In dieser, zumindest zeitlich gesehen, Sonderfolge unseres Podcasts habe ich mit Florian Kraft gesprochen, seit August 2024 CEO von Renault Deutschland. Er verantwortet nicht nur die Marke Renault, sondern auch die Länderleitung der Renault Group in einem der anspruchsvollsten Automärkte Europas. Entsprechend offen und differenziert fiel unser Gespräch aus – über Produkte, Preise, Ladeinfrastruktur und die Frage, warum Elektromobilität oft nicht am Auto selbst scheitert.
Ein zentrales Thema war der neue elektrische Twingo. Für Kraft ist klar, dass das Modell seine ursprüngliche DNA behalten soll. „Es geht nicht nur um Erschwinglichkeit, sondern um Einfachheit, Nähe zum Kunden und dieses gewisse Lächeln, das der Twingo immer transportiert hat“, sagt er. Gleichzeitig werde der Twingo konsequent elektrisch gedacht. Retro im Design ja, aber „keine Kompromisse beim Produkt“. Trotz kleinerer Batterie im Vergleich zu Renault 4 und Renault 5 soll das Auto alles bieten, was Kundinnen und Kunden im A-Segment erwarten – inklusive Konnektivität, verstellbarer Rückbank und Alltagstauglichkeit. Der Zielpreis: unter 20.000 Euro. Möglich macht das unter anderem die AmpR-Small-Plattform, die bewusst auf Kosteneffizienz ausgelegt ist.
Überhaupt wurde im Gespräch deutlich, wie stark Renault aktuell zwischen verschiedenen Anforderungen balanciert. Einerseits treibt der Konzern die Elektrifizierung konsequent voran, andererseits hält man bewusst an einem breiten Antriebsportfolio fest – von Elektro über Hybrid bis hin zu Verbrennern. Für Kraft ist das kein Widerspruch, sondern Ausdruck von Marktverständnis. Mut zeige Renault nicht nur mit neuen Elektroplattformen, sondern auch damit, weiterhin klassische Modelle wie den neuen Clio auf den Markt zu bringen. „Wir reden nicht nur davon, alles anzubieten – wir tun es auch“, so seine klare Haltung.
Ein großer Teil des Gesprächs drehte sich um Ladeinfrastruktur und Kosten. Kraft machte deutlich, dass aus seiner Sicht nicht die Verfügbarkeit von Ladesäulen das Hauptproblem ist. Er selbst fährt seit über zwölf Monaten ausschließlich elektrisch, mehr als 40.000 Kilometer im Jahr, und hatte nach eigenen Angaben noch nie Schwierigkeiten, eine Ladesäule zu finden. Das eigentliche Hemmnis seien die Preise. „Die erste Sorge ist nicht der Anschaffungspreis, sondern die fehlende Transparenz bei den Ladepreisen“, betont er. Schnellladepreise von bis zu 1,20 Euro pro Kilowattstunde seien für private Vielfahrer schlicht nicht tragbar.
Laden: Planbarkeit statt Billigpreise als Schlüssel zur Akzeptanz
Als konkrete Antwort darauf hat Renault den Mobilize Charge Pass im Angebot. Für 4,99 Euro im Monat können Kundinnen und Kunden an Ionity-Stationen für 0,39 Euro pro Kilowattstunde laden – auch an Schnellladesäulen. Ein Angebot, das laut Kraft noch zu wenig bekannt ist und künftig stärker kommuniziert werden soll. Gleichzeitig denkt Renault über spezifische Lösungen für urbane Fahrzeuge wie den Twingo nach, etwa stärker auf AC-Laden ausgerichtete Tarife. Entscheidend sei dabei weniger der absolute Preis als die Planbarkeit. „Man muss es nicht billig machen, aber planbar“, bringt er es auf den Punkt.
Auch die neue Elektroauto-Prämie wurde eingeordnet. Kraft sieht sie als zusätzliche Unterstützung, nicht als entscheidenden Hebel. Der Markt habe sich bereits weiterentwickelt, 2025 zeige trotz Wegfall der BAFA-Prämie ein starkes Wachstum bei Elektro-Neuzulassungen. Viele Menschen setzten sich heute zumindest gedanklich mit Elektromobilität auseinander – selbst wenn sie beim aktuellen Autokauf noch einmal zum Verbrenner greifen.
Spannend war zudem der Blick auf die Lernkurve beim Umstieg auf Elektro. Kraft spricht offen von einer Anpassungsphase von „zwei bis acht Wochen“, in der sich Nutzerinnen und Nutzer an Reichweitenmanagement, Laden und Verbrauch gewöhnen müssen. Diese Ehrlichkeit hält er für entscheidend, auch im Verkauf. Elektromobilität sei heute für viele geeignet, auch für Vielfahrer, aber nicht jeder wolle sofort neue Erfahrungen machen. Deshalb brauche es Begleitung statt Belehrung.
Handel als emotionales Bindeglied im Wandel
Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem Handel zu. Kraft beschreibt die Händler als zentrales Bindeglied, das die Transformation insgesamt gut mitgeht. Gleichzeitig steigen die Erwartungen der Kundschaft, etwa bei Fragen zu Wallboxen, Stromanschlüssen oder Connected Services. Dass rund 40 Prozent der Anrufe bei der Renault-Kundenbetreuung das Thema Digitalisierung betreffen, zeigt, wie komplex das System rund ums Auto inzwischen geworden ist.
Zum Abschluss unseres Gesprächs kehrten wir noch einmal zum Twingo zurück – und zur Frage nach Mut. Nun aber genug der Vorworte – lasst uns direkt in das Gespräch einsteigen und auch die Antwort auf die Frage nach Mut erhalten.
Gerne kannst du mir Fragen zur E-Mobilität, die dich im Alltag beschäftigen, per Mail zukommen lassen. Die Antwort darauf könnte für andere Hörer des Podcasts ebenfalls von Interesse sein. Wie immer gilt: Über Kritik, Kommentare und Co. freue ich mich natürlich. Also gerne melden, auch für etwaige Themenvorschläge. Und über eine positive Bewertung beim Podcast-Anbieter deiner Wahl freue ich mich natürlich auch sehr! Danke.








Wird geladen...