Afrikanische Union will stärker auf E-Autos setzen

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Michael Neißendorfer
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Die Afrikanische Union (AU) hat vor Kurzem ihre Strategie zum Ausbau der Elektromobilität auf dem afrikanischen Kontinent veröffentlicht. Mit den „Strategic Directions for the Development of Electric Vehicles in Africa“ ruft die AU ihre Mitgliedstaaten unter anderem dazu auf, Zentren für die Herstellung von Batterien und die Montage von Elektrofahrzeugen einzurichten sowie die notwendige Ladeinfrastruktur voranzutreiben, so Agora Verkehrswende in einer Mitteilung.

Die Nationalstaaten sind zudem angehalten, ihre Stromnetze auszubauen, erneuerbare Energiequellen zu fördern, Ziele für die Marktentwicklung der Elektromobilität zu benennen und damit schrittweise den Verkauf von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren zurückzufahren. Die Verkehrsminister der AU hatten die Strategie bereits im April dieses Jahres verabschiedet. Agora Verkehrswende bewertet das Rahmenwerk auch als Aufruf für Deutschland und Europa, ihre strategischen Partnerschaften zur Elektromobilität mit Afrika auszubauen.

„Die Strategie der Afrikanischen Union zur Elektromobilität hat über den Kontinent hinaus Bedeutung“, sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. „Afrika ist mit seiner wachsenden Bevölkerung und Wirtschaftskraft ein entscheidender Zukunftsmarkt für die Fahrzeugindustrie weltweit. Deutschland, die EU und die hiesige Fahrzeugindustrie sollten umgehend zusammen mit afrikanischen Partnern in die Elektromobilität und damit in die grüne Industrialisierung des Kontinents investieren. Jetzt ist der Moment für den Aufbau strategischer Partnerschaften gekommen. Wenn Deutschland diese Chance ergreift, kann das auch die Transformation der Automobilindustrie hierzulande befördern und so zum beiderseitigen Nutzen sein.“

Naville Geiriseb, Projektleiter Internationale Zusammenarbeit mit Schwerpunkt Afrika bei Agora Verkehrswende, sagt: „Die afrikanischen Regierungen sehen zunehmend Elektromobilität als wirksamen Weg, das zu erwartende Verkehrswachstum klima- und umweltgerecht zu gestalten und unabhängiger vom Import teurer fossiler Energieträger zu werden. Vor dem Hintergrund der enormen Potenziale erneuerbarer Energien und kritischer Rohstoffe auf dem Kontinent wollen die afrikanischen Länder eine eigene Industrie für elektrische Fahrzeuge aufbauen und so das Zeitalter des Verbrennungsmotors überspringen. Das größte Hindernis für die Elektromobilität in Afrika ist nicht der politische Wille, sondern der Zugang zu dem für die Umsetzung benötigten Kapital. Deshalb sind internationale Partnerschaften und gemeinsame Investitionen unerlässlich.“

Afrika beschleunigt die Elektrifizierung des Verkehrs

Laut Prognosen des internationalen Verkehrsbündnisses SLOCAT wird sich der CO2-Ausstoß aus dem Verkehr in den afrikanischen Staaten bis 2050 mehr als verdoppeln, wenn das ebenfalls prognostizierte Wachstum der Motorisierung nicht von fossilen Energieträgern entkoppelt wird. Etwa ein Drittel aller Länder des afrikanischen Kontinents unternimmt laut einer Analyse von Agora Verkehrswende bereits konkrete Schritte in Richtung Elektromobilität. Nach Ansicht des Thinktanks wird das Rahmenwerk der AU diese Entwicklung in den Nationalstaaten nun deutlich beschleunigen. Zwar ist die Strategie nicht rechtlich bindend, doch übersetzen die Mitgliedstaaten Empfehlungen der AU erfahrungsgemäß zeitnah in nationale Gesetzgebungen.

Nach Berechnungen von Agora Verkehrswende betrugen Ende 2025 die Importausgaben für Benzin und Diesel für den Straßenverkehr in afrikanischen Staaten durchschnittlich 3,6 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Der globale Mittelwert lag zu dem Zeitpunkt bei 2,1 Prozent. Die Ausgaben dürften durch den Ölpreisschock aufgrund des kriegerischen Konflikts zwischen den USA und dem Iran noch deutlich angestiegen sein.

Gleichzeitig befinden sich auf dem afrikanischen Kontinent 60 Prozent der weltweiten Standorte mit dem größten Potenzial für Solarenergie; auch die Voraussetzungen für Wind-, Wasser- und Geothermie sind sehr gut. Afrika verfügt zudem über große Vorkommen an Rohstoffen, die für einen erfolgreichen Übergang zu batterieelektrischen Antrieben unerlässlich sind. Unter anderem ist die Demokratische Republik Kongo mit Abstand der weltweit größte Kobaltproduzent, ebenso sind die afrikanischen Länder insgesamt die weltweit größten Manganproduzenten.

Ein kontinentales Rahmenwerk für Elektromobilität ist eine zentrale Empfehlung der kürzlich erschienenen Publikation „Turning Points: Enabling Sustainable Transport in Africa“. Die darin enthaltenen zwölf politischen Richtungsentscheidungen für ein zukunftsfähiges Verkehrssystem wurden von Expertinnen und Experten von 50 afrikanischen Organisationen inklusive der Afrikanischen Union erarbeitet. Agora Verkehrswende und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sind die Herausgeber.

Quelle: Agora Verkehrswende – Pressemitteilung vom 22.09.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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