Die Elektromobilität in Mittel- und Osteuropa hat 2025 sichtbar an Tempo gewonnen. Das zeigt eine Auswertung der Neuzulassungen von reinen E-Autos von Januar bis Ende Dezember. Analysiert wurden die Märkte von Automobil-Analyst Matthias Schmidt auf Basis nationaler Zulassungsdaten. Das Ergebnis fällt differenziert aus. Einige Länder legen stark zu, andere verlieren an Dynamik. Entscheidend ist der Blick auf Struktur und Ausgangslage.
Polen rückt besonders in den Fokus. Im Dezember entfiel dort jedes neunte neu zugelassene Auto auf ein reines Elektroauto. Damit schaffte es der Markt erstmals unter die zehn größten E-Auto-Märkte der Europäischen Union. Auf das Gesamtjahr gerechnet stiegen die Elektroauto-Zulassungen auf mehr als 43.000 Einheiten. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das ein Plus von 161,5 Prozent. Der Marktanteil batterieelektrischer Autos lag bei 7,2 Prozent. Noch 2024 waren es drei Prozent. Diese Entwicklung ist kein statistischer Zufall, sondern Ausdruck eines breiteren Nachholeffekts.
Ein ähnliches, wenn auch kleineres Bild zeigt sich in Tschechien und Ungarn. Beide Länder steigerten ihre E-Auto-Zulassungen deutlich. Tschechien kam 2025 auf fast 14.000 Elektroautos, ein Zuwachs von 26,5 Prozent. Der Marktanteil blieb mit 5,6 Prozent stabil. Ungarn verzeichnete gut 11.000 Zulassungen und ein Plus von 28,5 Prozent. Dort wuchs der Anteil auf 8,5 Prozent. In beiden Fällen zeigt sich, dass Wachstum zunehmend aus dem Massenmarkt kommt und nicht mehr nur aus Flotten oder Pilotprojekten.
Dynamik statt Volumen als prägender Faktor
Besonders stark fallen die prozentualen Zuwächse in kleineren Märkten aus. Slowenien verdoppelte seine E-Auto-Zulassungen nahezu. Gut 6400 Elektroautos bedeuteten ein Plus von 104 Prozent. Der Marktanteil stieg auf 11,2 Prozent. Auch die Slowakei legte kräftig zu. Dort kletterten die Neuzulassungen um 96,5 Prozent auf knapp 4400 Einheiten. Litauen meldete ein Wachstum von 77,1 Prozent. Das Volumen blieb mit 3150 Autos überschaubar, der Anteil erreichte jedoch 7,5 Prozent.
Diese Länder profitieren von mehreren Faktoren. Förderprogramme wurden vereinfacht. Modellangebote sind breiter geworden. Gleichzeitig sinken die Einstiegspreise. Der Markt reagiert sensibel auf solche Veränderungen, da das Ausgangsniveau niedrig war. Schon moderate absolute Zuwächse führen zu hohen Wachstumsraten. Das erklärt die teils auffälligen Prozentwerte.
Nicht überall verläuft die Entwicklung positiv. Rumänien etwa stagnierte. Die Zulassungen gingen 2025 leicht zurück. Knapp 8850 Einheiten entsprechen einem Minus von 9,7 Prozent. Der Marktanteil sank auf 5,6 Prozent. Ähnlich fällt das Bild in Estland aus. Dort brachen die Neuzulassungen um 34,2 Prozent ein. Malta meldete ebenfalls rückläufige Zahlen. Trotz eines weiterhin sehr hohen Elektroanteils von rund 38 Prozent ging das Volumen um 15,1 Prozent zurück.
Diese Rückgänge lassen sich nicht allein mit Nachfrage erklären. In mehreren Ländern liefen Förderprogramme aus oder wurden gekürzt. Gleichzeitig belasteten hohe Strompreise und unsichere politische Rahmenbedingungen die Kaufbereitschaft. In sehr kleinen Märkten wirken sich einzelne Großbestellungen zudem stark auf die Statistik aus.
Mittel- und Osteuropa gewinnt an Gewicht
In der Summe zeigt sich dennoch ein klarer Trend. Die Region Mittel- und Osteuropa erhöhte ihre Elektroauto-Zulassungen 2025 um 60,5 Prozent auf Gut 100.000 Autos. Der Anteil am gesamteuropäischen E-Auto-Markt lag bei 3,9 Prozent. Im Vorjahr waren es 4,5 Prozent bei deutlich geringerem Volumen. Der Marktanteil innerhalb der Region stieg von 4,5 auf 6,7 Prozent. Das bedeutet, dass Elektroautos dort schneller wachsen als der Gesamtmarkt.
Der Dezember spielte dabei eine besondere Rolle. Viele Länder meldeten zum Jahresende auffällige Ausschläge nach oben. In Polen erreichte der Elektroanteil in diesem Monat über elf Prozent. Auch Slowenien und Zypern zeigten im Dezember zweistellige Marktanteile. Solche Effekte deuten auf Vorzieheffekte, steuerliche Anreize und gezielte Flottenabschlüsse hin. Gleichzeitig zeigen sie, welches Potenzial vorhanden ist, wenn Rahmenbedingungen stimmen.
Quellen: Industry data / ACEA / Schmidt Automotive Research / The European Electric Car Study








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