Leapmotor, der wahre Stern im Stellantis-Portfolio?

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Leapmotor

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
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Aktuell ist Leapmotor für viele ein absoluter Nobody unter den Autoherstellern. Doch der chinesische Newcomer macht im breit aufgestellten Stellantis-Konzern mächtig Druck und bringt dabei auch Schwestermarken in Bedrängnis.

Der Stellantis-Konzern mit seinen 14 Marken ist einer der größten Autoproduzenten weltweit. Problem: Hersteller wie Citroën, Peugeot, Fiat, Lancia oder Opel haben ein Modellportfolio, das sich weitgehend überlappt. Während Jeep, Ram oder Dodge gerade in Nordamerika reüssieren, hakt es in China, denn hier liegt der Stellantis-Konzern deutlich hinter vielen Konkurrenten.

Das soll sich mit Leapmotor ändern; einer Marke, die vor gerade einmal einem Jahrzehnt gegründet wurde und nicht allein auf dem größten Automarkt der Welt von sich reden macht. Denn die Modelle von Leapmotor werden mittlerweile auch in Europa vertrieben – mit zunehmendem Erfolg. Dabei räubern Modelle wie der Elektrokleinwagen T03 oder die beiden Crossover B10 / C10 in Fahrzeugklassen, die Stellantis mit seinen Kernmarken Citroën, Peugeot, Fiat und Opel bereits breit bespielt.

Das Einstiegsmodell T03 glänzt mit gefälligem Design und einem Preis von unter 19.000 Euro. Ein ernsthafter Angriff auf Dacia Spring oder BYD Seagull. Damit ist der Elektro-Einsteiger deutlich unter Opel e-Corsa, Fiat Panda oder Citroën e-C3 positioniert. Der 4,73 Meter lange Elektro-SUV C10 wildert selbstbewusst im umkämpften D-Segment von Tesla Model Y und Škoda Kodiaq. Stellantis unterstreicht bei Rückfragen eine andere Marktpositionierung von Leapmotor, da sich das chinesische Start-Up an betont junge und technikaffine Kunden wenden soll. In der Realität sieht das jedoch etwas anders aus: Leapmotor krallt sich nicht nur auf besonders preissensiblen Märkten wie in Südostasien, Indien oder Südamerika Neukunden, sondern auch in Deutschland.

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Eine Erfolgsgeschichte, die sich sehen lassen kann

Leapmotor ist eine Erfolgsgeschichte, die sich nach zehn Jahren Existenz sehen lassen kann. Die chinesischen Autoneulinge verhandelten einst auch mit anderen Herstellern wie Volkswagen; letztlich kam man bei Stellantis unter und steigert seitdem imposant die Verkaufszahlen. Waren es 2019 kaum mehr als 1000 verkaufte Fahrzeuge, geht es speziell seit 2022 kraftvoll aufwärts. Wurden 2024 noch knapp 300.000 Autos produziert, sollten es 2025 bereits 600.000 Stück sein. Die Planzahl wurde mit 596.555 Fahrzeugen nur knapp verfehlt – mehr als eine Verdoppelung der 2024er Zahlen.

Im Unterschied zu vielen europäischen Wettbewerbern geht Leapmotor den chinesischen Weg und bemüht sich, die maximale Wertschöpfung im eigenen Haus zu halten. Aktuell sind es rund 60 Prozent – Tendenz steigend. Von Stellantis profitiert die jüngste Marke im Portfolio insbesondere von Konzernstrukturen und dem Händlernetzwerk, was gegenüber chinesischen Wettbewerbern Vorteile bei der Teileversorgung und im Service bringt.

Ein großer Schritt nach vorn dürfte der 4,52 Meter lange B10 sein, ein kompakter Mittelklasse-SUV, der elektrisch angetrieben bei 29.900 Euro startet. Dafür gibt es eine solide Ausstattung, 160 kW / 218 PS und durch das 56 kWh große Batteriepaket eine Reichweite von 360 Kilometern. Mehr Ausstattung, Akkuleistung und Reichweite gibt es in der Pro-Max-Version. Viel sind 67 kWh und 434 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp zwar nicht, aber mit 33.600 Euro macht auch hier der Preis die Musik. Da kann aktuell fast nur der Škoda Elroq mithalten. „Kunden wissen zu schätzen, wie viel Auto für wenig Geld sie bei Leapmotor bekommen“, sagte Deutschland-Chef Martin Resch, „mit dem B10 starten wir nach rund einem Jahr auf dem Markt die zweite Stufe unseres Marktstarts und wollen spürbar wachsen.“

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Damit nicht genug, denn Leapmotor hat viel vor und setzt damit nicht nur die internationale Konkurrenz, sondern auch die hausinternen Konzernmodelle unter Druck. Neben den Modellen B01 (Limousine) und B05 (Schrägheck) sollte insbesondere der 4,20 Meter lange Elektro-Crossover B03X, in China als A10 bekannt, seine Interessenten finden. Zudem ist der C10 nicht der einzige, dem mit einem Range-Extender Langstreckenqualitäten eingehaucht werden, denn in diesem Jahr bekommt auch der B10, unterwegs auf der LEAP 3.5-Plattform, als REEV einen Reichweitenverlängerer. Zudem hat Leapmotor mit dem D19 ein SUV-Topmodell aus dem E-Segment angekündigt.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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