Mehr Elektroautos wegen CO₂-Druck: Europas Hersteller legen zu

Mehr Elektroautos wegen CO₂-Druck: Europas Hersteller legen zu
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 4 min

Der europäische Elektroauto-Markt hat 2025 spürbar an Dynamik gewonnen. Die Auswertung der Zulassungen von Januar bis Ende Dezember zeigt ein Wachstum auf fast 2,5 Millionen Einheiten. Im Vorjahr lag das Volumen noch bei gut 1,9 Millionen Der Zuwachs von 29 Prozent signalisiert keine Sättigung, sondern eine neue Phase der Marktentwicklung. Dabei verschieben sich die Kräfteverhältnisse deutlich.

An der Spitze steht weiterhin die VW Group. Mit 689.000 zugelassenen Elektroautos erreicht der Konzern einen Marktanteil von 27,7 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es 21,4 Prozent. Das Wachstum von 67 Prozent fällt deutlich höher aus als der Marktdurchschnitt. Diese Entwicklung lässt sich nicht auf eine einzelne Marke zurückführen, sondern auf die Breite des Portfolios. Mehrere Baureihen sind gleichzeitig verfügbar, dazu kommen preisliche Anpassungen und eine klare Fokussierung auf CO₂-konforme Stückzahlen.

Innerhalb des Konzerns zeigt sich eine Verschiebung. Škoda steigert die Zulassungen auf mehr als 160.000 Elektroautos und verdoppelt sein Volumen mehr als. Der Marktanteil wächst von 3,8 auf 6,5 Prozent. Audi legt ebenfalls zu, erreicht mit knapp 147.000 Einheiten jedoch ein geringeres relatives Wachstum. Damit liegt Škoda im Jahresvergleich klar vor Audi. Cupra und Seat tragen mit 77.000 Elektroautos ebenfalls zum Konzernwachstum bei. Porsche steigert die Jahreszahlen zwar auf mehr als 29.000, bleibt aber im Volumen klar hinter den Massenmarken zurück.

Volumen entscheidet – nicht jede Marke profitiert gleich

Stellantis behauptet sich als zweitstärkste europäische Gruppe. Gut 268.000 Elektroautos bedeuten 10,8 Prozent Marktanteil, nach 10,3 Prozent im Jahr zuvor. Das Wachstum von 34,7 Prozent liegt leicht über dem Markt. Peugeot, Citroën und Opel entwickeln sich stabil, wobei Citroën mit einem Plus von 120 Prozent auffällt. Die Volumenbasis bleibt jedoch überschaubar. Fiat verliert im Jahresvergleich an Boden, während Jeep ebenfalls rückläufig ist.

Eine besondere Rolle spielt Leapmotor. Mit gut 26.500 zugelassenen Elektroautos erreicht die Marke einen Marktanteil von 1,1 Prozent. Im Vorjahr lag das Volumen bei nur knapp 1200 Einheiten. Auch wenn der Vergleich stark verzerrt ist, zeigt sich, dass Leapmotor innerhalb kurzer Zeit relevant wird. Der Beitrag zum Stellantis-Gesamtvolumen ist bereits größer als jener einiger etablierter Marken. Gleichzeitig deutet sich an, dass Plattform- und Komponentenstrategien konzernweit an Bedeutung gewinnen.

Die BMW Group wächst, bleibt aber unter dem Marktdurchschnitt. Knapp 244.000 Elektroautos entsprechen 9,8 Prozent Marktanteil, nach 10,2 Prozent im Vorjahr. Das Plus von 24 Prozent reicht nicht aus, um den Anteil zu halten. BMW selbst kommt auf rund 181.500 Einheiten, Mini auf mehr als 62.000. Die Zahlen spiegeln eine Übergangsphase wider. Aktuelle Modelle basieren auf einer auslaufenden Architektur, während die nächste Generation erst ab 2026 startet.

Deutlich anders fällt die Bilanz bei Tesla aus. Mit 225.000 zugelassenen Elektroautos sinkt der Marktanteil von 16,1 auf 9,1 Prozent. Das Minus von 28 Prozent markiert den stärksten Rückgang unter den großen Anbietern. Der Markt wächst, Tesla schrumpft. Der Effekt erklärt sich weniger über Nachfrageeinbruch als über zunehmende Konkurrenz. Europäische Hersteller bringen mehr Modelle in den Markt, chinesische Anbieter erhöhen den Druck im Einstiegs- und Mittelklasse-Segment.

Während andere verlieren, bauen Koreaner leise Marktanteile auf

Hyundai und Kia entwickeln sich dagegen überdurchschnittlich. Gemeinsam erreichen sie mehr als 191.000 Elektroautos und einen Marktanteil von 7,7 Prozent. Im Vorjahr lag dieser bei 6,5 Prozent. Kia überschreitet erstmals die Marke von 100.000 Einheiten, Hyundai folgt mit rund 89.000. Die Produktpalette deckt mehrere Segmente ab und ist über das Jahr hinweg verfügbar.

Renault profitiert stark von einer klaren Modellstrategie. Fast 183.000 Elektroautos bedeuten 7,3 Prozent Marktanteil, nach 5,2 Prozent im Vorjahr. Renault selbst steigert sich um 81,5 Prozent auf 152.000 Einheiten. Dacia wächst ebenfalls deutlich, auch wenn der Anteil mit 1,2 Prozent begrenzt bleibt. Die Zahlen unterstreichen, wie wichtig bezahlbare Modelle für Volumenwachstum sind.

Bei Geely zeigt sich ein differenziertes Bild. Knapp 166.000 Elektroautos bedeuten ein Minus von 10 Prozent gegenüber 2024. Volvo verliert deutlich und fällt auf etwas mehr als 100.000 Einheiten. Polestar wächst auf 47.000, Smart halbiert sich nahezu. Zeekr bleibt klein, legt aber relativ stark zu. Das Jahr steht damit im Zeichen von Umstellungen und Modellwechseln.

BYD steigert das Jahresvolumen auf mehr als 100.000 Elektroautos und erhöht den Marktanteil auf 4 Prozent. Das Wachstum von 141 Prozent basiert auf einem niedrigen Ausgangswert, zeigt aber eine zunehmende Präsenz. Ford erreicht fast 90.000 Einheiten und wächst um 176 Prozent. SAIC-MG verliert dagegen deutlich an Boden.

Über alle Marken hinweg zeigt sich ein klarer Trend. Europäische Hersteller gewinnen zusammen mehr als vier Prozentpunkte Marktanteil. Regulierung, Modellverfügbarkeit und Flottenziele prägen das Jahr stärker als einzelne Leuchtturmprodukte. 2025 wirkt damit wie ein Übergangsjahr, in dem sich der Markt neu sortiert und auf eine breitere Basis stellt.

Quellen: Matthias Schmidt – Schmidt Automotive Research / The European Electric Car Study

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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