Für den seriellen Hybridantrieb “HyperHybrid” und die Methanol-Technologien aus Vorarlberg gibt es keine Zukunft mehr. Das Landesgericht Feldkirch hat über die Obrist Powertrain GmbH und die Obrist Technologies GmbH jeweils ein Konkursverfahren eröffnet, in beiden Fällen auf Eigenantrag. Eine Fortführung oder Sanierung sei aus heutiger Sicht nicht möglich, teilt der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mit. Einer sofortigen Schließung wurde in beiden Verfahren zugestimmt.
Neben den beiden österreichischen Gesellschaften ist laut “Vorarlberger Nachrichten” auch die deutsche Obrist DE zahlungsunfähig. Zusammen summieren sich die Verbindlichkeiten der drei Firmen auf rund 31,8 Millionen Euro, beschäftigt sind dort insgesamt 14 Menschen. Damit endet ein Kapitel, in dem die Lustenauer Gruppe über Jahre an Alternativen zum rein batterieelektrischen Antrieb gearbeitet hat, vom Hybridmotor bis zum synthetischen Kraftstoff.
Bei Obrist Powertrain haben derzeit 34 Gläubiger:innen Forderungen von rund 18,9 Millionen Euro angemeldet. Für Obrist Technologies weist der AKV zehn Gläubiger:innen mit zusammen rund 6,1 Millionen Euro aus, auf Obrist DE entfallen laut Zeitungsbericht weitere 6,8 Millionen Euro. In der Powertrain-Sparte sind neun Beschäftigte betroffen, die Technologies-Gesellschaft hatte zuletzt keine Angestellten.
Als Ursachen nennt der Gläubigerschutzverband die über viele Jahre angefallenen hohen Entwicklungskosten und den fehlenden nachhaltigen Marktdurchbruch. Hinzu kommen die anhaltende Krise der europäischen Automobilindustrie sowie die verstärkte Ausrichtung der Hersteller auf reine Elektroautos, die den Markt für Verbrennungs- und Methanoltechnologien ausgebremst habe. Zuletzt scheiterten Verhandlungen mit ausländischen Investoren über ein Joint Venture. Firmengründer Frank Obrist verwies gegenüber den VN zusätzlich auf ausbleibende Einnahmen.
Vom Methanol-Tesla bis zur Wüstenfabrik
Im Zentrum der 2014 gegründeten Obrist Powertrain stand das HyperHybrid-System mit einem eigens entwickelten Verbrennungsmotor, der auch mit alternativen Kraftstoffen betrieben werden kann. Dieser treibt die Räder nicht an, sondern lädt ausschließlich einen vergleichsweise kleinen Akku, und zwar möglichst im optimalen Drehzahlbereich. Erstmals öffentlich zeigte das Unternehmen das Prinzip Anfang 2020 an einem umgebauten Tesla Model 3, dem “Mark II”. Für dieses Auto nannte Obrist einen realen Verbrauch von zwei Litern Kraftstoff und sieben kWh Strom auf 100 Kilometer, ein vergleichbares Modell sollte laut NZZ weltweit für rund 18.000 Euro angeboten werden können.
Einen Schritt weiter ging 2022 ein umgebautes Tesla Model Y, das Elektroauto-News am Bodensee fahren konnte. Verbaut waren zwei gegenläufige Einzylinder mit zusammen einem Liter Hubraum und rund 40 kW, die einen 17 kWh großen Akku speisten. Die Originalbatterie war einem 40-Liter-Methanoltank und der Abgasanlage gewichen. Durch den gleichmäßigen Betrieb sollte der Stromspeicher nach Angaben von Obrist Powertrain das Fünffache der üblichen 1000 Ladezyklen erreichen.
Obrist gab für dieses Auto einen Verbrauch von 3,3 Litern Methanol auf 100 Kilometer und eine Reichweite von rund 1000 Kilometern an. Ein späteres Serienmodell sollte unter 25.000 Euro kosten. Selbst bauen wollte das Unternehmen solche Autos allerdings nie, sein Geschäftsmodell lautete konstruieren, patentieren, lizenzieren. Interessierte Hersteller gebe es, auch aus Deutschland, hieß es damals, zudem lag ein Auftrag der Bundesregierung über zehn Prototypen für wissenschaftliche Institute vor.
Die Kraftstoffseite verantwortete die Obrist Technologies. Sie entwickelte und verwaltete geistiges Eigentum rund um klimaneutrale beziehungsweise klimapositive Kraftstoffe, CO2-Abscheidung und Methanolerzeugung. Unter dem Markennamen aFuel sollte synthetisches Methanol aus Solarstrom, Wasserstoff und CO2 aus der Luft entstehen, Obrist sprach dabei auch von “flüssigem Strom”. Bei Normaltemperatur flüssig, lässt sich der Kraftstoff über bestehende Wege wie Pipelines, Tankschiffe oder Tanklaster transportieren.
Im Jahr 2024 stellte die Gruppe dazu Pläne für sogenannte Gigaplants vor, große Solaranlagen im Sonnengürtel der Erde, die statt Strom Methanol liefern sollten. Vorgesehen waren knapp vier Millionen Tonnen pro Anlage und Jahr, das nötige Wasser sollte selbst in der Wüste aus der Luft gewonnen werden. Als mögliche Standorte nannte Obrist Namibia, Ägypten, Thailand und die USA, der Bau der ersten Anlagen sollte ab 2026 beginnen, die Produktion 2028 anlaufen. “Netto-Null ist nicht genug, wir setzen auf netto-negativ”, erklärte Frank Obrist damals.
Schnelles Ende statt langer Sanierung
Für die Abwicklung sind die Dornbirner Masseverwalter Tobias Gisinger und Gernot Klocker zuständig, die Standorte werden unmittelbar geschlossen. Gläubiger:innen können ihre Ansprüche bis Montag, 2. November 2026, anmelden. Die Prüfungstagsatzungen am Landesgericht Feldkirch sind für Montag, 16. November 2026, angesetzt.
Unberührt von den Insolvenzen bleibt das Stammunternehmen Obrist Engineering in Lustenau. Es entwickelt unter anderem Komponenten für Klimaanlagen und das Wärmemanagement von Autos und beschäftigt rund 30 Menschen. Nach Angaben des Firmengründers ist die Gesellschaft wirtschaftlich stabil.
Quelle: Alpenländischer Kreditorenverband – Obrist Powertrain GmbH & Obrist Technologies GmbH / Kronen Zeitung – Obrist-Konkurs: Sofortige Schließung der Firmen / Voralberg ORF – Über 30 Millionen Euro: Obrist-Töchter insolvent








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