesla allein mehr als zwei Drittel aller betroffenen Autos stellt.

Software-Updates statt aufwendiger Umbauten

Die konkreten Maßnahmen unterscheiden sich je nach Hersteller. Während Tesla auf Warnaufkleber und Software-Update setzt, kennzeichnet Xpeng lediglich die vorhandene Notentriegelung deutlicher. Leapmotor verbindet ebenfalls eine bessere Kennzeichnung mit einer angepassten Fenstersteuerung. Chery geht einen anderen Weg und tauscht bei den betroffenen Autos die Abdeckungen der mechanischen Entriegelung aus.

Die Rückrufaktion steht im Zusammenhang mit einer neuen chinesischen Vorschrift für Türgriffe. Ab 2027 sollen versteckte oder vollständig versenkbare Griffe bei neu auf den Markt kommenden Autos nicht mehr zugelassen werden. Die Behörden begründen dies mit der besseren Erreichbarkeit mechanischer Notentriegelungen im Ernstfall.

Auch außerhalb Chinas beschäftigen sich Regulierer mit dem Thema. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA kündigte im Juli an, neue Vorgaben für den sicheren Ausstieg nach schweren Unfällen zu entwickeln. Die niederländische Zulassungsbehörde RDW, zuständig für die Typprüfung von Tesla-Fahrzeugen in Europa, beobachtet die Situation, sieht aktuell aber keinen Anlass für einen Rückruf. Flächenbündige oder versenkte Türgriffe, wie sie bei Tesla verbaut sind, seien für sich genommen kein Problem, erklärte die Behörde. Entscheidend sei vielmehr, dass sich Autos „unter allen Umständen, auch bei einem Ausfall der Elektrik, intuitiv und ohne Werkzeug von innen wie von außen öffnen lassen“ müssten. Das Thema werde derzeit sowohl bei den UN-Fahrzeugregulierungsgesprächen in Genf als auch beim europäischen Sicherheitsprogramm Euro NCAP diskutiert.

Quelle: Automotive News – Tesla, Chinese automakers ordered to recall EVs over door handle design flaws / Reuters – No Tesla recall in Europe at present, Dutch regulator says / Auto Motor und Sport – Tesla muss fast 3 Millionen Autos zurückrufen

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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