Europas Automobilregionen fordern klaren Fokus auf E-Autos

Europas Automobilregionen fordern klaren Fokus auf E-Autos
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European Union / Octavian Carare

Michael Neißendorfer
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Die europäische Automobilbranche durchläuft derzeit einen tiefgreifenden Wandel, wobei Regionen und Städte mit den Herausforderungen der Dekarbonisierung, des globalen Wettbewerbs, des technologischen Wandels und sich verändernder Lieferketten konfrontiert sind. Vor diesem Hintergrund diskutierten die Mitglieder des Europäischen Ausschusses der Regionen (AdR) mit der Vorsitzenden der Allianz der Automobilregionen (ARA) über die Zukunft der Automobilbranche und verabschiedeten eine Stellungnahme zum EU-Automobilpaket.

Im Verlauf der Debatte wiesen lokale und regionale Entscheidungsträger gemeinsam mit Brigitte Torloting, der Vorsitzenden der ARA, auf den Druck hin, unter dem die europäische Automobilindustrie durch den globalen Wettbewerb, den technologischen Wandel und steigende Kosten steht. Sie betonten die Notwendigkeit, regionale industrielle Ökosysteme und Wertschöpfungsketten zu schützen und gleichzeitig in Qualifikationen, Innovation und neue Produktionskapazitäten in den Regionen zu investieren, die am stärksten von der Transformation betroffen sind. Zudem hoben sie hervor, wie wichtig es ist, sicherzustellen, dass sich KMU und Zulieferer anpassen können und weiterhin Teil der sich wandelnden europäischen Wertschöpfungsketten in der Automobilbranche bleiben.

Im Anschluss an die Debatte verabschiedeten die AdR-Mitglieder eine Stellungnahme zum Automobilpaket, die von María Chivite (ES/SPE), Präsidentin von Navarra, verfasst wurde. In der Stellungnahme wird ein klarer und vorhersehbarer Weg hin zu einer emissionsfreien Mobilität sowie eine gezielte Unterstützung für Regionen gefordert, die sich in einem wirtschaftlichen Umstrukturierungsprozess befinden.

In der Stellungnahme wird betont, dass die Elektrifizierung ein entscheidender Weg zur Dekarbonisierung des Straßenverkehrs ist, ihr Erfolg jedoch vom Zugang zu erschwinglicher emissionsfreier Mobilität, einer guten Ladeinfrastruktur und einer ausreichenden Marktakzeptanz in allen Regionen abhängt.

„Die Regionen und Städte Europas haben mit einer Stimme gesprochen: Wettbewerbsfähigkeit und Elektrifizierung bis 2035 gehen Hand in Hand. Klimawandel und geopolitische Instabilität sind keine abstrakten Begriffe, sondern Realitäten, mit denen wir in unseren Gebieten täglich konfrontiert sind. Stärkt die Regionen mit konkreten Finanzmitteln, dann wird Europa diesen Wandel anführen. Die Zeit der Worte ist vorbei. Jetzt müssen wir Taten folgen lassen“, kommentiert Berichterstatterin Chivite die Stellungnahme.

Lokale und regionale Entscheidungsträger forderten eine verstärkte finanzielle Unterstützung, um den Herstellern dabei zu helfen, die Emissionsminderungsziele zu erreichen und gleichzeitig den Wandel in eine Chance für Wirtschaftswachstum, industrielle Erneuerung und größere strategische Autonomie Europas zu verwandeln. In der Stellungnahme werden die Erschwinglichkeit und der Zugang zur Ladeinfrastruktur als wesentliche Voraussetzungen für eine beschleunigte Verbreitung von Elektroautos hervorgehoben.

Die AdR-Mitglieder forderten eine angemessene Ladeinfrastruktur in allen Regionen, die durch europäische, nationale und regionale Mittel unterstützt wird, sowie gezielte Maßnahmen, um E-Autos in Regionen mit geringerem Einkommen zugänglicher zu machen. Zudem sind klare und transparente Verbraucherinformationen erforderlich, um Kaufentscheidungen zu unterstützen und das Vertrauen der Öffentlichkeit in den Wandel zu stärken.

Die AdR-Mitglieder begrüßten ferner die vorgeschlagene Anwendung des „Made in the EU“-Konzepts im Automobilsektor als Mittel zur Stärkung der europäischen Produktion und Lieferketten; sie forderten jedoch, dass dessen Umsetzung verhältnismäßig und vorhersehbar bleibt und zusätzliche Verwaltungslasten, insbesondere für KMU und regionale Lieferketten, vermieden werden. Da sich die Automobilproduktion auf bestimmte Gebiete konzentriert, betonten die AdR-Mitglieder zudem die Notwendigkeit ortsbezogener Unterstützung, um den Regionen bei der Bewältigung des industriellen Wandels zu helfen. Dazu sollten gezielte Kohäsionsmittel sowie Investitionen in Qualifikationen, Umschulungen, hochwertige Arbeitsplätze und inklusive Arbeitsbedingungen gehören.

„Der globale Wettbewerb wird nicht auf uns warten“

„Die Transformation der Automobilindustrie kann nur gelingen, wenn Klimaschutz, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und gute Arbeitsplätze zusammen gedacht werden“, sagt Melanie Walter (DE/SPE), Ministerin für Europa und Regionale Landesentwicklung in der Staatskanzlei Niedersachsen. Genau hier setze die Stellungnahme des Ausschusses der Regionen an. „Für Niedersachsen als führenden Automobil- und Zulieferstandort ist entscheidend, dass Europa seine Industrie in der Transformation stärkt und Wertschöpfung, Innovation und Beschäftigung dauerhaft sichert.“

Brigitte Torloting, Vorsitzende der Allianz der Automobilregionen und Vizepräsidentin der Region Grand-Est, stellte klar, dass „die Zeit drängt: Der globale Wettbewerb wird nicht auf uns warten. Europas Reaktion muss schnell erfolgen und der historischen Herausforderung, vor der wir stehen, gerecht werden – mit einer echten Strategie, die die Automobilproduktion in unseren Gebieten und die regionalen Lieferketten schützt und aufrechterhält.“

Die Europäische Union müsse sich, so Torloting weiter, „dringend mit starken Instrumenten wie der ‚europäischen Präferenz‘ ausstatten, um ihre industrielle Basis zu sichern. Unsere Regionen verfügen über die Kompetenzen, die Infrastruktur und die Entschlossenheit, die für diesen Wandel erforderlich sind – sie sind Schlüsselakteure im industriellen Wandel. Doch wir brauchen einen klaren europäischen Rahmen und gezielte Investitionen sowie eine umfassende Einbindung in die Entscheidungen, die die industrielle und technologische Zukunft Europas prägen. Andernfalls werden wir unsere industriellen Ökosysteme – von KMU bis hin zu großen Zulieferern – unwiderruflich verlieren und mit ihnen den künftigen Wohlstand unserer Regionen.“

Quelle: Europäischer Ausschuss der Regionen – Pressemitteilung vom 14.10.2026

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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