Teslas Europa-Absatz bricht ein, Sorgen um Grünheide

Teslas Europa-Absatz bricht ein, Sorgen um Grünheide
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Tesla | Symbolbild

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Der Start ins Jahr 2025 brachte für Tesla in Europa deutliche Rückschläge. In der Europäischen Union lagen die Verkäufe des Herstellers rund 38 Prozent unter dem Vorjahreswert, in Deutschland fiel der Absatz sogar um fast die Hälfte. Die Zahlen trafen besonders den Standort Grünheide in Brandenburg, wo seit 2022 Teslas einzige europäische Gigafactory in Betrieb ist. Ursprünglich sollte das Werk die starke Nachfrage nach Elektroautos in Europa bedienen, doch inzwischen verkauft der Konzern hierzulande weniger Modelle als zu Zeiten reiner Importe, wie das Manager Magazin berichtet.

Die Fabrik produziert aktuell etwa 5000 Autos pro Woche, was einer Jahresleistung von rund 250.000 Einheiten entspricht. Genehmigt ist jedoch eine Kapazität von 500.000, langfristig war sogar von bis zu einer Million Autos die Rede. Für die rund 10.700 Beschäftigten rücken damit Fragen nach Auslastung und Perspektive in den Vordergrund.

Werksleiter André Thierig zeigte sich dennoch zuversichtlich. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur betonte er, die Produktion sei 2025 in jedem Quartal wie geplant gesteigert worden, und verwies auf eine stabile Lage sowie positive Erwartungen für 2026. Auch eine Unternehmenssprecherin sprach von gesicherten Arbeitsplätzen und einer verlässlichen Perspektive.

Tesla-Management setzt trotz Marktschwäche auf Expansion

Zu diesem Bild gehört der bei Tesla gewohnte Optimismus, der auch vom Vorstand um Elon Musk getragen wird. In Grünheide kündigte das Management neben weiteren Produktionssteigerungen an, ab 2027 Batteriezellen vor Ort fertigen zu wollen. Parallel dazu wurden erneut zahlreiche Stellen ausgeschrieben, obwohl der Absatz in Europa schwächelt. Als Hoffnungsmärkte nannte Thierig unter anderem Kanada, Norwegen und die Türkei. Fachleute sehen diese Einschätzung jedoch differenziert.

Kanada galt lange als Absatzmarkt für das Werk in Grünheide, wird aber traditionell aus Teslas größter und kosteneffizientester Fabrik in Shanghai beliefert. Nachdem Kanada 2024 hohe Strafzölle auf chinesische Elektroautos eingeführt hatte, kamen vorübergehend Lieferungen aus den USA und Deutschland zum Einsatz. Inzwischen wurden diese Zölle im Zuge eines Handelsabkommens deutlich reduziert. Branchenbeobachter halten es daher für wahrscheinlich, dass Shanghai den kanadischen Markt erneut übernimmt. Sam Fiorani von AutoForecast Solutions sprach von einer möglichen raschen Wiederaufnahme der Exporte, während Tesla selbst keine Stellung nahm.

Auch Norwegen lieferte 2025 ein verzerrtes Bild. Dort stiegen Teslas Verkäufe gegen den europäischen Trend deutlich, weil viele Käufer Anschaffungen vorzogen, um einer angekündigten Mehrwertsteuer zu entgehen. Dieser Effekt ist nun ausgelaufen. Aktuelle Registrierungen liegen laut EU-EVs.com deutlich unter dem Vorjahresniveau. Ein ähnliches Muster zeigte sich in der Türkei, wo Tesla zeitweise durch eine softwareseitige Leistungsdrosselung des Model Y steuerliche Vorteile nutzte. Nachdem die Regierung diese Regel geschlossen hat, dürfte der Absatz zurückgehen. Zusätzlich verschärft sich der Wettbewerb, da BYD noch in diesem Jahr ein Werk in Izmir mit einer Kapazität von 150.000 Autos eröffnen will.

Wachsender Gesamtmarkt ohne spürbaren Tesla-Effekt

Während der europäische Markt für Elektroautos insgesamt wieder wächst, profitiert Tesla davon bislang kaum. In wichtigen Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Frankreich oder Deutschland bleiben die Neuzulassungen deutlich hinter dem Vorjahr zurück. In Deutschland kommt hinzu, dass laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft mehr als drei Viertel der Befragten einen Kauf eines Tesla-Autos grundsätzlich ausschließen. Der öffentliche Auftritt von Musk und umstrittene Inhalte auf seiner Plattform X tragen nach Einschätzung vieler Beobachter zum Imageverlust bei.

Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund die Personalpolitik in Grünheide. Trotz eines Mitarbeiterabgangs von rund 14 Prozent in den vergangenen zwei Jahren erhöhte Tesla die Zahl der Stellenanzeigen deutlich. Im vierten Quartal 2025 wurden 477 Positionen ausgeschrieben, rund 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie eine Analyse von Index Research zeigt. Gesucht werden vor allem Fachkräfte aus Technik, IT und Projektmanagement. Hinweise auf eine breite Vorbereitung der geplanten Batteriezellfertigung finden sich in den Anzeigen bislang kaum.

Die Zellproduktion bleibt dennoch Teil der langfristigen Strategie. Bislang bezieht Tesla die Batteriezellen aus dem Werk in Austin und montiert sie in Grünheide zu Batteriepacks. Der Plan einer eigenen Fertigung wurde bereits 2020 vorgestellt, damals noch mit sehr hohen Kapazitätszielen. Heute ist von 8,6 Gigawattstunden die Rede, was rechnerisch für etwa 130.000 Autos ausreicht. Rund 900 Millionen Euro wurden bereits investiert, weitere Mittel sollen folgen. Batterieexperte Wolfgang Bernhart von Roland Berger verweist auf hohe Kosten in Europa, sieht aber langfristig Vorteile für Unternehmen, die früh Know-how aufbauen. Bleibt der Absatz niedrig, wächst zugleich der Druck, Teslas europäische Präsenz wirtschaftlich zu untermauern.

Quelle: Manager Magazin – Wie der US-Konzern seine Gigafabrik in Grünheide retten will

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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