EU-Kommission will an CO2-Zielen für 2025 festhalten

EU-Kommission will an CO2-Zielen für 2025 festhalten
Copyright:

Fabrizio Maffei / Shutterstock / 2417442311

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Die EU-Kommission will die Bitten aus der Autoindustrie nicht erhören und an den schärferen CO2-Flottengrenzwerten ab 2025 festhalten. Derzeit kursiert bei EU-Entscheidern, neben einem ähnlichen, offiziellen Schreiben des Europäischen Herstellerverbands ACEA, ein inoffizielles Papier aus der Autobranche, das einen Aufschub der CO2-Limits um zwei Jahre fordert, damit Autohersteller drohenden Milliardenstrafen entgehen können.

„Das Ziel für 2025 erfordert – und ermöglicht – es den Herstellern, eine umfassende Strategie zur Einhaltung der Vorschriften zu entwickeln“, sagte Tim McPhie, Sprecher der Kommission für Klimaschutz Anfang der Woche dem Magazin Euractiv und betonte, dass das Ziel für 2025 nicht geändert werde. Er verwies auch darauf, dass die Autohersteller „ausreichend Zeit hatten, sich auf die nächste Phase des Übergangs vorzubereiten: Die Ziele ab 2025 wurden bereits 2019 von den Co-Gesetzgebern verabschiedet.“ Wie Euractiv erfahren habe, wolle sich das Direktorium des ACEA am heutigen Mittwoch treffen, um das sogenannte Non-Paper intern zu besprechen.

Der französischen Zeitung Le Monde zufolge soll das Papier von Renault stammen, dessen CEO Luca de Meo auch Vorsitzender des ACEA ist. Renault lehnte es ab, sich zum Bericht von Le Monde zu äußern. Als „zynisch und absurd“ bezeichnete Julia Poliscanova, Senior Director bei T&E, das inoffizielle Papier in einer Stellungnahme. „Die Autohersteller haben in den vergangenen zwei Jahren über 130 Milliarden Euro Gewinn gemacht und hatten ausreichend Zeit, sich auf die Vorgaben vorzubereiten.“

Besonders brisant: Das inoffizielle Papier fordert die EU-Kommission dazu auf, die Krisenverordnung entsprechend Artikel 122 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU anzuwenden, der es den Mitgliedstaaten erlaubt, in Notlagen Maßnahmen zu ergreifen, die ohne die Zustimmung des Europäischen Parlaments eingeleitet werden könnten, wie es etwa während der Corona-Krise oder im Ukraine-Krieg der Fall war. T&E-Direktorin Poliscanova wies diese Forderung entschieden zurück: „Das ist weder ein Krieg noch eine Pandemie, sondern ein eigennütziger Schachzug.“

Um das Ziel von rund 95 Gramm CO2 pro Kilometer für 2025 zu erreichen, müssen Autohersteller eine E-Auto-Quote von mindestens etwa 20 Prozent und/ oder einen hohen Anteil von Plug-in-Hybriden und Hybridautos unter ihren Neuwagen aufweisen. Die meisten Hersteller sollten ihre Ziele für 2025 erfüllen können, zeigt eine aktuelle Auswertung von Transport & Environment.

„Es wäre surreal, die Regeln jetzt zu ändern“

Einige Hersteller wie etwa Stellantis, der wie Volvo 2022 aus dem ACEA ausstieg, unterstützen die aktuellen Regeln ausdrücklich. „Es wäre surreal, die Regeln jetzt zu ändern“, sagte CEO Carlos Tavares gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Auch er verweist darauf, dass die Branche genügend Vorlauf hatte, sich auf die neuen CO2-Ziele einzustellen: „Jeder kennt die Regeln schon lange und hatte Zeit, sich vorzubereiten, und jetzt ist es an der Zeit, ins Rennen zu gehen“.

Tavares sieht den Volumenhersteller Stellantis in einer guten Position, um die Ziele für 2025 zu erreichen. Der Hersteller, der 14 Automarken wie Citroën, Peugeot, Fiat und Opel und einem Dach vereint, habe entsprechende Automodelle entwickelt und alles dafür vorbereitet, um sie zu produzieren und zu verkaufen.

Quelle: Euractiv – EU-Kommission: Kein Aufschub der CO2-Ziele für Autoindustrie / Automotive News – Stellantis opposes any delay in EU’s 2025 CO2 emissions target / Automobilwoche – Autoindustrie: Acht Fabriken dicht wegen CO2-Zielen ab 2025?

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Welche Automobilhersteller werden 2035 den Weltmarkt anführen?

Welche Automobilhersteller werden 2035 den Weltmarkt anführen?

Daniel Krenzer  —  

Chinesische Automobilhersteller könnten bis 2035 den Weltmarkt dominieren. Eine KPMG-Studie zeigt, wie sich die globale Rangordnung verändern dürfte.

ICCT: Lockerungen durch EU könnte 185.000 Arbeitsplätze kosten

ICCT: Lockerungen durch EU könnte 185.000 Arbeitsplätze kosten

Daniel Krenzer  —  

Laut ICCT könnte eine Lockerung der EU-CO₂-Vorgaben bis 2035 rund 185.000 Arbeitsplätze kosten. Besonders betroffen wäre die deutsche Automobilindustrie.

Obrist pleite: Aus für HyperHybrid und Methanol-Pläne

Obrist pleite: Aus für HyperHybrid und Methanol-Pläne

Sebastian Henßler  —  

Ein Tesla mit Methanol-Motor und 1000 Kilometern Reichweite war das Aushängeschild. Nun sind Obrist Powertrain und Obrist Technologies im Konkurs.

Afrikanische Union will stärker auf E-Autos setzen

Afrikanische Union will stärker auf E-Autos setzen

Michael Neißendorfer  —  

Die Afrikanische Union hat große Pläne für den Ausbau der Elektromobilität – als Chance für nachhaltige Wirtschaftsentwicklung. Auch für Europa.

Upgrade statt Neukauf: So soll das E-Auto 50 Jahre fahren

Upgrade statt Neukauf: So soll das E-Auto 50 Jahre fahren

Sebastian Henßler  —  

Prof. Dr. Günther Schuh denkt das E-Auto neu: Das Chassis hält 50 Jahre, während Design, Technik und Batterie in festen Abständen erneuert werden.

Europas Automobilregionen fordern klaren Fokus auf E-Autos

Europas Automobilregionen fordern klaren Fokus auf E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobilregionen der EU fordern gezieltere Investitionen zur Unterstützung des Übergangs zu Elektroautos und eine klare Richtung.

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

LFP-Akkus: China hält mehr als die Hälfte der Patente

Sebastian Henßler  —  

Mehr als die Hälfte aller LFP-Patente stammt aus China. Europa kommt 2024 auf knapp sieben Prozent, obwohl die Grundlagen in den USA und Kanada entstanden.