Der westeuropäische Markt für Elektroautos hat 2025 spürbar an Bedeutung gewonnen. Von Januar bis Ende Dezember wurden rund 2,49 Millionen Elektroautos neu zugelassen. Im Vorjahr lag der Wert bei etwa 1,93 Millionen. Damit ergibt sich ein Zuwachs von knapp 29 Prozent. Parallel stieg der Marktanteil von 16,7 Prozent auf 21,1 Prozent. Auf den ersten Blick wirkt diese Entwicklung stabil und gleichmäßig. Eine differenzierte Betrachtung der einzelnen Länder zeigt jedoch, dass das Wachstum stark von politischen Rahmenbedingungen, steuerlichen Anreizen und regulatorischen Vorgaben abhängt.
Deutschland kehrt 2025 an die Spitze des westeuropäischen Marktes zurück. Nachdem das Land im Vorjahr hinter dem Vereinigten Königreich lag, summieren sich die Neuzulassungen nun auf mehr als 545.000 Elektroautos. Gegenüber 2024 entspricht das einem Plus von gut 43 Prozent. Der Marktanteil steigt auf 19,1 Prozent. Besonders der Dezember fällt ins Gewicht. Fast 54.800 neu zugelassene Elektroautos bedeuten ein Monatswachstum von mehr als 63 Prozent. Viele Käufer und Flottenbetreiber dürften Entscheidungen vorgezogen haben, um sich bestehende Konditionen zu sichern oder auf mögliche Änderungen im Folgejahr zu reagieren.
Im Vereinigten Königreich wächst der Markt ebenfalls, allerdings mit geringerem Tempo. Auf Jahressicht kommen mehr als 473.000 Elektroautos neu auf die Straße. Das entspricht einem Plus von knapp 24 Prozent. Der Marktanteil liegt bei 23,4 Prozent. Der Dezember zeigt eine hohe Durchdringung, da Hersteller die Vorgaben der ZEV-Regulierung erfüllen mussten. Gleichzeitig fällt das Wachstum schwächer aus als im Vorjahr, weil die Ausgangsbasis bereits hoch war und erste Sättigungseffekte sichtbar werden.
Frankreich verzeichnet im Jahresverlauf eine moderate, zum Jahresende hin aber deutlich stärkere Entwicklung. Insgesamt erreicht der Markt gut 328.000 Neuzulassungen. Das Plus liegt bei rund 13 Prozent. Ausschlaggebend ist vor allem das Schlussquartal. Die Wiedereinführung des Social-Leasing-Programms sorgt für zusätzliche Nachfrage, insbesondere in einkommenssensiblen Segmenten. Dadurch steigt der Elektroanteil auf 20,1 Prozent.
Norwegen nimmt weiterhin eine Sonderrolle ein. Mit mehr als 172.000 neu zugelassenen Elektroautos wächst der Markt um gut 50 Prozent. Der Elektroanteil erreicht im Jahresdurchschnitt fast 96 Prozent und liegt im Dezember sogar bei rund 98 Prozent. Neben steuerlichen Vorteilen spielt auch die niedrige Vergleichsbasis des Vorjahres eine Rolle. Der Markt zeigt jedoch, wie weit die Elektrifizierung unter stabilen Rahmenbedingungen fortgeschritten sein kann.
Nationale Dynamiken und strukturelle Unterschiede im E-Automarkt
Die Niederlande bestätigen ihre Rolle als stark unternehmensgetriebener Markt. Im Dezember entfallen fast zwei Drittel aller Neuzulassungen auf Elektroautos. Auf das Gesamtjahr gerechnet summiert sich das Volumen auf mehr als 156.000 Einheiten. Der Marktanteil steigt auf gut 40 Prozent. Viele Unternehmen reagieren auf steuerliche Anpassungen, die ab 2026 greifen sollen. Das führte zum Jahresende hin zu einer spürbaren Vorziehdynamik.
Dänemark nähert sich einer weiteren Schwelle. Mit fast 127.000 neu zugelassenen Elektroautos erreicht der Markt einen Anteil von 68,5 Prozent. Damit wird die Marke von 70 Prozent nur knapp verfehlt. Entscheidender Treiber bleiben fiskalische Vorteile, die auch 2026 Bestand haben sollen. Diese Kontinuität sorgt für Planungssicherheit bei Käufern und Anbietern.
Belgien wächst moderat, aber stabil. Fast 144.000 Elektroautos entsprechen einem Zuwachs von rund 13 Prozent. Der Marktanteil steigt auf 34,7 Prozent. Auch hier prägen Firmenwagen und steuerliche Rahmenbedingungen das Bild. Spanien zeigt dagegen ein anderes Muster. Zwar wächst der Markt auf knapp 102.000 Einheiten, doch im Dezember lässt die Dynamik nach. Austauschprogramme in einzelnen Regionen verlieren an Wirkung. Der Elektroanteil bleibt mit 8,9 Prozent niedrig.
Schweden bewegt sich nahe an einer Stagnation. Im Dezember sinken die Neuzulassungen leicht, während das Gesamtjahr mit knapp 100.000 Elektroautos noch ein kleines Plus verzeichnet. Der Marktanteil liegt bei 36,5 Prozent. Italien hingegen legt kräftig zu. Mit mehr als 95.000 neu zugelassenen Elektroautos verdoppelt sich das Volumen nahezu. Förderprogramme wurden vielfach in konkrete Zulassungen überführt. Gleichzeitig bleiben Zweifel, wie tragfähig diese Entwicklung ohne weitere Anreize ist.
Übergang zur E-Mobilität unter politischem Vorbehalt
Österreich, die Schweiz und Portugal folgen einem ähnlichen Muster. Alle drei Länder verzeichnen zweistellige Wachstumsraten. Die Marktanteile steigen, bleiben aber unterhalb der Niveaus von Nordeuropa. Finnland erreicht im Dezember mit über 53 Prozent einen hohen Monatswert, liegt im Jahresdurchschnitt jedoch bei 37,2 Prozent.
Irland und Luxemburg zeigen gegenläufige Bewegungen. In Irland brechen die Dezemberzahlen ein, während das Gesamtjahr wächst. Luxemburg stagniert leicht. Griechenland bleibt ein sehr kleiner Markt mit geringen Veränderungen. Island fällt durch starkes Wachstum auf, bewegt sich jedoch auf niedrigem absoluten Niveau.
Über alle Länder hinweg zeigt sich ein klares Muster. Regulierung, Steuern und Fördermechanismen bestimmen das Tempo der Elektrifizierung. Dort, wo klare und verlässliche Rahmenbedingungen bestehen, steigt der Marktanteil schneller als das absolute Volumen. In Märkten mit auslaufenden Programmen oder kurzfristigen Sondermaßnahmen entstehen dagegen Verzerrungen, insbesondere zum Jahresende.
Die Auswertung von Matthias Schmidt macht deutlich, dass sich Westeuropa nicht gleichmäßig elektrifiziert. Elektroautos gewinnen weiter an Bedeutung, doch der Weg dorthin verläuft national sehr unterschiedlich. Der Übergang zur Elektromobilität ist kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen und wirtschaftlicher Anreize.
Quelle: Industry data / ACEA / Schmidt Automotive Research / The European Electric Car Study








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